Lieferroboter unterwegs: Großes Spielzeug oder Besucher vom Mars?

Lieferroboter unterwegs: Großes Spielzeug oder Besucher vom Mars?

Neugierig wird der kleine Roboter immer wieder von Passanten bestaunt. Doch „Robbie“ ist geschäftlich unterwegs. Nach der Idee des Herstellers soll er die Paketzustellung revolutionieren.

Autofahrer treten auf die Bremse, Kinder wollen damit spielen und Senioren wünschen sich einen Einkaufshelfer: Lieferroboter „Robbie“ hat bei seinen ersten Touren durch den Düsseldorfer Stadtteil Grafental vor allem für Aufsehen gesorgt. Nach dem Start des Pilotversuchs Ende September seien die Reaktionen auf den kleinen Paketboten auf sechs Rädern bislang durchweg positiv gewesen, berichtet Media-Saturn-Sprecherin Eva Simmelbauer. Als erstes deutsches Handelsunternehmen hatte die Elektromarktkette den vom estländischen Unternehmen Starship entwickelten Roboter über deutsche Straßen rollen lassen. Weltweit sind bereits etwa 50 der kleinen Fahrzeuge im Einsatz.

Vor allem ältere Menschen wünschten sich beim Zusammentreffen mit dem kleinen Roboter spontan Unterstützung - etwa beim Transport ihrer schweren Einkäufe, berichtete Betreuer Dino Dessi von der Herstellerfirma Starship. Kinder wollten dagegen mit dem an ein übergroßes Spielzeug erinnernden Roboter spielen und starteten erste Kletterversuche.

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Doch statt schwerer Einkaufstüten voller Milch, Brot und Marmelade hat das Fahrzeug bei seinen Touren Elektroartikel der Fachhandelskette an Bord. Bei einem weiteren Test in Hamburg liefern die Roboter Pakete im Auftrag des Logistikunternehmens Hermes an einige Hundert Testhaushalte aus. Auch in London oder der estnischen Hauptstadt Tallinn sind sie bereits unterwegs.

Die Robotergesetze

  • Der Erfinder

    Isaac Asimov (1920-1992), der zu den wichtigsten Science-Fiction-Schriftstellern der Literaturgeschichte gehört, hat mehrere Robotergesetze entworfen. Drei beschrieb der amerikanische Autor („Ich, der Robot“) russischer Herkunft erstmals 1942.

  • Das erste Gesetz

    "Ein Roboter darf Menschen nicht verletzen oder durch Untätigkeit dulden, dass Menschen zu Schaden kommen."

  • Das zweite Gesetz

    "Ein Roboter hat allen Anweisungen von Menschen zu gehorchen, außer er gerät dadurch mit dem ersten Gesetz in Konflikt."

  • Das dritte Gesetz

    "Ein Roboter muss sich selbst schützen, außer er gerät dadurch mit dem ersten oder dem zweiten Gesetz in Konflikt."

  • Das nullte Gesetz

    Später fügte Asimov noch das „Nullte Gesetz“ hinzu. Es lautet: "Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit dulden, dass die Menschheit zu Schaden kommt."

Während der noch mindestens bis zum Jahresende dauernden Erprobungsphase sind dabei in der Regel mindestens zwei Menschen mit von der Partie. Auf Fahrten außerhalb seines Heimatstandorts in Estland wird „Robbie“ derzeit grundsätzlich von einem sogenannten „Handler“ zu Fuß begleitet. Und auch ein „Operator“ in der Zentrale in Tallinn ist ständig mit dem fernsteuerbaren Roboter verbunden. Nur in Tallinn habe es bereits erste Testfahrten ohne einen menschlichen Begleiter gegeben, berichtete Starship-Sprecher Philip Schröder.

Bei einem erfolgreichen Abschluss der Tests könnte der Ernstfall für den Roboter nach Einschätzung des Herstellers bereits im kommenden Jahr starten, so dass die Lieferungen dann nur noch vom Operator überwacht würden. In Deutschland können jedoch bislang nur einige Hundert Testhaushalte die Dienste des Roboters in Anspruch nehmen. Die noch hohen Kosten für die Expresslieferung werden von der Elektromarktkette zunächst durch einen Gutschein ausgeglichen. Nach Ende der Einführungsphase verspricht die Herstellerfirma jedoch einen günstigen Betrieb des Roboters mit Kosten von etwa knapp einem Euro je Auslieferung. Damit sei der Roboter deutlich preiswerter als herkömmliche Liefermethoden, hieß es.

Roboter und Maschinen-Menschen in Literatur, Musik und Film

  • Olympia

    Olympia, eine „himmlische Schönheit“, treibt in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ (1816) den Studenten Nathanael in einen leidenschaftlichen Wahnsinn. Das Mädchen entpuppt sich als Automat.

  • Der Maschinen-Mensch

    Der Maschinen-Mensch mit golden-bronzener Rüstung muss in Fritz Langs Stummfilm „Metropolis“ (1927) die Gestalt der jungen Prophetin Maria annehmen. Die Umwandlungsszene ist heute ein Stück Kulturgeschichte.

  • Robby

    Robby war das Vorbild für unzählige Spielzeugroboter. Die 2,10 Meter große Maschine mit Lichtorgel als Mund ist im Science-Fiction-Film „Alarm im Weltall“ (1956) der Diener des zwielichtigen Dr. Morbius.

  • Die Roboter

    Die Roboter sind treue Begleiter der Düsseldorfer Elektronikband Kraftwerk. Sie gaben 1978 einer Erfolgssingle der Gruppe den Titel. Die Puppen bekommen eigene Auftritte auf der Bühne.

  • C3PO

    C3PO ist im Science-Fiction-Film „Krieg der Sterne“ ein ebenso höflicher wie überängstlicher Droide und Roboter-Mensch-Kontakter. Zuweilen ermahnt er den Roboter R2D2, der gern die Gefahr sucht.

  • Terminator

    Terminator ist eine Killermaschine aus dem gleichnamigen Actionfilm von 1984. Der Roboter mit Menschenhaut (Arnold Schwarzenegger) reist in die Vergangenheit, um eine Rebellion im Jahr 2029 zu verhindern.

Kunden können die Fahrzeuge per App buchen und dann den Liefertermin selbst bestimmen. Anschließend macht sich der Roboter im Schritttempo - mit etwa sechs Stundenkilometern - aus seiner nur wenige Kilometer entfernten Station auf den Weg. Erst am Ziel kann der Lieferbehälter dann vom Kunden geöffnet werden, zusätzlich wird die Lieferung durch den Operator überwacht, der notfalls die Polizei alarmieren kann Experten wie Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) weisen auf die derzeit noch hohen Kosten und den großen Aufwand für derart kurzfristige Lieferungen hin. Die Mehrheit der Kunden erwarte noch keine Lieferung am selben Tag, sondern sei mit einer Zustellung innerhalb von etwa zwei bis drei Werktagen zufrieden. Doch durch große Versandhändler wie etwa Amazon werde die Branche derzeit unter Druck gesetzt, so Hedde.

Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich skeptisch und verweist auf hohe technische Anforderungen und ein nur geringes Einsparpotenzial in der von prekärer Beschäftigung und niedrigen Löhnen geprägten Branche. „Wir gehen nicht davon aus, dass Lieferroboter in Zukunft in großem Ausmaß für die Zustellung an Kunden eingesetzt werden“, sagte eine Sprecherin.

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