LTE-Netzausbau: Datenturbo des iPhone 5 zündet nur im Telekom-Netz

LTE-Netzausbau: Datenturbo des iPhone 5 zündet nur im Telekom-Netz

von Meike Lorenzen

Das iPhone 5 kommt auch in Deutschland mit dem Datenturbo LTE, soviel ist seit Mittwochabend klar. Doch inwieweit wird der Datenturbo in Deutschland überhaupt nutzbar sein?

Das schnelle 4G-Netz LTE soll eine Übertragungsgeschwindigkeit von 100 MBits pro Sekunde garantieren und so das mobile Internet revolutionieren. Video-Telefonie immer und überall könnte mit LTE ebenso möglich sein wie das ruckelfreie Anschauen von HD-Videos. Doch so schön die Technik auch klingt, in Deutschland wird der Turbo noch lange nicht überall funktionieren.

Schon einen Tag nach der großen iPhone-Präsentation in San Francisco meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass das neue Apple-Smartphone nur im Netz der Telekom mit Maximalgeschwindigkeit laufen wird. Und das hat technische Gründe. Als die Bundesnetzagentur 2010 die LTE-Frequenzen für insgesamt 4,4 Milliarden Euro versteigerte, war die Telekom das erste Unternehmen, dass sich die Frequenz 1800 MHz sicherte, auf der auch das iPhone arbeitet.

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Fakten rund um LTE

  • Was ist LTE?

    LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.

  • Unterschiedliche Frequenzen

    ,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.

  • LTE-Netz in Deutschland

    Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.

  • LTE-Smartphones in Deutschland

    Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.

  • Stadt und Land

    LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.

  • Umrüstung

    LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.

Vodafone, O2 und zu Teilen auch E-Plus stürzten sich vor allem auf die niedrige Frequenz von 800 MHz, da diese sich besonders weit verbreitet. Allerdings waren an diesen begehrten Bereich seitens der Bundesnetzagentur auch besondere Bedingungen geknüpft. Die Agentur forderte die Provider auf, zunächst unterversorgte Regionen in Deutschland, die nicht über Breitband verfügen, mit dem Netz zu versorgen. Das betraf vor allem die ländlichen Regionen. Erst wenn pro Bundesland die Einwohner zu 90 Prozent versorgt sind, dürfen O2 und Co mit dem Ausbau in den Städten anfangen.

Inzwischen sind elf von 13 einst unterversorgten Bundesländern abgearbeitet. Lediglich Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg fehlen noch. Seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt.

Wettbewerbsvorteil für die Telekom

Mit dem Kauf der 1800 MHz-Frequenz hat die Telekom einen enormen Wettbewerbsvorteil. Denn während die Konkurrenz sich darum kümmerte, die Forderungen der Bundesnetzagentur zu erfüllen, baute die Telekom vor allem in urbanen Regionen kräftig aus. Nach Aussagen eines Telekom-Sprechers hat das Unternehmen in 61 deutschen Städten ihr Funknetz im 1800-Megaherz-Bereich auf LTE umgerüstet. Bis Jahresende sollen es 100 werden. Für den neuen Service bittet die Telekom ihre Kunden extra zur Kasse – wer mit der Höchstgeschwindigkeit surfen will, muss neben der üblichen Laufzeitverträge zehn Euro im Monat zusätzlich zahlen.

Neben der Telekom deckte sich im Zuge der Versteigerung 2010 nur noch E-Plus mit den 1800 MHz-Frequenzen ein, über ein eigenes Netz verfügt das Unternehmen jedoch nicht. Auch O2 und Vodafone werden den LTE-Turbo im iPhone fünf nicht anbieten können.

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