Messe-Resumee: "Hier brennt der Teppich"

Messe-Resumee: "Hier brennt der Teppich"

von Thomas Kuhn

Nach Jahren gedämpfter Laune, dominierte auf dieser Cebit wieder Aufbruchsstimmung. Trotz eines nur geringen Gäste-Plus berichten IT-Konzerne und Mittelständler von herausragendem Besucherinteresse. Derlei Euphorie hatte sich die Branche fast schon abgewöhnt. Ein Resumee von WiWo-Gadget-Inspektor Thomas Kuhn

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Messebesucher auf der Computermesse CeBIT

Für altgediente Cebit-Besucher war es in diesen Messetagen ein ungewohnter Anblick: Halle 26, jener architektonisch beeindruckende Bau mitten auf dem Hannoverschen Messegelände, dort wo sich in der Vergangenheit neben dem riesigen Stand der Deutschen Telekom auch die Ausstellungsflächen der großen Handy-Hersteller befanden, dieser einstige Hotspot der weltgrößten Computerschau stand während der Cebit 2011 leer.

Direkt daneben aber brummte die Messe - im wahrsten Wortsinne. Denn Vodafone hatte neben seinem Messestand einen Vorführparcours aufgebaut, auf dem Testfahrer Cebit-Besucher zwischen deren Messeterminen mit Mercedes-SLR-Supersportwagen und quietschenden Reifen über die Freiflächen um Halle 26 pilotierten. Angesichts der Resonanz wurde das noch in entfernten Ecken des Gelände vernehmbare Dröhnen der Boliden zu so etwas wie dem akustischen Dauerthema einer wiedererstarkten Messe. Einer Cebit 2011, die im 25 Jahr ihres Bestehens zwar nicht zu alter Größe, aber wohl doch zu alter Bedeutung zurück gefunden hat.

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Massiv mehr Kunden auf den Ständen

Denn die Stimmung hat sich gedreht: Wo die Branche in den vergangenen Jahren vor allem damit befasst war, den Kater des konjunkturellen Einbruchs zu verdauen und sich zumindest des eigenen Fortbestandes zu vergewissern, dominierte und elektrisierte in diesem Jahr mit Cloud Computing endlich wieder ein klares Trendthema die Messe. Und obwohl die Messeverantwortlichen mit insgesamt 339.000 Besuchern in diesem Jahr gerade einmal rund 5000 Gäste mehr zählten als zum historischen Tiefpunkt im vergangenen Jahr, berichteten die meisten Aussteller von großem Andrang auf ihre Stände. Daran änderte auch der Lokführerstreik am vorletzten Cebit-Tag nichts, der bei den Cebit-Machern auf die Laune schlug. Trotz kurzfristig eingesetzter Bus-Shuttles aus Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg kamen durch das Bahn-Chaos rund 10.000 Besucher weniger nach Hannover als kalkuliert.

Die konstant gute Stimmung der Aussteller indes dämpfte das nicht mehr. Schon am Mittwoch hatte etwa IBM-Deutschland-Chef Martin Jetter im WirtschaftsWoche-Gespräch von einem Messestart "mit 40 Prozent mehr Kundenkontakten als im Vorjahr" berichtet. Für die gesamte Messewoche erwartet er ein "insgesamt ein sehr erfolgreiches Messeergebnis". Kaum weniger begeistert zeigte sich Ralph Haupter, der Deutschlandchef von Microsoft, nach den ersten beiden Messetagen. "Wir wagen kaum zu glauben, wie gut die CeBIT anläuft", so Haupter im Interview mit der Branchezeitung Computer Reseller News.

Andrang auch bei Spezialanbietern

Dabei beschränke sich der Besucherandrang nicht nur auf die Branchenriesen. Auch viele kleinere Spezialanbieter berichteten im WirtschaftsWoche-Gespräch von ausnehmend hohem Besucherinteresse. Stellvertretend für viele bringt etwa Claudia Seeger, den unerwarteten Ansturm der Gäste auf den Punkt: "Bei uns brennt der Teppich. Wir müssen inzwischen sogar Interessenten vertrösten, weil wir nicht genug Rechner und Präsentationspersonal auf dem Stand haben", so die Marketing-Chefin des deutschen IT-Sicherheitsexperten Astaro aus Karlsruhe.

Beim traditionellen Frühstück der Messeleitung mit dem Ausstellerausschuss am vorletzten Cebit-Tag sollen die ersten Unternehmen denn auch schon für den Auftritt im kommenden Jahr größeren Platzbedarf angekündigt haben. Die Cebit 2012 beginnt am 6. und dauert bis zum 10. März.

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