Mobilfunk-Programme: Verlage wollen Apple mit Handy-Apps ausstechen

Mobilfunk-Programme: Verlage wollen Apple mit Handy-Apps ausstechen

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Apps

von Thomas Stölzel

Unternehmen und Verlage experimentieren mit neuen Handyprogrammen. Die Apps der Zukunft laufen nur noch im Netz und sind ein Angriff gegen den Kontrollwahn von Apple & Co.

Als am 22. Januar ein Mädchen in der englischen Grafschaft Kent das Miniprogramm Paper Glider aus Apples App Store lädt, knallen im 8500 Kilometer entfernten Silicon Valley die Korken. Der kalifornische Computerbauer Apple hatte über seinen virtuellen Softwareladen für iPhone, iPad und iPod zehn Milliarden Apps verkauft – nur gut zweieinhalb Jahre nach dessen Start. Eine atemberaubende Leistung und vorläufiger Höhepunkt einer Erfolgsgeschichte.

Seit Sommer 2008 können Nutzer solche Miniprogramme auf ihre mobilen Geräte laden. Apple kassiert dabei stets ein Drittel des Kaufpreises. Zudem behält sich der Konzern vor, zu entscheiden, welche Software Nutzer herunterladen dürfen – ohne Angabe von Gründen. Das ärgert Nutzer, Programmierer und Unternehmen gleichermaßen. Entziehen aber konnten sie sich den strengen Regeln bislang nicht.

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Doch das ändert sich. Eine neue Generation von Miniprogrammen ermöglicht es App-Anbietern, sich aus der Umklammerung von Apple und Google zu befreien. Und das tun sie: Konsumgüterhersteller, Großbanken, Verlage und Spieleanbieter stürzen sich regelrecht auf die neue Technik.

Die neuen Apps basieren auf der unter Fachleuten als HTML 5 bekannten Programmiersprache, einer Weiterentwicklung des Codes, auf dem die meisten Internet-Seiten basieren. Damit lassen sich Programme schreiben, die nicht mehr direkt auf dem Telefon laufen, wie die bekannten Apps von Bahn, Post und Air Berlin. Stattdessen werden die sogenannten Web-Apps – ähnlich wie Web-Seiten – im mobilen Internet-Browser gestartet. Für den Nutzer ist der Unterschied kaum zu spüren: Er tippt auch in Zukunft auf ein kleines Symbol auf dem Handybildschirm, um das Programm zu starten. Alles, was Programmierer herkömmlichen Apps beibringen können, ist auch bei den Web-Apps möglich. Für die Anbieter indes ist die Technik eine Revolution.

Offensive von Facebook

Das hat sich auch in Deutschland herumgesprochen. Bei Unternehmen wie Yoc, Europas größtem Auftragsentwickler für Apps, stapeln sich die Anfragen von Firmenkunden. An mehr als 30 Web-Apps für deutsche Großunternehmen arbeiten seine Leute, berichtet Yoc-Chef Dirk Kraus. Darunter finden sich beispielsweise die Telefonbuchdienste der Deutschen Telekom sowie ein großer Handelskonzern, der derzeit noch nicht namentlich genannt werden will.

Und die Entwickler haben mächtige Unterstützer: Eine Reihe globaler Mobilfunkriesen wie China Mobile, Vodafone und die Deutsche Telekom wollen gerade mithilfe der Organisation Wholesale Applications Community App-Entwickler in aller Welt dazu bringen, Web-Apps auf den Markt zu bringen. Unterstützt wird die Londoner Organisation von Handyherstellern wie Huawei, LG, Samsung und Sony Ericsson.

Am intensivsten jedoch treibt das soziale Netzwerk Facebook die Entwicklung der neuen Programme voran. Dessen Technikvorstand Bret Taylor bezeichnete HTML-5-Apps für sein Unternehmen als eines der wichtigsten Themen des Jahres. Facebook will mit der neuen Technik unter anderem Spiele wie Farmville und Restaurant City, die weltweit von einigen Hundert Millionen Facebook-Mitgliedern gespielt werden, auf Smartphones bringen. Damit soll das Netzwerk für Menschen unterwegs attraktiver werden.

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