Mobilfunk: Verstopfte Datennetze werden zum Problem

Mobilfunk: Verstopfte Datennetze werden zum Problem

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Der Erfolg der Smartphones führt zu verstopften Datenleitungen

von Jürgen Berke

Der Erfolg von iPhone & Co. führt zu verstopften Datenleitungen und beeinträchtigt auch normale Telefonate. O2 entschudigte sich bereits für Störungen, doch Lösungen sind erst einmal nicht in Sicht - die Netzbetreiber stecken in der Internetfalle.

Wer Hans Vestberg lauscht, dem neuen Vorstandsvorsitzenden von Netzausrüster Ericsson, der glaubt schnell an das unbegrenzte Wachstum im Mobilfunk. Bis 2020, also in den nächsten zehn Jahren, soll die Zahl der Mobilfunkgeräte explosionsartig auf 50 Milliarden wachsen. Heute sind es gerade mal 4,2 Milliarden Menschen, die ein Mobiltelefon nutzen.

Vestbergs Rechnung ist ganz einfach: Er geht davon aus, dass 2020 jeder Erdenbürger fünf oder sechs Geräte nutzt. Gleichzeitig bekommen auch noch viele Maschinen einen Mobilfunkanschluss. Dadurch steigt dann die Marktdurchdringung auf aus heutiger Sicht erstaunliche 500 Prozent.

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Was das für die Auslastung der Mobilfunknetze bedeutet, hat Ericssons Konkurrent NokiaSiemensNetworks ausgerechnet: Bis 2015 steigt das von Laptops, Notebooks und Netbooks ausgehende Datenvolumen um 1000 Prozent, die von Smartphones ausgesendeten und empfangenen Daten kommen sogar auf einen noch höheren Zuwachs von 1000 Prozent.

O2-Vorstand entschuldigt sich bei seinen Kunden

Die Verbreitung solcher Traumzahlen hat nur einzigen Grund: Die Netzausrüster wollen die Telekomgesellschaften zu Milliardeninvestitionen in neue Mobilfunknetze animieren. Durch das iPhone und die verstärkte Nutzung von Applikationen sind in einigen Ballungszentren wie New York oder London die Netze schon derart verstopft, dass es zu Abbrüchen bei Telefonaten kommt.

O2-Vorstand Ronan Dunne hatte sich bereits bei seinen Kunden für die Kapazitätsprobleme entschuldigt. Der Grund dafür sei eine regelrechte Explosion des Datenverkehrs durch Smartphones wie das iPhone, deren Apps in kurzen Abständen aufs mobile Internet zugreifen. So sei im vergangenen Jahr die Datenmenge im Londoner Mobilfunknetz um das 18-Fache angestiegen.

Auch der Co-Chef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), Mike Lazaridis, hat daher von den Mobilfunkanbietern in der Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“ einen raschen Netzausbau gefordert. Sollten die Mobilfunkkonzerne ihre Netzkapazitäten nicht rasch ausbauen, werde die gesamte Branche wegen verstopfter Datennetze leiden.

Schwere Zeit für die Telekom-Konzerne

Doch die Telekomgesellschaften zögern noch mit dem Netzausbau. Zu ungewiss ist derzeit, was sie im mobilen Internet verdienen können. Hinzu kommen weitere Milliarden, die insbesondere die Telekom-Riesen in Europa - Vodafone, Telefonica und Deutsche Telekom - für die Ersteigerung von Frequenzen bei den im April beginnenden Auktionen zurücklegen.

Für die Telekom-Konzerne beginnt eine schwere Zeit: Nach zehn Jahren Stillstand hebt das mobile Internet endlich ab. Doch die Netze sind nicht darauf vorbereitet.

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