Neue Drohnen-Gesetze: "Das Regel-Wirrwarr ist undurchsichtig und gefährlich"

InterviewNeue Drohnen-Gesetze: "Das Regel-Wirrwarr ist undurchsichtig und gefährlich"

von Nena Schink

Immer mehr Deutsche begeistern sich für Drohnen, mal als Hobby, mal beruflich. Die Bundesregierung plant strengere Vorschriften für die Fluggeräte, um Gefahren zu minimieren. Christoph Bach, Vorsitzender des Bundesverband Copter Piloten, erklärt, wie gefährlich der private Gebrauch von Drohnen wirklich ist und welche Neuerungen nötig wären.

WirtschaftsWoche Online: Drohnen werden in Deutschland immer beliebter – nach Schätzungen der Deutschen Flugsicherung sind hierzulande bereits Hunderttausende im Einsatz. Warum gelten Drohnen als gefährlich?
Christoph Bach: Gefährlich ist wohl das falsche Wort. Drohnen oder Copter, wie wir sie lieber nennen, sind – sorgsam eingesetzt – nicht gefährlicher als Autos oder Fahrräder. Moderne Copter verfügen über viele Sicherheitseinrichtungen. Selbstverständlich müssen Copter vor Markteinführung technisch überprüft werden. Jedem Copter-Piloten sollte aber klar sein, dass Technik jederzeit versagen kann. Dann kommt es auf seine fliegerischen Fähigkeiten und Vorsicht an, damit nichts Schlimmes passiert.

Je mehr Drohnen aufsteigen, desto größer würde die Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen, liest man häufig. Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein?
Gefahrenbereiche sind etwa die Areale um Flughäfen herum, und der gemeinsam genutzte Luftraum von Multikoptern und niedrig fliegenden Helikoptern, wie zum Beispiel Rettungs- oder Polizeihubschrauber, die plötzlich auftauchen können und denen die Multikopter ausweichen müssen. Die größte Gefahr sehe ich in mangelnder Kenntnis der bereits bestehenden Regeln und Gesetze, die dann auch noch auf Länderebene unterschiedlich ausgelegt oder weiter verschärft werden.

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Könnte ein einheitliches Gesetz das Risikopotenzial senken?
Definitiv. Vor allem Neueinsteiger sind leider kaum über die Verordnungen auf landes- oder kommunaler Ebene informiert. Die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Regeln sorgen für Desorientierung und schaffen Unsicherheiten. Auch das Luftrecht mit seinen unterschiedlichen Luftkontrollzonen ist für den Laien nur schwer nachvollziehbar oder die örtlichen Gegebenheiten überprüfbar. Hier können Smartphone-Apps, die GPS-gestützt über Flugkontrollzonen informieren, weiterhelfen.

Zur Person

  • Christoph Bach

    Christoph Bach ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Copter Piloten. Der Gründungsvorsitzende arbeitet als Medienstratege und Kommunikationsberater selbstständig. In seiner Freizeit ist er selbst leidenschaftlicher Copter Pilot.

Gibt es Ihrer Ansicht nach weitere Missstände?
Der Handel trägt sein Übriges bei, indem er mit den enormen technischen Möglichkeiten der Multikopter wirbt. Leider gibt es oftmals keine Hinweise auf die bestehenden gesetzlichen Vorgaben, die genau das einschränken. Meist wird nicht mal darauf hingewiesen, dass für den Betrieb im Freien eine spezielle Haftpflichtversicherung vorgeschrieben ist.

Was halten Sie von einer geplanten Maximal-Flughöhe von 100 Metern?
Mit der Beschränkung der maximalen Flughöhe auf 100 Meter möchte Herr Dobrindt vor allem den bemannten Luftraum frei halten und insbesondere Begegnungen zwischen Coptern und Passagierluftfahrt vermeiden. Die Maximalflughöhe soll für einen sicheren Abstand zum Luftraum der bemannten Luftfahrt ab circa 150 Metern Höhe sorgen. Bei An- und Abflug sowie durch andere Verkehrsteilnehmer wie Helikopter oder Ultraleichtflieger ist bemannter Flugverkehr aber durchaus auch unter 150 Metern möglich. Daher braucht es auch hier klare Regeln.

Die wichtigsten Drohnen-Regeln im Überblick

  • Flughöhe

    Drohnen dürfen künftig nicht mehr in Höhen von mehr als 100 Meter aufsteigen.

  • Flugverbotszonen

    In und über sensiblen Bereichen, wie z.B. Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Menschenansammlungen, und Wohngebieten, gilt künftig Flugverbot.

  • Haftung

    Drohnen ab einem Gewicht von mehr als 250 Gramm müssen künftig mit der Adresse des Eigentümers gekennzeichnet werden, um im Schadensfall schnell den Halter ermitteln zu können.

  • Drohnen-Führerschein

    Für Flugmodelle und unbemannte Fluggeräte ab zwei Kilogramm wird künftig ein Kenntnisnachweis erforderlich sein – eine Art "Drohnen-Führerschein".

  • Mindestalter

    Das Mindestalter für die Drohnenlizenz soll 16 Jahre betragen.


Für die meisten sind 100 Meter auch die Grenze, bis zu der die Fluglage des Copters noch eindeutig ohne technische Hilfsmittel erkennbar ist – und es darf ja nur in Sichtweite gesteuert werden. Natürlich wird mit gesonderter Aufstiegsgenehmigung auch ein Fliegen über 100 Metern weiterhin möglich sein – mit geeignetem Equipment und entsprechend qualifizierten Piloten.

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