Patent-Urteil: Samsung peinigen, Google stoppen

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Patent-Urteil: Samsung peinigen, Google stoppen

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Die Jury hat entschieden: Samsung hat Apple nachgemacht.

von Matthias Hohensee

Der Triumph von Apple über Samsung könnte sich langfristig als Phyrrus-Sieg erweisen. Profitieren würde ausgerechnet Wettbewerber Microsoft.

Am Ende wollte die Jury wohl nur noch ins Wochenende. Am Freitagnachmittag fanden die neun im Gerichtsgebäude der Silicon Valley Metrople San Jose tagenden Juroren nach fast einem Monat Verhandlung und anschließender zweieinhalbtägiger Beratung den koreanischen Elektronikmulti Samsung für schuldig, bei seinen Galaxy Tablets und Smartphones eifrig bei Apples iPhone und iPad abgekupfert zu haben. Sie sprachen Apple 1,05 Millarden Dollar Schadenersatz zu.

Richtig überraschend ist der Spruch einer kalifornischen Jury zugunsten eines der wichtigsten heimischen Unternehmen nicht. Dass Apple eigentlich 2,7 Milliarden Dollar Schadenersatz für sich beanspruchte, spielt auch keine Rolle. Zumal die Richterin zusätzlich zur Abschreckung bis zu drei Milliarden Dollar verhängen kann.

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Rückschlag für die Kunden

Wichtig ist das Signal. Auch wenn Apple es nun als Erfolg für alle Kreativen dieser Welt feiert, für den Konsumenten ist es schlecht. Zumindest kurzfristig. Samsung ist derzeit so ziemlich das einzige Unternehmen, das Apple ernsthaft Paroli bietet. Seine neuesten Galaxy-Smartphones sind dem aktuellen iPhone 4s überlegen. Bei der Software teilen sich zwar die Gemüter. Bei der Hardware kann kein Zweifel bestehen. Die Koreaner halten die Messlatte für Apple hoch. Pardoxerweise ist Apple, zumindest derzeit, sogar auf ihr KnowHow angewiesen. Denn die Prozessoren in seinen iPhones und iPad werden größtenteils von Samsung gefertigt.

Samsung wird sich nicht aus dem Boomgeschäft mit Smartphones und Tablets zurückziehen. Um die Risiken zu begrenzen und die Geschäftsbeziehung mit Apple nicht zu gefährden – schließlich ist der kalifornische Konzern der wichtigste Abnehmer von Samsung-Komponenten – wird man sich auf Lizenz-Zahlungen einigen. Die Zeche zahlt der normale Kunde, der die zusätzlichen Kosten tragen muss. Samsung Smartphones werden dadurch teurer. Ob die Mobiltelefongesellschaften die Mehrkosten schultern, ist unklar.

Android-Smartphones aufhalten

Das führt zum eigentlichen Hintergrund des Prozesses. Apple ging es in erster Linie gar nicht darum, Samsung das Abkupfern zu verbieten. Obwohl der schöne Nebeneffekt ist, dass man den wichtigsten Wettbewerber nun im Schwitzkasten hat. Das eigentliche Ziel war, den Vormarsch der Android-Handys zu stoppen. Denn die sind der Dorn im Auge. Zwar ist das von Google forcierte Betriebssystem kostenlos für Hersteller. Doch Microsoft reklamiert Lizenzgebühren, weil Android angeblich Patente des weltgrößten Softwarekonzerns verletzt. Weil diese nach Ansicht der Samsung Anwälte ziemlich wasserfest sind, zahlt Samsung bereits für jedes verkaufte Android-Handy eine Gebühr an Microsoft. Angeblich im Schnitt 12 Dollar pro Gerät. Wenn jetzt auch noch an Apple abgedrückt werden muss, summieren sich die Kosten.

So könnte ironischerweise Microsoft von der Verurteilung Samsungs profitieren. Microsoft-Chef Steve Ballmer braucht neben Nokia unbedingt einen weiteren, stark engagierten Hardware-Partner, der Windows 8 in den Markt für Smartphones und Tablets drängt. Eigentlich hat man Samsung bereits dafür gewonnen, doch das Engagement der Koreaner war bislang eher verhalten.

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Wenn Microsoft nicht zuviel Lizenzgebühren fordert – und bei dem winzigen Marktanteil ist man sicherlich verhandlungsbereit - wären Windows 8 Smartphones und Tablets unter Kostengesichtspunkten für Samsung plötzlich zumindest ähnlich attraktiv wie Android. Wahrscheinlich müssten die Koreaner wegen der Design-Ähnlichkeiten bei den derzeitigen Modellen auch bei Windows 8 Smartphones an Apple löhnen. Wenn auch noch die App-Entwickler mitspielen, wäre Windows 8 plötzlich eine echte Alternative zu Android. Auf den ersten Blick hätte Apple dann tatsächlich sein eigentliches Ziel, den heimischen Kontrahenten Google eins auszuwischen, erreicht. Aber da Google, das durch den Kauf von Motorola selber unter die Handy-Hersteller gegangen ist, Android nicht aufgeben wird, könnte das den Wettbewerb noch verschärfen. Neben Android würden dann noch Windows 8 Smartphones und Tablets an Apples Marktmacht nagen. Dem Kunden kann das nur recht sein.

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