Red Dot Design Award: Wie die Hohepriester des Designs entscheiden

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Red Dot Design Award: Wie die Hohepriester des Designs entscheiden

von Lothar Schnitzler

Einmal im Jahr treffen sich Designexperten in einer Lagerhalle, um die schönsten Entwürfe für den Designpreis Red Dot zu küren. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Sache war so gut wie gelaufen. Alles stimmte an dem Objekt: Der Turnschuh war schnittig wie ein Rennwagen. Die Proportionen waren ausgewogen. Das helle Grün der Spitze harmonierte zum Hellgrau der Sohle. „Ein Schuh zum Träumen“, murmelt Tapani Hyvönen. Der Designexperte aus Finnland nimmt den Schuh noch einmal in die Hand, streicht über die Sohle und die Spitze, um den Wechsel vom Kunststoff zum Wildleder zu spüren. „Wirklich ein gelungener Entwurf“, sagt auch Karen Korellis Reuther, Präsidentin des Design Management Institute, USA.

Auch der Dritte in der Jurorengruppe, der Designer Robin Edman, ist begeistert von dem Schuh. Doch nur vom schönen Aussehen will die Jury sich nicht blenden lassen. Edman, ein gut trainierter Laufsportler, Skifahrer und Segler, zieht sich die Schuhe an und läuft ein paar Hundert Meter. Als er zurückkommt, verzieht er das Gesicht. „Die sind gut für den Laufsteg, aber nicht zum Laufen“, sagt Edman. „Die Schuhe bieten keinen Halt“, stellt er fest.

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Eine Weile diskutieren die drei Juroren noch. Doch dann steht das Urteil fest. Durchgefallen! Schönheit allein genügt nicht. „Gutes Design muss auch funktionieren“, sagt Edman.

Hohe Durchfallquote

Wie den schicken Sneakern ging es in diesem Jahr mehr als 3.000 weiteren Objekten bei der Auswahl der Preisträger zum Red-Dot-Award. 4.515 Objekte schickten Unternehmen und Formgeber an das Design Zentrum Nordrhein-Westfalen, dem Veranstalter des Red Dot. 1.300 Designobjekte dürfen künftig das Siegel der Sieger, den roten Punkt, tragen, 60 Entwürfe davon erhalten die begehrte Auszeichnung best of the best. Red-Dot-Award-Chef Peter Zec sagt: „Wer zum Red Dot als Kandidat geht, kehrt mit über 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit als Verlierer heim.“

Red Dot Design Award "Design ist die beste Wirtschaftsförderung"

Peter Zec, Chef des Red Dot Design Awards über die deutsche Dominanz bei den internationalen Designwettbewerben, die Bedeutung der Wettbewerbe für die Wirtschaft und die Bedeutung des Designs für den Standort.

Hinter dem Signet des "red dot award" im Design Zentrum in Essen Fußballschuhe, die wegen ihrer Gestaltung und neuartiger Technologie ausgezeichnet wurde. Quelle: dpa/dpaweb

Die Gewinner treffen sich in diesem Jahr am 2. Juli – wie jedes Jahr in Essen. Neben den Designern der „best of the best“ wird das „Designteam of the Year“, in diesem Jahr Michael Mauer von Porsche und seine Crew, auf die Bühne geholt. Doch die wenigsten Preisträger und Gäste auf der festlichen Gala ahnen, welcher logistische und organisatorische Aufwand diesem Ereignis vorausgeht. Mehr als 100 Menschen arbeiten wochenlang für den Wettbewerb. Schauplatz der Auslese ist eine Lagerhalle in einem tristen Gewerbegebiet am Rande von Mülheim an der Ruhr nahe der Stadtgrenze zu Essen.

Die Halle der Wahrheit

Doch in der Designerszene gilt der schmucklose Bau als magischer Ort. Über Monate liegt die „Halle der Wahrheit“ wie Designer in aller Welt das Gebäude auch nennen, im Dornröschenschlaf. Dann, gegen Ende des Jahres, kehrt Leben zurück. Lieferwagen von Paketdiensten fahren vor. Sackkarren und Gabelstapler rumpeln über den Hof, um ein Paket oder mannshohe Sperrholzkisten in die Halle zu transportieren. Und je näher die Tage der Entscheidung rücken, desto häufiger kurven schwere Lastwagen auf dem Entladeplatz vor dem Lager herum. Bagger, Räumer und meterhohe Dreh- und Fräsmaschinen treffen ein.

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