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Red-Dot-Gala: Die schönsten Produkte der Welt

von Manfred Engeser

Vom Feuerlöscher bis zum Sportwagen: Auf der Red-Dot-Gala wurden die elegantesten Produkte aus aller Welt ausgezeichnet. Der Wettbewerb zeigt auch: Ausgezeichnetes Design treibt die Verkaufszahlen nach oben.

Freudenfeuer

Wenn es gut läuft, wird er nie gebraucht. Scheinbar nutzlos hängt ein Feuerlöscher an der Wand. Er schmückt auch nichts. Trotzdem drängelt er sich mit seiner roten Alarmfarbe in den Vordergrund – damit er im Ernstfall rasch gefunden wird. Der Firephant des schwedischen Herstellers GPBM Nordic AB begeisterte die Juroren Marten Claesson aus Schweden, den Koreaner Ken Nah und den Chinesen Renke He, „weil er so selbsterklärend wie einfach zu nutzen und im Notfall schnell einsatzbereit ist. Er verwandelt ein bislang unauffälliges Produkt in ein farbenfrohes Objekt mit zeichenhafter Aussage.“ Da spielt es bei einem Brand kaum noch eine Rolle, wenn der Nutzer nicht Schwedisch versteht. Die Piktogramme unter dem Wort „Brandsläckare“ erläutern die Funktion bildhaft.

Bild: Pressebild

Als eigentlich schon alles vorbei war, die Preise verliehen, die Reden geschwungen, da wurde es nochmal richtig laut im großen Saal: Das charakteristische Röhren, der unverwechselbare Sound eines 400 PS starken Boxermotors, drang unüberhörbar von der Bühne bis in die obersten Ränge des Festsaals. Begleitet von theatralischem Blitzgewitter und dem Raunen der gut 1.200 Gäste im Alvar-Aalto-Theaters in Essen, fuhr der Star des Abends auf die Bühne: ein silbergrauer Porsche 911 Carrera, gesteuert von Michael Mauer. Grandioser Auftritt des Designchef von Porsche, der mit seinen rund 80 Mitarbeitern von der Jury des Red Dot Awards zum Designteam des Jahres 2012 gewählt worden war.

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Der Star des Abends war der silbergraue 911 Carrera - Das 80-köpfige Porsche-Team wurde zum Designteam 2012 gewählt Quelle: Red Dot Design Award
Der Star des Abends war der silbergraue 911 Carrera - Das 80-köpfige Porsche-Team wurde zum Designteam 2012 gewählt Quelle: Red Dot Design Award

Ein gutes Design muss ehrlich sein

„Design wird für uns immer mehr zum Verkaufsargument“, sagte Mauer, der auch der erste in der Geschichte des Designpreises ist, der zum zweiten Mal ausgezeichnet wurde – 1994 war er Teil des siegreichen Mercedes-Teams gewesen. „Gutes Design muss ehrlich, funktional und zeitlos sein – dieses Erbe von Ferry Porsche wollen wir bewahren.“

An einer Ikone wie dem 911er zu arbeiten, bestätigte dann auch VW-Chefdesigner Walter de Silva in seiner Laudatio auf Mauer und dessen Team, „ist die größte Herausforderung im Design.“

Herausforderungen ähnlicher Art hatten aus der Sicht der Jury auch die übrigen Preisträger mit Bravour gelöst: 60 Auszeichnungen verlieh Red-Dot-Organisator Peter Zec, passend zum Red-Dot-Logo im weißen Anzug und roten Lackschuhen gekleidet, im Rahmen der Gala – vom avantgardistischen Feuerlöscher über ein Elektrofahrrad bis zur cool-schlichten Festplatte in knallig-farbiger Hülle. Ein zweieinhalbstündiger Marathon, umrahmt vom virtuosen Spiel der japanischen Geigerin Sayaka Shoji, die auf einer Stradivari von 1729 eine Paganini-Variation spielte, sowie einer Performance des Aalto Ballett Theater Essen.

Mischung aus Rohseide, Chiffon, Wensleydale- und Merino-Wolle sowie Wolle von Schafen, die die Designerin in der Provinz Drenthe selbst züchtet. Produziert unter der Eigenmarke not tom dick & harry. Wirkt gleichermaßen modern wie archaisch. Einige ihrer Entwürfe wurden vom Museum of Modern Art in New York angekauft - Design: Claudy Jongstra

Die Hürden waren hoch

60 Preise in zweieinhalb Stunden – von inflationärem Gebrauch der weltweit geschätzten Auszeichnung konnte dennoch keine Rede sein: Weniger als zwei Prozent der in diesem Jahr mehr als 4.500 Einreichungen aus 58 Ländern errangen 2012 die höchste Auszeichnung des Wettbewerbs. Ausgewählt wurden die Sieger von 30 Juroren aus 19 Ländern, darunter Ikonen wie der Münchener Möbeldesigner Stefan Diez und der Japaner Hideshi Hamaguchi, Designer des ersten USB-Sticks.

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Im Frühjahr hatten sie sich alle in einer Halle bei Mülheim eingeschlossen und tagelang jedes einzelne Produkt auf Herz und Nieren geprüft: Waren mit Laufschuhen durch die Halle gejoggt, mit Mopeds durch die schmalen Gänge gebrettert oder auf Trampolinen gesprungen. „Manch einer“, sagte Zec, „wird da wieder zum Kind.“

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