Robotik: Wie süß muss ein Roboter sein?

Robotik: Wie süß muss ein Roboter sein?

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Wie süß muss ein Roboter sein?

von Thomas Stölzel

Androiden gelten als Zukunfts- und Milliardenmarkt. Aber die Maschinen müssen auch so gebaut werden, dass der Mensch mit ihnen klarkommt - und sie mag.

Wenig deutet an diesem Abend darauf hin, dass es für K5 gefährlich werden könnte: Leise rollt der Roboter in der Abenddämmerung zur Patrouille über einen Parkplatz in Mountain View. Ein weißer Kegel mit blinkenden Lämpchen, der an R2-D2 aus dem Film „Krieg der Sterne“ erinnert, mitten im technikverliebten Silicon Valley. Plötzlich aber rammt ein Betrunkener den Roboter von der Seite und stößt ihn um. Die Polizei rückt zu seinem Schutz an.

K5 kam mit ein paar Kratzern davon. Bei Knightscope aber, dem Unternehmen, das den Sicherheitsroboter baut, stehen sie nun vor der Frage, wie eine Maschine geschaffen sein muss, damit der Mensch gut mit ihr auskommt.

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Ishiguro Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Künstlicher Zwilling: Abbild von Roboterpapst Ishiguro.

Bild: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Ingenieure weltweit wähnen sich am Beginn der Roboterära. Die Androiden sollen bei der Altenpflege helfen, die Einkäufe erledigen und zu Hause den Teppich saugen und kochen. Doch ob diese neue Zeit wirklich anbricht, hängt nicht nur von leistungsfähigen Chips, ausgefeilten Algorithmen und enormer Rechenkraft ab. Wenn die Industrie das Vertrauen der Menschen gewinnen will, dann muss sie die Roboter auch so bauen, dass diese sie an ihrer Seite akzeptieren. Noch stehen die Wissenschaftler vor vielen Rätseln – und uralte Instinkte müssen überwunden werden.

Wie Roboter sicherer werden sollen

  • Fühlen

    Eine Sensorhaut spürt, wo und wie fest sie berührt wird und stoppt den Arm bei Gefahr. Oder der Roboter weicht aus.

  • Polstern

    Scharfe Ecken und Kanten sind tabu; Polster schützen vor blauen Flecken. Gelenke und Greifer haben einen Einklemmschutz.

  • Hören

    Mikrofone belauschen die Umwelt. Registrieren sie Angstschreie, halten sie den Roboter blitzschnell an.

  • Sehen

    Kameras und Laserscanner beobachten das Arbeitsumfeld. Droht eine Kollision, kann der Roboter warnen oder stoppen.

  • Denken

    Die Sinne des Roboters verraten ihm, wie er Gefahren bannen kann. Algorithmen kontrollieren jede Aktion.

  • Abnehmen

    Ingenieure bauen Korpus und Arme aus extrem leichten Materialien. So können die Leichtgewichte niemanden schwer verletzen.

  • Orientieren

    Per Laserstrahl oder Ultraschall ortet der Roboter seine Position und erkennt, ob ihm Menschen in die Quere kommen.

Martina Mara sucht seit acht Jahren am Ars Electronica Futurelab im österreichischen Linz nach dem Schlüssel zur Robotersympathie. Einmal setzte die promovierte Psychologin den Androiden des japanischen Roboterpapsts Hiroshi Ishiguro in die Cafeteria ihres Museums. Ishiguro hat die Maschine, mit künstlicher Intelligenz aufgemotzt, nach seinem Abbild geschaffen. Sie sieht ihm so ähnlich, dass sie an der Osaka-Universität manchmal sogar den Unterricht übernimmt.

Faszination und Unheimlichkeit

Japaner gelten im Alltag als aufgeschlossener gegenüber Robotern, was wohl an der religiösen Geschichte des Landes liegt. Als die Cafeteriagäste in Linz den Roboter bemerkten, näherten sie sich zwar vorsichtig, hielten aber trotzdem Abstand. Das liege an einer Mischung aus Faszination und Unheimlichkeit, sagt Mara.

Dieselbe Beobachtung machte sie, als das Museum den schaufensterpuppenartigen Roboter Telenoid zeigte, der Auskünfte gibt und neben der menschlichen Stimme auch Mimik und Gestik nachahmen kann. Einige Besucher wollten die Silikonhaut des Roboters nicht einmal anfassen, wenn sie dazu ausdrücklich aufgefordert wurden.

Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine ist kompliziert: So hat sich gezeigt, dass die Sympathie, die Menschen Robotern entgegenbringen, ansteigt, je menschlicher die Maschine aussieht. Das funktioniert aber nur bis zu jenem Punkt, an dem der Roboter nahezu komplett menschlich wirkt. Ab da setzt plötzlich ein starkes Gruselgefühl ein. Das ist, so weiß man aus Hollywoodfilmen, erst überwunden, wenn sich Roboter und Menschen nicht mehr unterscheiden lassen.

Roboterwissenschaftler nennen den Effekt Uncanny Valley, zu Deutsch: das Tal der Unheimlichkeit. Warum das Phänomen existiert, darüber streiten die Experten. Einige vermuten, dass sehr menschlich aussehende Roboter einen uralten Instinkt im Menschen auslösen. Die Roboter erinnern sie womöglich an Kranke oder Leichen, von denen sie sich, um sich selbst zu schützen, fernhalten wollen. Der Reflex ist im Unterbewusstsein verankert.

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