Samsung: Jeff Bezos spielt mit dem Fire Phone ein riskantes Spiel

KommentarSamsung: Jeff Bezos spielt mit dem Fire Phone ein riskantes Spiel

von Meike Lorenzen

Amazon hat ein neues Smartphone auf den Markt gebracht. Von der Börse wurde der Vorstoß gefeiert, doch für Kunden gibt es gute Gründe, die Finger von dem Gerät zu lassen.

Sieben Jahre nach dem iPhone ist nun also auch Amazon in den inzwischen gesättigten Smartphonemarkt eingestiegen. Dabei hat sich das Unternehmen auf eine riskante Strategie eingelassen. Statt des erwarteten Billig-Smartphones stellte Unternehmenschef Jeff Bezos ein Highend-Produkt für 649 Dollar vor, das schon in wenigen Wochen – zunächst nur in den USA – auf den Markt kommen soll.

Damit begibt sich Amazon in das Haifischbecken, in dem sich schon das iPhone, Samsungs Galaxy-Reihe, Nokias Lumia, das HTC One, das Google Nexus und andere tummeln. Samsung ist der größte Anbieter mit rund einem Drittel der weltweit verkauften Geräte, Apples iPhone liegt bei etwa 15 Prozent. Damit wird nahezu die Hälfte des Marktes bereits von den beiden größten Anbietern besetzt, um den Rest ringt eine Vielzahl von Herstellern.

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Dass ausgerechnet das Fire Phone bei dieser Konkurrenz eine gute Figur machen wird, ist mehr als fraglich. Denn wie kein anderes Smartphone, bindet es die Nutzer an die eigenen Funktionen – und steht zudem jetzt schon wegen Datenschutzfragen in der Kritik.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

  • Wie fing Amazon an?

    Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

  • Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

    Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. Im vergangenen Jahr machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im ersten Quartal blieben unterm Strich 108 Millionen Dollar (78 Millionen Euro) – bei einem Handelsumsatz von 19,7 Milliarden Dollar.

  • Wie relevant ist der deutsche Markt?

    Es ist der größte Auslandsmarkt. Im vergangenen Jahr setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

  • Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

    Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

  • Wie ist der Konzern aufgestellt?

    In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten zum Jahreswechsel 88.400 Festangestellte im Unternehmen.

  • Schadet der Shitstorm?

    Amazon selbst äußerte sich auf Nachfrage bisher nicht dazu, ob seit der Ausstrahlung der ARD-Doku weniger bestellt wurde. Doch ein Vergleich legt nahe: Zu große Sorgen muss sich Amazon wohl nicht machen. Auch über den deutschen Rivalen Zalando tobte bereits ein - wenn auch kleinerer - Sturm der Aufregung nach Berichten über schlechte Arbeitsbedingungen. Am rasanten Umsatzwachstum änderte das nichts. Von 2011 auf 2012 verdoppelte Zalando seine Erlöse von 510 Millionen auf 1,15 Milliarden Euro.

  • Folgen des Leiharbeiterskandals

    Das ist schwer abzuschätzen. Die Empörung hat auch die Politik erreicht und es ist Wahlkampf. Die Vorwürfe wegen der schlechten Behandlung von Leih- und Zeitarbeitern richten sich aber primär gegen die Leiharbeitsfirmen. Denen droht das Bundesarbeitsministerium inzwischen mit einer Sonderprüfung. Die Firmen selbst äußern sich nicht. Die Bezahlung bei Amazon entspricht aber wohl den gültigen Standards. Mit einem Bruttostundenlohn von mindestens 9,30 Euro zahlt Amazon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeiter, der derzeit im Westen bei 8,19 Euro und im Osten bei 7,50 Euro liegt.

  • Wo Amazon noch Ärger hat

    In Großbritannien gab es im vergangenen Jahr eine Debatte darüber, wie sich Amazon und andere US-Konzerne mit legalen Tricks vor dem Steuerzahlen drückten. Ein Amazon-Vertreter musste vor einem Ausschuss des Parlaments erscheinen und wurde dort von den Parlamentariern vor laufenden Kameras in die Mangel genommen. In den USA hatten sich Mitarbeiter darüber beschwert, dass sie im heißen Sommer in unklimatisierten Lagerhallen schuften mussten. Nach US-Medienberichten erlitten mehrere Beschäftigte Schwächeanfälle. Amazon reagierte und rüstete Klimaanlagen nach.

Der direkte Zugriff auf alle Amazon-Dienste sowie besondere Funktionen zum Konsum von Film, Musik und E-Books zeichnen das Fire Phone aus. So kann das auf Android basierende Smartphone selbständig Gegenstände, Texte oder Musik erkennen.

Die dazugehörige Schlüsselfunktion „Firefly“ funktioniert dabei wie eine Suchmaschine. Sobald der Nutzer ein Produkt abfotografiert hat, leitet einen das Smartphone direkt in den Amazon-Store. Die Funktion kann sogar die einzelne Serienfolge erkennen, welche Sendung gerade im Fernsehen läuft und funktioniert auch für Musik, Text, Telefonnummern oder Kunstwerke. Außerdem bekommen die Nutzer uneingeschränkten Online-Speicherplatz für Fotos und kostenlosen Zugriff auf Amazons Video-Angebot und den hauseigenen Streamingdienst.

Einstieg in den Smartphone-Markt Amazon stellt das „Fire Phone“ vor

Der Online-Einzelhändler Amazon steigt ins Smartphone-Geschäft ein. Konzernchef Jeff Bezos stellte am Mittwoch das Handy mit dem Namen „Fire“ vor – und will mit einer neuen Scan-Funktion Apples iPhone Konkurrenz machen.

Amazon-Chef Jeff Bezos und das „Fire Phone“. Quelle: Reuters

Über eine Cloud-Synchronisation sollen die Amazons Kindle-Fire-Tablet und die TV-Box Fire TV zusammenspielen und so über alle Geräte alle Amazon-Inhalte verfügbar sein.

Alleinstellungsmerkmale wie diese sind gleichzeitig die Schwachstelle des Telefons. Denn über die Cloudfunktionen werden Eingriffe in die Privatsphäre des Nutzers möglich. So wie Amazon schon in seinem Onlineshop genau verfolgt, wer welche Produkte kauft oder auch nur anschaut, wird auch das Nutzungsverhalten mit dem Smartphone gespeichert.

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