Smart Home auf der IFA: Siri, mach' es kuschelig!

Smart Home auf der IFA: Siri, mach' es kuschelig!

, aktualisiert 02. September 2016, 15:22 Uhr
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Auf der IFA stellen zahlreiche Hersteller die vernetzten Fähigkeiten ihrer Geräte in den Mittelpunkt – in der Hoffnung, dass aus einer Spielerei für Geeks ein Muss für den Durchschnittsnutzer wird.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Heizung hört aufs Wort, die Sicherheitskamera meldet Besuch auf dem Smartphone: Auf der IFA ist das vernetzte Zuhause großes Thema – bei vielen Verbrauchern aber noch nicht. Wie die Anbieter Sie überzeugen wollen.

Der Sommer ist nicht ideal für die Tests. Wer will schon die Heizung einschalten, wenn es draußen mehr als 25 Grad warm ist? Christian Deilmann grinst, wenn er an die letzten Monate zurückdenkt – die schweißtreibende Arbeit hat sich gelohnt: Seine Firma Tado hat gerade rechtzeitig zur Elektronikmesse IFA und zum nahenden Herbst ein neues Heizthermostat fertig entwickelt. Es lässt sich per App und durch Apples Sprachassistentin Siri steuern. Für das Start-up aus München ist es ein wichtiger Schritt, um den Massenmarkt zu erobern.

Mit diesen Ambitionen ist Tado nicht allein. Auf der IFA in Berlin (2.-7. September) stellen zahlreiche Hersteller von Hausgeräten und Produkten zur Heimüberwachung die vernetzten Fähigkeiten ihrer neuen Geräte in den Mittelpunkt – in der Hoffnung, dass aus einer Spielerei für Geeks ein Muss für den Durchschnittsnutzer wird. Ob Heizung, Herd oder Waschmaschine, Türschloss, Sicherheitskamera oder Rauchmelder: Alles wird smart.

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Der Markt fürs vernetzte Zuhause ist bislang klein. Nach Zahlen des Markforschers GfK liegt der Marktanteil der vernetzten Hausgeräte in Europa beispielsweise bei gerade einmal drei Prozent. Das ist jedoch nur eine Momentaufnahme: „In spätestens fünf Jahren werden alle Geräte vernetzbar sein“, ist Peter Schnaebele überzeugt, der die Bosch-Sparte fürs Smart Home leitet. Denn das sei technisch machbar und angesichts sinkender Komponentenpreise bald auch nicht mehr teuer.

Fünf Begriffe zur IFA

  • Smart-TV

    Das sind Fernseher mit Internet-Anschluss. Die inzwischen immer besser umgesetzte Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen klassischen Fernsehsendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Den Vormarsch der vernetzten Fernseher fördern auch Online-Videodienste wie Netflix oder Maxdome. Moderne Smart TVs vereinen diese Dienste in einem Gerät, so dass auch nicht mehr viele Fernbedienungen auf dem Couchtisch liegen müssen. Die Hersteller wollen neben bequemerer Bedienung auch bessere Bildqualität zum Beispiel mit Hilfe des HDR-Formats für mehr Kontrast etablieren.

  • Internet der Dinge und smartes Zuhause

    Immer mehr Geräte werden mit dem Internet und miteinander verbunden. Die Idee ist, dass zum Beispiel die Heizung sich von unterwegs steuern lässt oder sogar automatisch angeht, wenn sich das Auto des Besitzers dem Haus nähert. Bei Siemens schaltet das Kochfeld automatisch die Dunstabzugshaube an. Zugleich setzen viele Anbieter auf eigene Formate, was den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Geräten erschwert.

  • Streaming

    Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming nicht komplett heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung - was allerdings immer mehr zum Alltag gehört. In der Musikindustrie helfen die Streaming-Erlöse, die Einbußen im CD-Geschäft auszugleichen.

  • Ultra-HD

    Die Technik soll ein viel schärferes Bild als die aktuelle HD-Auflösung bieten. Sie ist auch unter dem Begriff „4K“ bekannt. Die Bildschirme haben bei Ultra-HD 3840 mal 2160 Pixel. Bei der gewöhnlichen HD-Auflösung sind es 1920 mal 1080 Bildpunkte. Eine zentrale Frage ist allerdings, wie die Inhalte an die Zuschauer ausgeliefert werden sollen: Die bessere Qualität bedeutet auch deutlich größere Datenmengen. Aktuell kommen die Ultra-HD-Videos vor allem über schnelle Internet-Verbindungen von Streaming-Diensten. Eine passende Blu-ray-Variante ist in Arbeit.

  • Wearables

    So wird die neue Kategorie kleiner Geräte genannt, die - nach wörtlicher Übersetzung - „tragbar“ sind. Das trifft im Prinzip zwar auch auf Handys und Smartphones zu, aber bei den „Wearables“ geht es um Computertechnik, die direkt am Körper getragen wird. Zu Wearables gehören neben Computer-Uhren auch Fitness-Armbänder oder in Zukunft eventuell verstärkt auch Anziehsachen mit Chips und Internet-Anbindung. Während die Computer-Uhren die hochgesteckten Absatz-Erwartungen bisher nicht ganz erfüllen konnten, laufen die günstigen Fitness-Bänder weiterhin gut.

Im Wettbewerb mit den Technologieriesen aus Übersee rechnen sich deutsche Unternehmen wie Tado, Bosch und Elgato gute Chancen aus. Sie müssen die Kunden allerdings überzeugen, in mehrfacher Hinsicht: davon, dass die Bedienung einfach ist, die Investitionen lohnenswert sind – und die Privatsphäre angesichts aller Sensoren und Kameras gewahrt bleibt. Woran sie arbeiten und wie sie argumentieren: ein Rundgang auf der Messe.

Tado für ganz Europa

Tado gehört zu den Pionieren für smarte Heiztechnologie. Mitgründer Christian Deilmann forschte im Studium an Brennstoffzellen und lernte dabei, dass die Effizienz bei der Energiegewinnung schon weitgehend ausgereizt ist. So entwickelte er mit einigen Freunden die Idee, dass die Einsparung von Heizenergie mehr bringt, um die Emissionen zu senken. Vor acht Jahren gründeten sie die Firma.

Deutsche Telekom T wie Tragbarer Fernseher

Die Deutsche Telekom startet auf der IFA den nächsten Vorstoß, das TV-Produkt Entertain attraktiver zu machen.

IFA 2016 Quelle: dpa

Zunächst entwickelte Tado eine Steuerung, die direkt am Heizkessel installiert wird. Um bis zu 30 Prozent ließen sich die Heizkosten senken, so behauptet das Start-up. Nun kommt im Herbst ein Gerät hinzu, dass an einzelnen Heizkörpern die Temperatur regeln kann, unabhängig davon, ob Bewohner Zugriff auf den Brenner haben oder nicht.

„Ab dieser Woche können alle Haushalte in Europa Tado nutzen, es sei denn, dort steht ein Holzkohleofen“, sagt Deilmann. Das ist die Voraussetzung, um das Produkt im Massenmarkt zu verkaufen – und profitabel zu werden. Eine Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro, abgeschlossen im April, soll bei der Expansion helfen.

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