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Smartphones: Ein Blick aufs Innenleben des iPhones

von Thomas Kuhn

Apples iPhone ist nicht nur das beliebteste Smartphone aller Zeiten – es lässt sich auch profitabler herstellen als die Konkurrenzmodelle. Wer das Gerät öffnet, versteht wie das geht.

Nokia Lumia 800/900 - Hoffnungsträger
Nokia geht es schon länger nicht mehr gut, deshalb ruht alle Hoffnung auf dem Lumia 900. Das Smartphone ist bereits seit einigen Monaten in den USA zu haben und dort auch ganz erfolgreich. Jetzt gibt es das neue Smartphone mit Windows Phone 7 Betriebssystem auch in Deutschland. Das Gerät soll eine Trendwende für den ehemaligen Handy-Weltmarktführer bringen.

Die aus Polycarbonat-Blöcken gefrästen und mit Unibody-Gehäusen versehenen Telefone glänzen mit erstklassigen OLED-Displays von 3,7 und 4,3 Zoll Diagonale sowie je 800x480 Pixeln Auflösung. Auch die Acht-Megapixel-Kameras sind standesgemäß. Während das Modell 800 für UMTS-Netze ausgelegt ist, bringt das Lumia 900 bereits einen LTE-Chip für die nächste Funkgeneration mit. Theoretisch sind darin Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde möglich. Nokia nennt für das zunächst nur im US-Netz von AT&T verfügbare Modell 900 ein maximales Download-Tempo von 50 Mbit/Sekunde.

Technik, Preis:
Windows Phone 7.5
9,4- (L 800) bzw. 11-Zentimeter-Display (L 900)
800x480 Bildpunkte
Acht-Megapixel-Kamera
Preis: rund 400 Euro (Lumia 800, ohne Vertrag) beziehungsweise ab 495 Euro (Lumia 900)

Bild: REUTERS

Das Lob kam prompt – und überraschend: Nokias neues Smartphone, das Lumia 900, sei „intuitiv und wunderschön“, lobte ausgerechnet Apple-Mitgründer Steve Wozniak das Flaggschiff der Finnen nach dessen Marktstart. Die Anmutung der Apps sei schöner als die gleicher Programme auf iPhones oder Android-Handys. Er habe sein Lumia daher „fast stets dabei“, sagte der Technik-Guru einem US-Technik-Blog.

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Seit wenigen Tagen nun hofft Nokia auf eine ähnlich Begeisterung auch in Deutschland. Denn zu Preisen um 500 Euro ohne Vertrag bieten Netzbetreiber und Handyketten das Lumia 900 jetzt als Konkurrent zu Apples Megaseller iPhone an.

Im Boommarkt der Multimedia-Telefone wird der Erfolg des Top-Modells zukunftsentscheidend. Im April erst verloren die Finnen die Weltmarktführung an Samsung. Und im ersten Quartal des Geschäftsjahres schrieben sie 1,6 Milliarden Euro Verlust – mehr als im ganzen Jahr zuvor.

Teure Bauteile und Herstellung

Doch selbst wenn sich Nokias Hoffnungen erfüllen und Deutschlands Handykäufer es Wozniak zigtausendfach nachtun – der einstige Branchenprimus hat bei der Jagd auf Apple ein massives Profitabilitätsproblem. Das macht eine Analyse des US-Beratungsunternehmens iSuppli deutlich, das dafür Lumia und iPhone kunstvoll zerlegt hat: Mangels „einer dem iPhone vergleichbar kultigen Attraktivität“ müsse Nokia sein Handy nicht nur billiger verkaufen als Apple, sagt Analyst Wing Lam. Die Finnen zahlten auch noch mehr für Bauteile und Produktion.

So muss Apple nach iSuppli-Kalkulation weniger als ein Viertel des Verkaufspreises für Material und Montage aufwenden. Bei Nokia geht mehr als ein Drittel des Erlöses für Hardware und Herstellung drauf. Die Folge: Apple kann pro iPhone fast 475 Euro für Logistik oder Marketing ausgeben – oder als Profit verbuchen. Nokia bleiben pro Lumia nicht mal 330 Euro.

Gemessen an der Profitabilität, stechen die Kalifornier aus der gesamten Industrie weit heraus. Grund ist das einmalige Geschäftsmodell: Gestützt auf die Attraktivität von Gerät und Plattform, verzichtet Apple darauf, unterschiedliche Mobiltelefone zu produzieren. „Abgesehen von Speichergröße und Schwarz und Weiß als Farbe gibt es keine Anpassungen für Netzbetreiber,“ sagt Analyst Lam, „keine Logos, keine Softwarevarianten – nichts.“

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So kann Apple seinen Lieferanten riesige Abnahmemengen bei den Komponenten garantieren – und zugleich niedrigste Preise für die Bauteile durchsetzen. Besonders markant ist das beim für seine Schärfe und Detailgenauigkeit gelobten Retina-Display. Trotz mehr als eineinhalbfacher Auflösung zahlt Apple für das – allerdings etwas kleinere – Bildschirmmodul mit 30 Euro rund ein Drittel weniger als Nokia. Teilweise versteigere Apple Aufträge sogar über Auktionen mit sinkenden Preisen, berichtet iSuppli. In der Branche gilt als sicher, dass einige Lieferanten dabei anfangs nicht kostendeckend produzieren. Sie hoffen, angesichts von Apples Millionenbestellungen durch Kostenersparnisse und Mengeneffekte profitabel zu werden.

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Der Markt hat sich verändert

Von dieser Marktmacht sind die Finnen weiter entfernt denn je. Dabei waren sie lange selbst Effizienzmeister und die Ersten, die den Plattformgedanken in den Handybau übertragen haben: Identische Kameramodule und Standardbauteile ermöglichten es, mit geringem Aufwand verschiedenste Telefone herzustellen.

Mehr als ein Jahrzehnt lang war Nokias Methode unschlagbar. Nun aber hat sich der Markt gedreht, und Abermillionen Kunden wollen nicht mehr zig unterschiedliche Modelle kaufen, sondern vorwiegend eines: Apples iPhone. Mit dem richtigen Handy zu kontern ist für Nokia daher weniger eine Frage der Produktionseffizienz.

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Es ist vor allem eine des Überlebens.

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