
WirtschaftsWoche: Herr Sun, Waren made in China gelten als funktional und billig, aber nicht als innovativ. Trotzdem will Haier 2015 einer der Top-5-Hausgerätehersteller in Europa sein. Wie wollen Sie das gegen Marken wie Miele, Siemens oder AEG erreichen?
Sun Shubao: Sicher nicht mit einer Billigstrategie. Haier ist nicht nur nach Stückzahlen weltweit Nummer eins unter allen Hausgerätemarken. Wir sind auch hoch innovativ und stecken rund 60 Millionen Dollar pro Jahr in Forschung und Entwicklung. Das sind etwa vier Prozent unseres Umsatzes. Im Jahr 2010 haben wir mehr als 3.000 Patente eingereicht. Technologisch sind wir absolut konkurrenzfähig.
Das behauptet jeder.
Mag sein, aber wir haben etwa Fernseher entwickelt, die vom TV-Signal bis zum Stromanschluss ganz ohne Kabel funktionieren. Ob Videobild oder Energie, alles wird drahtlos übertragen. Andere besitzen durchsichtige Displays, deren Bilder erst beim Einschalten sichtbar werden.
Bild: dpaVoith
Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.
Bild: dpaKnorr-Bremse
Um rund eine Milliarde legte der Umsatz des Zulieferers Knorr-Bremse in 2011 zu. Dank einer guten Konjunktur im Nutzfahrzeugmarkt und einer Erholung der Schienen-Sparte konnte das Unternehmen kräftig wachsen. Der Konzern hat Marktanteile von bis zu 70 Prozent bei LkW-Bremsen in Europa und rund 80 Prozent bei Bremsen für Metrozüge in China. In China betreibt Knorr-Bremse zehn Werke.
Bild: dpaSchuler
Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Das Unternehmen aus Göppingen ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Insbesondere Asien hat dem Konzern einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) beschert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent auf 276,3 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent stammten laut Firmenangaben aus dem Fernen Osten.
Bild: PRManz
Der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. besonders in China engagiert sich das Unternehmen stark. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen. Im Mai eröffnet Manz rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche. Dafür steigt die Zahl der Mitarbeiter auf 700. Der Standort soll in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.
Bild: ScreenshotWaldrich Siegen
Die WaldrichSiegen Werkzeugmaschinen GmbH ist ein Hersteller für Großwerkzeugmaschinen in den vier Produktlinien Fräsen, Drehen, Schleifen und Texturieren. Der Schwermaschinenbauer aus Burbach in Nordrhein-Westfalen engagiert sich ebenfalls in China. Er verändert sein Geschäftsmodell für den dortigen Markt, um die chinesischen Konkurrenten abzuschütteln. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit China-Exporten gemacht. Statt nur noch hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will das Unternehmen sich künftig auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. Daher baut Waldrich nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe von Shanghai.

MAG
Der Geschäftsbereiche Automotive von MAG aus Göppingen konnte das Jahr 2011 mit großen Zuwächsen und vollen Auftragsbüchern abschließen. Die Auftragseingänge im Automobil-Systemgeschäft beliefen sich auf 607 Mio. Euro, was einer Steigerung von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (2010: 318 Mio. Euro). Ein Großteil der Geschäfte wird dabei in den Wachstumsmärkten China und Indien gemacht, von dort kommen rund zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs.
Voith
Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.
Können wir die Geräte schon kaufen?
Die drahtlosen Fernseher gibt es in China bereits. Andere Innovationen verkaufen wir schon international. Wie etwa Waschmaschinen, die dank antimikrobieller Beschichtung Kleidung sauberer machen, ohne mehr Chemie zu brauchen. Andere Maschinen arbeiten bei geringer Verschmutzung ganz ohne Waschmittel, weil sie das Wasser elektrochemisch vorbehandeln und so Schmutz lösen. Und bei neuen Kühl-Gefrier-Kombinationen liegen die Waren in von außen zugänglichen Schubladen. So geht beim Öffnen weniger Kälte verloren.
Glauben Sie, das reicht, um den allgegenwärtigen China-Malus zu kompensieren?
Wir müssen nichts kompensieren. Wir haben zwar weder Klang noch Image von Miele & Co. Aber weil Haier europäisch klingt, werden wir nicht als chinesischer Anbieter wahrgenommen. Es ist ohnehin ein schwerer Irrtum, dass made in China noch für Billigkram steht. Ob iPhone oder High-End-Fernseher, jede Menge innovativer Unterhaltungs- oder Computertechnik wird in China gebaut oder entwickelt. Nur prangt darauf oft nicht der Herstellername, sondern das Markenlogo des Verkäufers.
Welche Markenstrategie verfolgen Sie?
Wir wollen Haier als Marke positionieren, die guten Wert fürs Geld bringt. Damit gewinnen wir kaum Miele-Käufer. Aber sicher junge Kundengruppen, die sich in sozialen Netzen informieren.
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