Roboter und KI in der Sexualität: Forscher warnen vor Problemen

InterviewThomas Beschorner: "Um als Massenphänomen aufzutreten, sind Sexroboter noch zu teuer"

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Thomas Beschorner

von Katharina Matheis

Roboter und künstliche Intelligenz werden auch die Sexualität revolutionieren. Der Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner warnt vor zahlreichen ungelösten Fragen – und fordert die Diskussion einer neuen Sexualmoral.

Herr Beschorner, wie kann man sich Sex mit einem Roboter vorstellen?
Ich habe es selbst nicht ausprobiert, aber etwa so: Sex-Roboter sind Silikonpuppen, die sich bewegen können und in die ein Algorithmus eingebaut ist, sodass man mit ihnen kommunizieren kann – sprachlich wie körperlich. Das sexuelle Erlebnis wird zunehmend technisch perfektioniert: die Stimmen werden realistischer, Bewegungen technisch präziser. Die Entwicklungen sind noch nicht sehr weit, werfen aber sehr deutlich ihre Schatten voraus.

Sex mit Robotern – zum Mensch-Verwechseln ähnlich?
Es ist in der Tat nicht ausgeschlossen, dass sich sexuelle Erlebnisse mit Robotern in der Zukunft nicht sehr von Sex mit Menschen unterscheidet. Oder noch einen Schritt weiter: vielleicht viel besser ist als mit Menschen.

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Besser? Wie will eine Maschine denn die sinnlichen, knisternden Komponenten nachahmen, die Sexualität so spannend machen?
Ich befürchte, dass Sex im Durchschnitt viel weniger erotisch so aufgeladen ist, als es in Ihrer Frage anklingt. Erotik würde durch diese neuen „Dingsbums“ simuliert werden, so wie sie seit Tausenden von Jahren im ältesten Gewerbe der Welt simuliert wird. Und bedenken Sie, Sie habe es dann hier mit perfekten Körpern zu tun, kein Gramm Fett zu viel oder gerade etwas rundlich, wenn man das mag. Die gewünschte Größe diverser Körperöffnungen oder die Länge des Penis können Sie bei Ihrer Bestellung notieren. Skandinavisch blond, asiatisch, schwarz? Das können sie alles ordern. Und zum Sex stehen sie dem Benutzer übrigens immer und jederzeit zur Verfügung.

Zur Person

  • Thomas Beschorner

    Thomas Beschorner ist Professor für Wirtschaftsethik und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St.Gallen.

Inwiefern können diese neuen Möglichkeiten die menschliche Sexualität verändern?
Roboter werden uns Menschen und unser Miteinander als Menschen verändern, ja sogar grundlegende Fragen des Menschseins aufwerfen. Mit Blick auf Sex mit Robotern ist beispielsweise anzunehmen, dass wir experimentierfreudiger werden, wenn wir bestimmte Dinge „erstmal“ mit Robotern ausprobieren können. Gerade im Bereich Gender und sexueller Orientierung können dann die heutigen konventionellen Grenzen viel fluider werden.

Und was bedeutet das für zwischenmenschliche Beziehungen, wenn Technik selbst die Sexualität mitbestimmt?
Partnerschaften könnten eine neue Dimension und einen neuen Wert bekommen, wenn sexuelle Befriedigung und sexuelle Geborgenheit mit Robotern stattfindet. Dann wird das Thema Sex für eine Beziehung an Stellenwert verlieren, anderer Werte dafür an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird es interessant sein, zu beobachten, ob es so zu etwas wie Eifersucht auf die neuen Gefährten kommen wird.

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Eifersucht auf Technik?
Ja. Vor allem, wenn die Roboter hohe Selbstähnlichkeit mit den Menschen haben, werden wir Empathie und Einfühlungsvermögen für diese Dinge entwickeln – und gleichzeitig auch Emotionen wie Neid oder Wut, womöglich sogar Zuneigung und Liebe. Je mehr sie uns gleichen, desto eher gehen wir mit ihnen um wie mit einem Mitmenschen.

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