Übernahme im 3-D-Drucker-Markt: Adelsschlag für die Nerds

ThemaMaschinenbau

KommentarÜbernahme im 3-D-Drucker-Markt: Adelsschlag für die Nerds

von Thomas Kuhn

Der auf Profimaschinen für 3-D-Druck spezialisierte Hersteller Stratasys will mindestens 400 Millionen Dollar ausgeben, um den Konkurrenten Makerbot zu übernehmen. Der produziert 3-D-Drucker für den Hausgebrauch. Angebot und Kaufpreis belegen, welch ökonomische Bedeutung die lange als Spielkram für Nerds belächelte Technik bekommen hat.

Sie brauchen kaum mehr Platz auf dem Tisch als ein gewöhnlicher Tintenstrahldrucker und erinnern zumindest auf den ersten Blick eher an Bierkästen als an Hightech-Werkzeuge. Doch genau das sind die „Replicator“ genannten Maschinen aus dem Hause Makerbot, mit denen eine eingeschworene Bastlergemeinde seit gut drei Jahren in heimischen Werkräumen und Hochschul-Laboren von der Kunststoff-Vase über Nachbauten historischer Lichtschalter und Fantasy-Spielfiguren bis zur Roboter-Hand jede Menge Bauteile „druckt“. Denn im Prinzip sind die MakerBot-Maschinen eng verwandt mit klassischen Tintenstrahldruckern – nur, dass aus den Düsen ihrer Druckköpfe statt farbiger Flüssigkeit mikrometerdicke Schichten aus buntem, geschmolzenem Kunststoff fließen. Schicht für Schicht entstehen so die räumlichen Gebilde.

Lange Zeit allerdings galten die Plastik-Drucker, von denen das New Yorker Startup Makerbot inzwischen rund 22000 Stück verkauft hat, in einer sich dramatischen wandelnden Produktionslandschaft als besserer Spielkram. Denn während professionelle Maschinen für die sogenannte additive Fertigung, so der Branchenbegriff für den räumlichen Druck, schnell hohe fünfstellige Beträge kosten, hat Makerbot-Gründer Bre Pettis die Technik in seinen Geräten zum massenmarkttauglichen Preis verfügbar gemacht. Das aktuelle Einsteiermodell, der Replicator 2, kostet umgerechnet nur noch gut 1600 Euro, das Top-Modell Replicator 2X, der in der Lage ist, sogar mehrfarbige Werkstücke aus ABS-Kunststoff herzustellen, soll demnächst für umgerechnet rund 2200 Euro zu haben sein.

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Auswahl von 3D-Druck-Verfahren

  • Thermischer 3D-Druck

    Ähnlich der "Heißklebepistole" wird Material aufgetragen, das anschließend aushärtet.

  • Polyjet

    Ähnlich wie beim Tintendrucker wird Material tröpfchenweise aufgebracht und ausgehärtet - zum Beispiel wird Kunststoff durch UV-Strahlung polymerisiert.

  • 3D-Druck

    Ein Bindematerial wird auf eine Materialschicht (zum Beispiel Sand) aufgebracht - später wird das ungebundene Material abgenommen und die gewünschte Kontur bleibt stehen.

  • Selektives Laser-Sintern

    Eine Pulverschicht wird durch Wärme (Laser) verschweißt. Nach dem schichtweisen Aufbau kann das lose Material abgenommen werden und es bleibt die gewünschte Kontur stehen.

  • Laser-Sintern

    Direktes Materialschmelzen - ähnlich dem Pulverbett-Schmelzen, allerdings wird das Material bereits gezielt am gewünschten Ort aufgetragen und verschmolzen.

Gemessen an den Preisen der Stratasys-Maschinen, die bisher vorwiegend im industriellen Einsatz sind und hohe vier- bis fünfstellige Beträge kosten, lassen sich die Replicator-Drucker also quasi aus der Portokasse finanzieren. Und auch in der Fertigungsgeschwindigkeit und der Auflösung der Strukturen reichen die MakerBot-Maschinen nicht an die Fähigkeiten der professionellen Stratasys-Drucker heran.

Dass der amerikanisch-israelische Hersteller dennoch mindestens 403 Millionen Dollar in Aktien locker machen und bei erfolgreicher Geschäftsentwicklung weitere Aktion im Wert von 201 Millionen Dollar an die Verkäufer ausschütten will, belegt aber, welch ökonomische Bedeutung die lange als Spielkram für Nerds belächelte Technik inzwischen auch im professionellen Umfeld bekommen hat. Und das, obwohl Makerbot laut aktueller Geschäftszahlen im ersten Quartal dieses Jahres gerade einmal 11,5 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat – nach 15,7 Millionen im ganzen Jahr 2012.

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