Unterhaltungselektronik-Messe: High-End-Klänge auf der Fahrt zur Arbeit

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Unterhaltungselektronik-Messe: High-End-Klänge auf der Fahrt zur Arbeit

von Matthias Kamp

Auch an den Herstellern hochwertiger Audio- und Videotechnik geht die Euro-Krise nicht spurlos vorüber. Beim diesjährigen Branchentreffen in München suchen die Anbieter nach Orientierung und neuen Nischen für ihre Produkte.

Die Gänge zwischen den Ständen heißen Joe Cocker Street, Keith Jarrett Boulevard oder Franz Liszt Weg. Links und rechts der roten Teppiche haben die Unternehmen ihre neuesten Entwicklungen  ausgestellt: Klobige Kopfhörer hängen auf Köpfen aus Glas, Abspielgeräte für die gute alte Vinylschallplatte stehen da, eingerahmt von Lautsprecherboxen in minimalistischem Design. 360 Unternehmen sind in diesem Jahr zum wichtigsten Branchentreffen der Welt für hochwertige Unterhaltungselektronik nach München gekommen, der Messe High End.

Doch wer genau hinhört, der kann zwischen all den superreinen High-Tech-Klängen aus Lautsprechern, die durchaus mehr als 10.000 Euro kosten können, Molltöne heraushören. „Ohne unser Geschäft in Asien hätte unser Umsatz im vergangenen Jahr stagniert“, sagt Dieter Burmester, Gründer und Chef des gleichnamigen Herstellers hochwertiger Soundsysteme aus Berlin. Um rund 30 Prozent konnte Burmester, der insgesamt 50 Mitarbeiter beschäftigt, den Umsatz seines Unternehmens 2012 steigern. China, Taiwan, Indonesien und Singapur: Überall geht es kräftig bergauf, finden seine handgefertigten Klangsysteme, die bis zu 30.000 Euro kosten können, immer mehr Liebhaber. Auch im laufenden Jahr wuchs der Hersteller aus Berlin bis heute um 20 Prozent.

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Doch um das Wachstum seines kleinen Unternehmens langfristig zu sichern, braucht Burmester weitere Standbeine. Seit einigen Jahren hat er einen Vertrag mit Mercedes. Wenn demnächst die neue S-Klasse auf den Markt kommt, wird der Fahrer Musik und Verkehrshinweise aus Burmester-Lautsprechern hören. Später wollen die Stuttgarter auch andere Modellreihen mit den Systemen aus Berlin ausstatten. Schon seit sieben Jahren beliefert das Unternehmen Porsche. 16 Lautsprecher sorgen etwa im Cayenne für allerreinste Klänge. „Das kriegt man im Wohnzimmer nicht hin“, sagt Burmester, während er an den Reglern dreht.

Das Geschäft wächst, denn die großen Pkw-Hersteller haben in den vergangenen Jahren das Auto als Rückzugsstätte dauergestresster Manager und Angestellter erkannt. Wer ständig unter Strom steht, möchte wenigstens während der 30 Minuten auf dem Rückweg von der Arbeit entspannt Musik hören – und das in bester Qualität, hoffen Anbieter wie Burmester. „Das ist wie eine warme Badewanne, da stört dann nichts mehr.“

Macht Burmester zurzeit rund zehn Prozent seines Umsatzes mit der Automobilindustrie, sind es beim Konkurrenten Dynaudio bereits 50 Prozent. Das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 55 Millionen Euro hat seinen Sitz in Dänemark. Doch auch hier spielt der Ferne Osten eine immer wichtigere Rolle. Seit 2004 ist Dynaudio exklusiver Lieferant von Volkswagen; dazu gehören auch die Joint Ventures, die die Wolfsburger in China, dem größten Automarkt der Welt, betreiben. Die Soundsysteme werden ausschließlich in Dänemark gebaut, eine Fertigung in China kommt nicht in Frage. VW-Chef Martin Winterkorn will es so; er legt Wert auf höchste Qualität.

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China ist für die Dänen inzwischen der drittwichtigste Markt nach Deutschland und den USA. Nach schweren Einbrüchen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 und 2009 läuft es bei Dynaudio nun wieder rund. Doch das Geschäft mit China wird immer wichtiger, denn andere Märkte sind schlicht verschwunden. „In Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien geht es gegen Null“, sagt Dynaudio-Chef Wilfried Ehrenholz, „das ist bitter.“

Doch schon seit Jahren treibt die Hersteller eine weitere Sorge um: MP3-Spieler und i-Pods, abgehört mit billigen Ohrstöpseln, lassen die Nachfrage nach hochwertigen Klangsystemen sinken. Musik ist überall verfügbar, und noch nie wurde so viel gehört wie heute, doch das in schlechter Qualität. So lautet eine oft gehörte Klage in München.

Statistiken der Vergangenheit sind in der Tat ernüchternd. Zwischen 1995 und 2005 brach der Absatz von Lautsprechern in Deutschland um 75 Prozent ein. Doch seit einiger Zeit gehe es wieder bergauf, beobachten Branchenvertreter. Manche vergleichen ihr Geschäft mit dem der Schweizer Uhrenindustrie: In bestimmten Segmenten werde es immer eine Klientel für Produkte am oberen Ende der Preis- und Qualitätsskala geben.Burmester etwa ist sich sicher, dass es immer Menschen geben wird, „die Vivaldi so hören wollen, dass sie eine Gänsehaut bekommen“, und fügt hinzu: „Am Ende aller Tage reproduzieren wir doch Kultur.“

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