Valley Talk: Apples riskantes Spiel mit Adobe

kolumneValley Talk: Apples riskantes Spiel mit Adobe

Kolumne von Matthias Hohensee

Im Kampf gegen Adobe spielt Apple-Chef Steve Jobs mit dem Feuer. Was soll der Konflikt?

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Man stelle sich vor, Microsoft würde den Internet-Browser Firefox von seinem Betriebssystem Windows verbannen. Eine offizielle Erklärung dafür gäbe es nicht. Nur Gerüchte, dass Microsoft-Chef Steve Ballmer das Programm nicht gefalle und er auf Alternativen wartet.

Das wäre undenkbar: Schon weil der Aufschrei zu groß wäre: Anbieter und Fans von Firefox würden die Wettbewerbshüter alarmieren, und Microsoft würde von der Internet-Gemeinde in der Luft zerrissen. Doch ist das Szenario wirklich so absurd?

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Nicht aus der Sicht von Adobe. Denn das Softwareunternehmen aus dem Silicon Valley leidet unter einer solchen Attacke. Bitter präsentiert man in der Firmenzentrale eine Statistik, nach der das Unternehmen allein im Dezember sieben Millionen potenzielle Kunden abweisen musste, weil ein anderer Konzern das Produkt auf seinem System nicht zulässt: Der Bösewicht heißt Apple.

Und der Konflikt dreht sich um Adobe Flash – Englisch: Blitz. Mit dieser Technik lassen sich unter anderem Animationen und Videos auf Internet-Seiten darstellen. Software zum Betrachten von Flash-Inhalten ist mittlerweile auf 98 Prozent aller Computer installiert und wird von fast allen Smartphone-Herstellern unterstützt.

iPad und iPhone können keine Flash-Inhalte nutzen

Nur nicht von Apples iPhone und voraussichtlich auch nicht von dem für Ende März erwarteten iPad. Deren Safari-Browser erlaubt das Betrachten von Flash-Inhalten nicht. Eine offizielle Begründung dafür gibt es von Apple nicht. Es wird gemunkelt, dass Apple Chef Steve Jobs die Flash-Software für überholt hält und lieber auf HTML 5 wartet, die nächste Technik zur Programmierung von Internet-Inhalten. Sie soll es ermöglichen, Videos und Animationen direkt im Browser abzuspielen, ohne vorher Zusatzprogramme wie Flash installieren zu müssen.

Tatsächlich geht es jedoch um etwas anderes: Denn Flash würde den exklusiven Vertrieb von iPhone-Software über Apples Appstore untergraben. Von jedem verkauften Programm erhält Apple 30 Prozent des Umsatzes. Doch mit Flash kann man Programme direkt im Web-Browser abspielen, der Appstore bliebe außen vor.

Noch muss Jobs die Wettbewerbshüter nicht fürchten. Schließlich ist das iPhone nicht marktbeherrschend. Wer Wert auf Flash legt, kann zur Konkurrenz von Symbian, Windows Mobile, Blackberry und Android greifen. Und Adobe ist nicht so fragil, wie man sich in der PR-Offensive gibt. Dennoch: Jobs spielt mit dem Feuer. Je erfolgreicher seine mobilen Produkte werden, umso rascher wird Apple nachgeben müssen.

Zugleich wird ihn die Aktion bei seinen Fans Sympathiepunkte kosten.

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