Valley Talk: Microsoft gewährt der Spiele-CD nur eine Gnadenfrist

kolumneValley Talk: Microsoft gewährt der Spiele-CD nur eine Gnadenfrist

Kolumne von Matthias Hohensee

Microsoft hat bei der neuen Spielkonsole Xbox auf seine Kunden gehört. Das hat aber auch Nachteile für sie.

Yusuf Medhi gab sich kämpferisch. Als ich den Strategiechef von Microsofts Spielkonsole Xbox Mitte Juni befragte, hatte der Manager einen Spießrutenlauf hinter sich. Es hagelte Kritik an Microsofts Auflage, die neueste Generation der Spielkonsole – die Xbox 720 – habe sich spätestens alle 24 Stunden per Internet beim Mutterschiff zu melden. Noch mehr Empörung produzierte der Ukas, Spiele nur noch mit Einschränkungen weiterverkaufen zu können.

Medhi, der seit 20 Jahren für den Softwarekonzern arbeitet, hatte mit Sicherheit eine schlaflose Nacht hinter sich. Denn am Abend vor dem Gespräch hatte Sony für seine Playstation 4 – den Xbox-Wettbewerber – nicht nur einen 100 Dollar niedrigeren Preis bekannt gegeben, sondern auch versprochen, weder eine Internet-Verbindung vorzuschreiben noch die Weitergabe von Spielen einzuschränken.

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Medhi verteidigte trotzdem leidenschaftlich die Auflagen. Nur so könne man neue Nutzungsszenarien und Geschäftsmodelle entwickeln, bei denen es keine Rolle mehr spiele, ob eine Scheibe mit der Software im Laufwerk der Konsole stecke, heruntergeladen sei oder sich die Spielesoftware gänzlich im Internet befinde. Aber dafür müsse man Nutzer und Software eindeutig zuordnen. „Wir müssen die Konsole und die digitale Welt besser vermählen“, forderte er.

Eine Woche später knickte Microsoft ein. Im Grunde ist das positiv. Microsoft hat in Rekordzeit auf seine Kunden gehört. Zu groß war die Gefahr, dass Konsolenkäufer die Xbox 720 als teures Gängelinstrument empfunden hätten. Eine Niederlage im Konsolenkrieg – der mit den Verkaufsstarts im Spätherbst losbrechen wird – würde Microsoft schädigen. Denn die Xbox ist der Beweis, dass Microsoft auch abseits von Windows und Word erfolgreich sein kann.

Für die Wettbewerbsfähigkeit der Konsole ist Microsofts Kurswechsel allerdings schlecht: Neue, kundenfreundliche Vertriebsmodelle werden so unmöglich oder verzögern sich. Damit bleibt die Kundenschar beschränkt und der Preis von Konsolenspielen im Vergleich zu Angeboten für Computer, Tablets und Smartphone hoch.

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