Von Nullen und Einsen: Der irreparable Rechner

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Greenpeace-Aktivisten protestieren vor dem Apple Flagship-Store in Hamburg gegen die nach Ansicht der Organisation "dreckige Stromversorgung" der iCloud-Rechenzentren des US-Technologiekonzerns

Kolumne von Ben Schwan

Immer mehr aktuelle Elektronik kommt vernagelt beim Kunden an - die Möglichkeiten zur Aufrüstung oder Reparatur sind nur noch minimal, oft werden deshalb einfach komplette Geräte getauscht. Der Kultkonzern Apple wird hier von Umweltschützern besonders hart kritisiert. Was ist an den Vorwürfen dran?

Man könnte fast auf die Idee kommen, Apple reize Greenpeace absichtlich. Erst ziehen die Umweltschützer in mehreren Städten auf der ganzen Welt vor Läden, Rechenzentren und Büros des Computerkonzerns und verlangen, der solle doch gefälligst keinen Kohle- und Atomstrom für seine "iCloud"-Onlinedienste mehr verwenden. Apple lässt das alles an sich abprallen mit der simplen Aussage, Greenpeace habe sich verrechnet, stattdessen setze kein Unternehmen außerhalb der Energiebranche in Amerika stärker auf Ökostrom.

Dann erklärt Greenpeace Apple zu einer Marke mit einem eher opaken Geräterücknahme-Konzept - im Vergleich zur Konkurrenz sei die Firma in Sachen Elektronikschrott deutlich schlechter aufgestellt. Und was macht Apple? Betont, man habe mittlerweile ein hervorragendes Renommee, was die Verbannung giftiger Stoffe aus der Hardware und die Recyclebarkeit der Produkte anbetrifft. Und verklebt dann beim neuesten MacBook Pro mit "Retina"-Bildschirm die Batterie im Gehäuse, verlötet den Hauptspeicher auf der Platine und fusioniert das Glas des Bildschirms und das Aluminium dahinter kurzerhand zu einer Einheit. Ich wette, Greenpeace bereitet schon die nächste Kampagne vor.

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Umweltsünder Apple

Die interessante Frage dabei ist allerdings, wie viel der hippe Apfelkonzern wirklich falsch macht. Bei der Rechenzentrumsdiskussion steht Aussage gegen Aussage - Greenpeace meint, Apple brauche für seinen Maschinenpark viel mehr Energie, Apple sagt, es sei so wenig, dass vor allem Ökostrom ausreiche. Doch bei der Elektronikschrottdiskussion kann man sich schon leichter einen Reim darauf machen, wer hier richtig(er) liegt. Als das erwähnte MacBook Pro mit Retina-Display auf den Markt kam, wurde es vom Team des Reparaturdienstleisters iFixIt auseinander genommen und mit der bislang niedrigsten Punktzahl in Sachen Reparierbarkeit bewertet.

Doch aus Nutzersicht scheint das die wenigsten zu interessieren. Käufer des Luxus-Geräts (Apple-Preis ab 2279 Euro) mit seinem teuren (dafür ultrascharfen) Bildschirm wählen eben aus zwei verschiedenen Varianten mit unterschiedlicher Prozessorleistungsfähigkeit, suchen sich dann noch eventuell mehr SSD-Speicher aus und prüfen, wie viel RAM sie brauchen. All das wird dann von Apple ab Werk eingebaut und an die Kundschaft verschickt, die das Gerät dann vielleicht, so ist der über den Daumen gepeilte Schnitt mittlerweile, zwei Jahre lang nutzt. Dafür sollte, wenn alles gut geht, der fest eingebaute Akku mit seinen laut Hersteller bis zu 1000 Ladezyklen hoffentlich ausreichen. Garantie gibt es sowieso nur ein Jahr, wer außerhalb der gesetzlichen Gewährleistung des Händlers länger Sicherheit braucht, muss ein kostenpflichtiges Servicepaket ("Apple Care") abschließen.

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