
Google bringt einen eigenen Browser auf den Markt? Als die Nachricht im September 2008 die Runde durch die Techszene machte, wurde der Online-Gigant zunächst mit viel Skepsis empfangen. Damals beherrschte Microsofts Internet Explorer den Markt, gefolgt von einem massiv erstarkten Mozilla Firefox. Apple hatte zudem mit Safari auf jedem Mac und jedem iPhone ein eigenes Web-Surfbrett am Start - und wer es ganz ausgefallen mochte, griff eben zum norwegischen Opera-Browser. Es schien, als ob es weder einen vorhandenen Bedarf noch irgendeinen vernünftigen wirtschaftlichen Grund für Google gab, sich in dieses überlaufene Geschäft zu begeben.
Bild: dpaGoogle Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Bild: ScreenshotGoogle Videos
Google Video startete 2005 ursprünglich als Video-Gemeinschaft im Internet, auf der Nutzer Videos hochladen und teilen können sollten. Als Youtube im Februar 2006 das Licht der Netzwelt erblickte, versuchte Google drei Jahre lang, das Portal aufzukaufen - vergeblich. Google Videos gibt es noch, aber Nutzer können keine Videos hochladen. Die in der Suchmaschine integrierte Videosuche indexiert Clips von allen Seiten im Netz.
Bild: ScreenshotGoogle X
Google X sollte alle Google-Produkte in Form kleiner Icons über der Suchleiste anzeigen. Wenn der Nutzer mit der Maus darüber fuhr, sollten die Icons sich vergrößern. Die Idee setzte sich nicht durch - das Projekt wurde am 15. März 2005 aus der Wiege gehoben und starb bereits einen Tag später.
Bild: REUTERSProjekt Erneuerbare Energien
"Um es zusammenzufassen, wir sind dabei, zahlreiche Projekte dichtzumachen, die nicht den Effekt hatten, den wir erhofft hatten", schrieb das Unternehmen Ende 2011 in seinem offiziellen Blog. Google nennt die Verkleinerung "Frühjahrsputz", die schon im April 2011 mit dem Wechsel von Larry Page (im Bild) an die Firmenspitze begonnen hat. Es ist seitdem bereits die dritte "Putzaktion", in der Google Projekte einstampft. Nicht mehr weiterverfolgen will Google unter anderem das prestigeträchtige Projekt Erneuerbare Energien. 2009 hatte der damalige Google-Manager Bill Weihl angekündigt, binnen einiger Jahre Technologien anzubieten, mit denen die Produktion Erneuerbarer Energie billiger bewerkstelligt werden könne. Weihl hat das Unternehmen mittlerweile verlassen.
Bild: ScreenshotKnol
Zu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer?

Google Wave
Nach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.
Bild: ScreenshotLively
Als der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen.

Dodgeball
Schon im Jahr 2000 entwickelte Dennis Crowley Dodgeball, ein Netzwerk bei dem Freunde sich informieren konnten, wo ihre Kontakte sich gerade befinden. 2005 kaufte Google den Dienst, machte aber wenig damit und schloss das Angebot 2009. Crowley startete ein neues Unternehmen mit ähnlichem Konzept: Foursquare – das derzeit eines der am heißesten umworbenen Start-Ups überhaupt ist.
Bild: ScreenshotGoogle Checkout
Ein weiteres kaum bekanntes und entsprechend wenig genutztes Angebot ist Google-Checkout. 2006 startete das Unternehmen damit, es soll eine Alternative zum Online-Bezahldienst Paypal sein. Doch im Gegensatz zu Paypal schaffte das System nie den großen Durchbruch. Im November 2011 teilte Google daher mit, dass es mit dem mobilen Bezahlsystem Google Wallet verschmolzen wird.

Froogle
Auch eine eigene Produktsuche bietet das Unternehmen aus Mountain View. Früher hieß das Angebot Froogle, inzwischen schlicht "Google Produktsuche" – eine wirkliche Alternative zu bekannten Preisvergleichsportalen ist es allerdings nicht.
Google Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Und dann kamen auch gleich die Bedenken: Wie konnten Nutzer, die der größten Suchmaschine der Welt sowieso schon zu viele ihrer intimsten Gedanken anvertrauten, dem Unternehmen nun auch noch ihre Surf-Daten übermitteln? Und tatsächlich sorgte Chrome anfangs bei Datenschützern für Entsetzen. Die neue Suchleiste gab jedes eingetippte Zeichen sofort an die Konzernserver durch (um Suchvorschläge zu machen, wie sich herausstellte). Jeder Browser verfügte über eine eigene ID-Nummer (die sich abdrehen ließ). "Wir befürchten, dass Chrome nur ein weiteres gigantisches Förderband darstellt, über das private Informationen zu unserer Web-Nutzung in Googles Datenspeicher geschafft werden sollen", kommentierte die Netzbürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnte vor den potenziellen Gefahren, die die Betaversion eines solchen neuartigen Browsers mit sich bringen könnte.
Knapp hinter Firefox
Mittlerweile hat Google die vielen Chrome-Kritiker eines Besseren belehrt. Firefox schwächelt und passte seinen Entwicklungsprozess dem Internet-Konzern an, mittlerweile betreibt das Browser-Projekt sogar eine Form von Mimikry. In der weltweiten Browserstatistik nach NetMarketshare landet Chrome mit erstaunlichen 17,46 Prozent mittlerweile knapp hinter Firefox, in anderen Regionen wurde der einzige Branchenprimus bereits eingeholt. Nur Microsofts Internet Explorer hält sich dank seiner diversen parallel genutzten Versionen weltweit noch vorne. In Deutschland verdoppelte der Google-Browser seine Nutzerschaft innerhalb eines Jahres mal eben.
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