Von Nullen und Einsen: Hoffen aufs Hightech-Wunderland

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Ein Messemitarbeiter schneidet die großen Plakate für die Cebit zu

Kolumne von Ben Schwan

Wie steht es kurz vor der Cebit um die IT-Branche? Die hat ja nach wie vor das Image, insbesondere den USA hinterherzuhinken. Natürlich, ein hiesiges Silicon Valley bleibt ein Traum und unsere Startups leiden weiterhin zu oft unter dem berühmt-berüchtigten Copycat-Syndrom. Doch ganz so übel, wie alle immer klagen, ist es nicht, meint Ben Schwan. Besonders, wenn man Außenstehende fragt.

Ich selbst bin ja immer froh, soviel mag hier gleich zu Anfang zugegeben sein, wenn ich die Cebit ausfallen lassen kann. Nicht nur, weil es in Hannover immer regnet, wenn ich da bin und ich mindestens jedes zweite Mal mit einer dicken Erkältung nach Hause fahre. Sondern auch, weil sich der Nabel der IT-Welt mittlerweile ins Netz verschoben hat und Branchentreffs an Bedeutung verlieren. So schön es auch ist, die üblichen Verdächtigen persönlich zu treffen und richtig viel Hard- und Software an ein und der selben Stelle anzufassen. (Das klang jetzt merkwürdig versaut, doch Gadget-Junkies werden wissen, was ich meine.)

Egal ob Cebit-Fan oder Cebit-Verweigerer: Wozu das Ereignis in der norddeutschen Tiefebene aber nach wie vor prima taugt, ist ein jährliches Innehalten mitsamt eines Blickes auf die aktuelle Situation der Branche. Und da herrscht ja üblicherweise eher Trübsal, selbst wenn man gutes Geld verdient: So heißt es stets, Deutschland hinke gegenüber den USA so arg hinterher in der IT. Ausgerechnet der scheidende Google-Boss Eric Schmidt sieht das offensichtlich nicht so. Er will - es mag ein wenig mit Positivpropaganda für den Onlineriesen zu tun haben - nun hiesige Standorte ausbauen und in Berlin ein schickes neues Institut gründen, das sich mit Internet und Gesellschaft beschäftigen soll.

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Wenn also schon ein Eric Schmidt von uns schwärmt, müssen wir uns auch nicht mit irgendwelchen Standortfragern aufhalten, die Exzellenzcluster à la Silicon Valley fordern: Nein, das Netz sorgt dafür, dass man überall seine Ideen umsetzen kann, egal ob auf dem Dorf (wenn es vernünftiges Internet gibt, siehe unten) oder im Berliner Szenebezirk.

Lichtblicke und Copycats

Natürlich, das schlimme alte Copycat-Problem bei deutschen Web-Start-ups besteht weiter. Viel zu häufig wird in die USA geschaut, eine Idee übernommen, dann hierzulande hochgezogen und gehofft, dass entweder ein hiesiger Konzern oder das amerikanische Vorbild zugreift. Das passiert schon seit frühen Internet-Tagen, zum Glück aber nicht mehr so oft wie früher. Erinnert sich zum Beispiel noch jemand an deutsche Twitter-Klone? Hat nicht so richtig geklappt.

Was wir alle dagegen tun können, ist die Unterstützung originärer Produkte unseres Landes, sei es nun bei Datenschutztechnik oder netten Blog-Aggregatoren. Das muss aber nicht heißen, dass man alles über den grünen Klee loben muss, nur weil es irgendwie mit der Heimat zu tun hat. Es wird ja schließlich auch genügend Mittelmaß produziert, dem das "Made in Germany" nur ungenügend Glanz verleihen kann.

Lichtblicke gibt es. In Berlin existiert beispielsweise ein Start-up namens Soundcloud, das mit einer anfangs eher schwer zu erklärenden Ideen mittlerweile auch wichtige US-Risikokapitalinvestoren anlocken konnte. (Nicht dass ich in diesem Fall verbriefen würde, dass das Modell profittechnisch schließlich trägt, doch ermutigend ist das schon.)

In Sachen App-Entwicklung tut sich ebenfalls viel. Da gibt es jede Menge kleinere Firmen und Miniteams, die auf iOS und Co. dem Ausland zeigen, was die hiesige Szene so alles draufhat.

Bei den heimischen IT-Großkonzernen muss dagegen, so glaube ich, manchmal wieder mehr deutsche Gründlichkeit rein. Dass das Management dieser Firmen globalisiert ist, ist schon mal prima. Aber man muss ja nicht gleich seine Wurzeln verlieren, auch BMW ist in aller Welt originär bayerisch und Mercedes schwäbisch.

Wir brauchen eine vernünftige Ausbildung

Was wir brauchen, um den IT-Standort weiter aufzupeppen, ist eine vernünftige Ausbildung. Da ist die verschulte Bachelorisierung der Hochschullandschaft nicht immer eine Antwort. Warum muss ein junger Informatiker noch Java oder Cobol lernen, wo es doch Ruby, Python oder meinetwegen Objective C viel besser täten? Natürlich darf das nicht auf einen Weg hin zu modischem Schnickschnack führen.

Um diesen kleinen Reigen noch mit etwas Infrastrukturdebatte abzurunden: Deutschland steht gerade kurz davor, den Anschluss an die Internet-Zukunft zu verlieren. Das sage ich nicht, um zu provozieren, sondern meine es ganz ernst. Die Bundesrepublik hat, das beklagte ich an dieser Stelle bereits vor anderthalb Jahren, eine miese Glasfaserversorgungslage, während Korea z.B. bald im Gigabit-Bereich surft.

Und wir haben immer noch Mobilfunkfirmen, die glauben, Bandbreite sei so wertvoll, dass man sie teuer verkaufen muss wie Gold. Dieser Schwachsinn muss aufhören. Dummerweise lässt die aktuelle Breitbandpolitik, die noch auf Jahre von Oligopolen geprägt bleiben wird, bislang wenig Auswege. Das wäre mal eine prima Aufgabe für die Politik, gerade zur Cebit.

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