Von Nullen und Einsen: Ist die CeBit noch zeitgemäß?

kolumneVon Nullen und Einsen: Ist die CeBit noch zeitgemäß?

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Die Cebit ist die weltgrößte Messe ihrer Art, doch wiwo.de-Kolumnist Ben Schwan zweifelt daran, dass sie noch zeitgemäß ist.

Kolumne von Ben Schwan

Bald 25 Jahre alt ist die CeBIT als eigenständige Veranstaltung inzwischen. Als die Show 1986 erstmals und mit großem Erfolg außerhalb der Hannover-Messe über die Bühne ging, waren Datennetze großen Teilen der Bevölkerung genauso unbekannt wie die Vorstellung, dass einmal in nahezu jedem Haushalt ein Rechner stehen würde. Ist es heute noch zeitgemäß, einmal im Jahr nach Niedersachsen zu pilgern? wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan ist sich da nicht so sicher.

Diese Zeilen schreibe ich aus einer gut geheizten Wohnung auf einer Insel an der Westküste Skandinaviens. Vorhin waren wir bei herrlichem Sonnenschein am Meer spazieren, bevor ich mich mittels einer Glasfaserleitung, die ungefähr sechsmal schneller ist als die Internet-Anbindung in meinem Berliner Büro (danke, Telekom!), an mein journalistisches Tagwerk machte. Als jemand, der vor allem über Netz- und IT-Themen berichtet, ist mein Arbeitsort oft genug das Internet selbst - da ist es ab und an möglich, auch einmal von angenehmeren Orten aus zu arbeiten als der winterlich verdreckten Hauptstadt, wofür ich meinem Herrgott regelmäßig danke.

Dabei müsste ich eigentlich am Montag nach Hannover düsen. Dort startet wie jedes Frühjahr üblich die noch immer weltgrößte Computermesse der Welt, deren Akronym für "Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation" steht - na klar, die CeBIT. Ich erinnere mich an Zeiten, da war es enorm spannend, den jährlichen Pilgertreck nach Niedersachsen mitzumachen. Man wusste, dass dort stets der jeweils heißeste Scheiß der IT vorzufinden war. Egal ob die ersten coolen Handys, die nächste Ausbaustufe der Breitbandnetze, die allerneuesten Prozessor-Gigahertz-Rekorde oder der schnellste Laserdrucker aller Zeiten - wer das sehen wollte, musste wohl oder übel in die Welfenstadt. Dort musste man sich dann durch den überfüllten Bahnhof zur hier euphemistisch U-Bahn genannten Tram vorkämpfen und dann eingequetscht zwischen Amerikanern und Taiwanesen stehen, bis das Messegelände endlich am Horizont auftauchte.

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Heute, da alle Welt die neuesten Infos aus ihrem jeweiligen Fachgebiet in Blogs und Internet-Nachrichtendiensten, aber auch mittels sozialer Medien in einem noch nie gekannten Ausmaß auf den Bildschirm gekippt bekommt, stellen sich in Sachen CeBIT einige Fragen. Die wohl wichtigsten: Warum sollten IT-Interessierte da überhaupt noch zur Messe kommen? Und warum sollten Firmen stets das jährliche Event abwarten, um Produkte auf den Markt zu bringen?

Als großes Vorbild der Anti-CeBIT-Fraktion kann Apple dienen: Dort unterließ man es in diesem Jahr erstmals in der Firmengeschichte, an der eigens für das Unternehmen kreierten Messe Macworld in San Francisco teilzunehmen. Begründung: Man schaffe mit eigenen Präsentationsveranstaltungen genügend Öffentlichkeit, könne seine Nutzer viel direkter über das Internet oder die eigenen Ladenketten informieren. Zwar beherrschen nicht viele Firmen Apples Spiel auf der Medienklaviatur, doch das Funktionieren dieser Strategie - die Präsentation des iPad zeigte es - sollte zu denken geben. Aus der Macworld wurde unterdessen eine Art Kuschelmesse mit 20.000 Besuchern - sicher kein schlechtes Event, um endlich mal den eigenen Lieblingsprogrammierer persönlich kennenzulernen, aber eben doch eine arge Verkleinerung.

Das wichtigste an einer Messe ist der geschäftliche Austausch

Nicht, dass die CeBIT es unterließe, sich den Gegebenheiten anzupassen: Die Deutsche Messe AG muss sich sogar den Vorwurf gefallen lassen, eine Art Trendhure zu sein. Während man zu Dot-Com-Hypezeiten voll auf dem "New Economy"-Zug mitfuhr, waren es später Themen wie Geschäftsanwendungen oder "grüne" Informationstechnik. Inzwischen versucht man mit der sogenannten "Webciety", Online-Geschäftsmodelle abzubilden, Anhänger sozialer Netzwerke zu locken und auch Start-ups preisgünstig zu Ausstellungsfläche zu verhelfen.

Ich weiß nicht, ob das viel hilft. Natürlich bleibt die Tatsache, dass das wichtigste einer Messe der geschäftliche Austausch ist. Viele Firmen gehen den Weg: Sie sparen sich inzwischen teure Auftritte für Otto-Normal-Verbraucher und sind nur über das Fachhandelszentrum ansprechbar. Dort gibt es dann das, was eine Messe eigentlich wirtschaftlich ausmacht(e) - Aufträge nämlich. Schlecht ist nur, dass man dafür die gigantischen Hallen des Hannoveraner Messegeländes eigentlich nicht mehr braucht.

Aber vielleicht kommt man ja zur CeBIT, weil man dort auch jetzt noch Leute trifft, die man das ganze Jahr über nicht sehen konnte - oder eben nur virtuell. wiwo.de-Leser Karl Klein brachte das wie folgt auf den Punkt: "Über vieles wird zwar in der Presse berichtet, es ist jedoch ein besonderes Erlebnis, persönlich mit namhaften Vertretern der IT-Branche auf der CeBIT zu sprechen." Hoffen wir für die Hannoveraner, dass uns das alle vor dem Bildschirm hervorlockt.

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