kolumneVon Nullen und Einsen: Software aus der Mottenkiste

13. März 2011
Weltpremiere des Quelle: APBild vergrößern
Weltpremiere des Softwarepaketes "Office 97" auf der Computermesse "BIK 96" im September 1997 Quelle: AP
Kolumne von Ben Schwan

Erstaunlich viele Unternehmen arbeiten mit veralteten Betriebssystemen, Browsern oder Office-Paketen. Das hat unterschiedliche Gründe - vom bekannten Motto "Never Change a Running System" über Widerstände in der IT-Abteilung bis hin zur Kostenfrage. Doch auf Dauer sollte sich kein Profi derlei Nachlässigkeit leisten - schon aus Sicherheitsgründen nicht. Manchmal machen es die Software-Hersteller den Kunden aber auch besonders schwer, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Es kommt selten vor, dass ein Hersteller eine großangelegte Kampagne startet, um die Verwendung eines seiner populärsten Produkte zu unterbinden. Beim Softwareriesen Microsoft ist das gerade so: Der hat eine Online-Werbewelle losgetreten, um Unternehmen und Einzelnutzer in aller Welt davon zu überzeugen, endlich den Uralt-Browser Internet Explorer 6 (IE6) aufzugeben. Das angefaulte Microsoft-Surfbrett, erschienen vor sage und schreibe bald 10 Jahren, wird in Taiwan, Saudi Arabien oder Japan noch zu mehr als 10 Prozent verwendet. Doch auch europäische PC-Nutzer sollten peinlich berührt in der Schamecke stehen: In Deutschland sind es noch rund 3, in Großbritannien 3,5 und in Frankreich fast 4 Prozent, die von ihrer alten Internet-Liebe offenbar nicht lassen wollen - oder es einfach nicht besser wissen.

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Dabei ist der IE6 nur eines von gleich mehreren Extrembeispielen. Noch einen Zahn schärfer ist beispielsweise die Tatsache, wie häufig man insbesondere im Geschäftsleben noch auf das ebenfalls mittlerweile fast zehn Jahre alte Windows XP trifft. Microsofts Uralt-Betriebssystem steckt in Arbeitsplatzrechnern, wird in durchaus sensiblen Gerätschaften wie Anzeigetafeln, Fahrkartenautomaten und sogar Geldausspuckern verwendet und dürfte sich auch noch in den kommenden Jahren einer geradezu unerklärlichen Beliebtheit erfreuen. Da kann Microsoft noch so sehr ankündigen, bald keine Updates mehr zu liefern und die Schönheiten von Windows 7 preisen: Es hilft nix.

Alte Software birgt Gefahren

Oft sind es Sachzwänge, die das Verharren auf veralteten IT-Anschaffungen bedingen, wie mein Kollege Oliver Voß kürzlich anschaulich beschrieb: Unternehmensspezifische Software läuft einfach nicht auf dem neuen Windows, also bleibt man beim alten. Außerdem zeigt sich manches Mal auch die eigene EDV-Abteilung als Bremsklotz: Sie weigert sich dann, modernere Software zu "supporten", obwohl man doch mit frischer Ware auf lange Sicht besser fahren würde. Zu guter Letzt ist es auch oft das notwendige Kleingeld, das fehlt: Ist die PC-Hardware alt, müsste die bei einem Wechsel eventuell auch ausgetauscht werden, was wiederum teuer ist.

Das Problem mit alter Software ist nicht nur, dass ihr moderne Funktionen fehlen, sie ist auch (und zunehmend) unsicher. Ergo: Es wird mit der Zeit immer schwieriger, Updates gegen klaffende Löcher in der Security-Architektur zu finden und parallel sind die Aktualisierungsmechanismen oft so archaisch, dass sich Administratoren gar nicht mehr trauen, eventuell vorhandene Updates aufzuspielen. (Natürlich gibt es auch genügend neue Software, die nach / bei einer Aktualisierung streikt, das will ich hier nicht verhehlen.)

Es kommt allerdings auch vor, dass das Update-Regime vom Hersteller selbst nicht durchdacht wird. Mein aktuelles Lieblingsbeispiel sind die allseits populären Smartphones. So hat Google mit Android eine sehr schnell aufblühende Plattform geschaffen, auf die sich immer mehr Hardware-Hersteller begeben. Dort gibt es mittlerweile aber ein großes Problem: Es herrscht, weil sich die Geräte teilweise deutlich unterscheiden, eine starke Fragmentierung. Diverse Android-Handys laufen noch mit der alten Version 1.6, andere haben schon 2.1, andere 2.2 und, ganz neu, 2.3. Dabei hat Google es als Software-Produzent nicht selbst in der Hand, was die Gerätehersteller tun: Die aktualisieren ganz nach eigenem Gusto und nerven die Kunden. Parallel mischen sich auch noch Netzbetreiber ein.

Radikale Schritte

Wenn es hierbei nur um neue Funktionen ginge, wäre das eventuell zu verschmerzen. Allerdings enthalten Android-Updates natürlich auch Sicherheitskomponenten - und wenn ein Smartphone mit klaffenden Lücken sich nicht mehr updaten lässt, bleibt es eben stets bei jedem Besuch im Netz angreifbar.

Konkurrent Apple ist indes auch nicht unbedingt netter: Hier wurde gerade ein neues großes Update vorgelegt, das plötzlich nicht mehr auf den ersten beiden Gerätegenerationen läuft. Wer beispielsweise ein iPhone 3G besitzt, das vor nicht einmal drei Jahren erschien, muss künftig mit allen Sicherheitslücken leben, die in der Altversion des iOS-Betriebssystems stecken. "Nicht länger unterstützt", heißt es dazu lapidar.

Aber immerhin weiß man bei Apple, woran man ist. Microsoft verführte IT-Abteilungen in aller Welt zur Langsamkeit, in dem man beispielsweise das Ende des offiziellen Windows-XP-Verkaufs immer und immer wieder verschob. Da ist ein radikaler Schnitt manchmal besser.

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 13.03.2011, 13:34 UhrOpenSource

    Sorry, dieser Artikel ist ziemlicher Quatsch.
    MS musste XP länger unterstützen, weil es einen Aufstand der Anwender (insbesondere der Firmen) und der PC-Hersteller gab. Die wollten nämlich nicht auf das ungeliebte Vista umsteigen.
    So hat sich MS überzeugen lassen, XP länger zu unterstützen als selbst Vista.

    Dass Geldautomaten mit Windows XP laufen ist schon ein ziemlicher Witz. Vorher war dort OS/2 vorherrschend. Traurig, dass die sich den Murks von MS haben andrehen lassen. OS/2 wäre auch heute noch völlig ausreichend. Schließlich ist ein Geldautomat doch kein Webbrowser oder eine Spielestation.

  • 13.03.2011, 17:57 UhrSoftwarefirmendrücker

    Ja, dieser Artikel ist wirklich eher peinlich. Natürlich ist es so, dass ältere betriebssysteme vom Hersteller nicht mehr supportet werden - nur macht er das einfach, damit er die neue Software verkaufen kann.
    Software ist Software - die alte kann man nun wirklich noch hervorragend benutzen - erst wenn die Hardware sich so ändern sollte, dass ein dadurch bedingter Totalumbau nötig werden sollte, ist eine neue betriebssystemversion wirklich notwendig.

    Die Sicherheitslücken sind beliebig lange patchbar!

    Dass der iE6 aber bald mal aus dem Netz raus sollte, liegt daran, dass er so krude vermurkst programmiert wurde.
    Das war der browser, der angeblich beweisen sollte, dass ein browser von Windows "nicht zu trennen ist" ... was als Argument dazu diente, dass man das Vorgehen gegenüber Netscape nicht allzu böse bestrafen solle.

    Darüber hinaus hat der iE6 noch eine große Anzahl von "Sonderfunktionen" beim Darstellen von Webseiten - die weit weg vom Standard sind.

    Und eben diese Anpassung, die sehr viele Webseiten dafür gemacht hatten, bereitet bis heute Probleme.
    Das ist der eigentliche Anlass, dass der iE6 weg soll. Diese Probleme - und die neuen Techniken von HTML5 & Co sollen mehr Verbreitung finden.

  • 31.03.2011, 01:50 Uhrseltensogelacht

    Da hat sich mal wieder einer von keinerlei Sachkenntniss belasteter Schwätzer von den Marketingabteilungen der Softwarekonzerne einnorden lassen. Für viele Applikationen ist selbst XP auch heute noch überdimensioniert, das wird dann durch neuere bloatware nicht unbedingt besser. Und in der Tat ist die binsenweisheit never to change a running System für den verantwortungsvollen iT-Entscheider ein Muss. Neuere Software ist hinsichtlich Wartung, Administration, Deployment etc. nicht unbedingt pflegeleichter, eher im Gegenteil

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