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kolumneVon Nullen und Einsen: Was smarte Fernseher können sollten

Kolumne von Ben Schwan

Schon seit 15 Jahren versuchen Elektronikindustrie, Telekommunikationsanbieter und Sender, das Fernsehen interaktiv zu machen. Doch die Konvergenz läuft anders als geplant: Das TV wird nicht zur zentralen Anlaufstelle für Multimedia im Haus, sondern schlicht zum zusätzlichen Abspielmedium. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan mit einer Analyse der Möglichkeiten, die es heute schon gibt.

26/27 Zoll: Sony KDL-26EX320

In der kleinsten Testkategorie der 26- und 27-Zoll-Geräte (ca. 66 cm Bildschirmdiagonale) erreichte der Sony KDL-26EX320 als einziges getestetes TV-Gerät noch knapp die Note gut (2,5) – alle anderen Geräte erreichten nur befriedigend. Das Sony-Gerät überzeugte die Stiftung Warentest bei Bildqualität, Tonqualität, Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften. Hier schnitt das Gerät jeweils mit der Note gut ab. Nur befriedigend fanden die Tester dagegen den Ton. Das Gerät kostet nach Angaben der Stiftung Warentest im Handel rund 435 Euro.

Bei diesem und allen nachfolgenden Tests aus dem „Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest wurde die Bildqualität jeweils am stärksten gewichtet (40 Prozent der Endnote), Ton und Handhabung am zweitstärksten (jeweils 20 Prozent) und Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften am wenigsten (jeweils 10 Prozent).

Bild: Stiftung Warentest

Klassisch: Die Stand-alone-Lösung
Wer heute einen neuen Fernseher kauft und sich Interaktivität wünscht, sollte nicht nur auf gute Bildqualität, Flachheit oder 3D-Funktionen achten, sondern auch auf das Innenleben. Dazu gehört grundsätzlich die Internet-Fähigkeit: Bietet das erträumte Gerät beispielsweise eine WLAN-Funktion nur als Nachrüstsatz an, erwirbt man besser gleich das nächst höhere Modell, das die Technik an Bord hat. Bilder externer Quellen wie Laptop oder Desktop-Rechner holt man sich über Verfahren wie DLNA auf den Schirm, für die es Mac- und PC-seitig Freischaltprogramme gibt; viele Geräte akzeptieren außerdem Windows-formatierte USB-Sticks oder Festplatten mit Videodateien, die man direkt anschließen kann. Praktisch (wenn auch oft noch in Richtung Spielerei driftend) sind zudem kleine Widgets, mit denen man sich beispielsweise die Facebook-Timeline, Twitter-Feeds oder das Wetter anzeigen lassen kann.

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Will man mit der neuen Glotze auch ins Web, ist ein vernünftiger Browser mit HTML5-Unterstützung wichtig, der sich vor allem ordentlich bedienen lassen sollte - ein eigenhändiger Test im Fachhandel ist hier zur Vorauswahl angeraten. Ganz so bequem wie an PC, Smartphone oder Tablet wird es jedoch nur selten werden, die Fernbedienung ist fürs Netz schließlich nicht gemacht. Eine Sprachsteuerung, wie sie unter anderem die neuesten Samsung-Geräte bieten, stellt eine Alternative dar, ist aber noch nicht ausgereift.

Zum interaktiven Standardrepertoire sollte außerdem ein eingebauter digitaler Videorekorder gehören, der leider noch immer nur in relativ wenigen Fernsehern steckt: Er erlaubt es, Sendungen nach Belieben aufzuzeichnen, anzuhalten und zurückzuspulen. Als Sahnehäubchen könnte man sich außerdem noch die sogenannte Hbbtv-Fähigkeit gönnen: Dieser Standard für interaktive Anwendungen wird von einigen deutschen Sendern unterstützt, präsentiert sich derzeit aber, was die verfügbaren Apps anbetrifft, nur unterdurchschnittlich spannend.

Modern: Die Set-Top-Box-Lösung
Fernseher mit eingebauter Interaktivität sind immer auch Krücken. Das ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass die verbaute Rechentechnik schnell veraltet, sich oft nur unter Schmerzen Software-technisch aktualisieren lässt und damit spätestens in ein, zwei Generationen obsolet ist. Daher greifen Nutzer verstärkt zu Set-Top-Box-Lösungen, bei denen der Fernseher nur noch als Abspielstation dient. Dazu braucht man zunächst ein Gerät mit ordentlicher Bild- sowie Tonqualität (sollte man für die klanglichen Dinge kein Heimkino-Setup besitzen), das über eine ausreichende Anzahl an (digitalen) HDMI-Eingängen verfügt. Dort kann man dann einfach anschließen, was man möchte.

Das kann im einfachsten Fall die Kabel- oder Satelliten-TV-Box sein, die über Hbbtv (siehe oben), einen digitalen Videorekorder samt Festplatte und eventuell noch einen Browser plus Widgets verfügt. Soll es etwas neumodischer sein, kann man zu Apple TV oder (in Europa erst demnächst) Google TV greifen - die Angebote der zwei Tech-Riesen. Apple TV, das bereits im September 2010 auf dem Markt gebracht wurde, ist vor allem für Menschen geeignet, die eine reichhaltige Sammlung an Filmen und TV-Serien aus Apples iTunes-Laden besitzen, die man auf das Kästchen per WLAN oder Netzwerkkabel streamen kann. Zusätzlich gibt's noch YouTube, im - leider teuren - Abo Live-Baseball aus Amerika, Nachrichten vom "Wall Street Journal" und die Möglichkeit, mittels Apples AirPlay-Übertragungstechnik Inhalte von iOS-Geräten wie iPhone, iPad oder iPod touch zu empfangen. Recht nett ist auch die Möglichkeit, mit iOS-Geräten über das sogenannte Mirroring auf dem Fernseher Spaß zu haben - beispielsweise ein Rennspiel vom iPad auf den Großbildschirm zu holen oder Fotos zu präsentieren. Wer mehr mit Apple TV anstellen will und bereit ist, etwas zu basteln, kann das 120 Euro teure Kästchen auch hacken.

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