Yotaphone: Ein Russe auf den Spuren von Steve Jobs

Yotaphone: Ein Russe auf den Spuren von Steve Jobs

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Das Yotaphone hat ein Display vorne und eins an der Rückseite.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Apple, Samsung – Yotaphone? Ein russisches Start-up nimmt es mit den Elektronikriesen auf. Die Macher wollen das Smartphone revolutionieren, indem sie zwei Bildschirme einbauen. Die Geschichte einer kühnen Idee.

Seit Steve Jobs 2007 das iPhone aus der Tasche zog, meint der Russe Vlad Martynov, „hat es bei der Bedienung von Smartphones keine Revolution mehr gegeben“. Bessere Kameras, schnellere Prozessoren oder mehr Pixel auf dem Bildschirm – diese Entwicklungen habe es gegeben. Aber das alles sei für die Nutzer nicht so wichtig, meint Martynov.

Er glaubt, selbst für eine Umwälzung sorgen zu können. Für eine Umwälzung wie sie einst der legendäre Apple-Gründer schaffte.

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Martynov hat mit seinem Start-up Yota Devices ein Mobiltelefon mit entwickelt, das sich in einem entscheidenden Punkt von der Konkurrenz abhebt: Es hat zwei Bildschirme. Einen vorne, einen hinten. Das Yotaphone soll länger durchhalten, trotzdem sollen Nutzer keine E-Mail, keine SMS verpassen.

Die Fachwelt ist begeistert. Aber reicht eine gute Idee, um die Welt zu verändern? Kann sich ein Start-up im Marketinglärm von Apple, Samsung und all den anderen bei den Käufern Gehör verschaffen? Es ist ein kühnes Vorhaben mit ungewissem Ausgang.

Der globale Smartphone-Markt

  • Gesamtmarkt

    Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

  • Samsung

    Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

  • Apple

    Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

  • Huawei

    Drittgrößter Smartphone-Hersteller ist Huawei mit knapp 47 Millionen verkauften Geräten und einem Marktanteil von 4,8 Prozent.

  • LG

    Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

  • Lenovo

    Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

  • Nokia

    Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

  • Sonstige

    Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Die Idee stammte aus einem Brainstorming: 2010 machte sich Martynov mit einigen Kollegen darüber Gedanken, was ihnen an Smartphones nicht gefällt. Sie fanden zwei Probleme. Erstens: „Der Bildschirm ist die meiste Zeit eine Blackbox“, sagt der Yota-Chef – um Strom zu sparen, schaltet das Gerät nach kurzer Zeit in den Standby-Modus. Benachrichtigungen leuchten nur kurz auf, so dass man sie schnell verpasst (wenn nicht eine kleine Leuchte darauf hinweist).

Zweitens: Der Taschencomputer ist trotz des kleinen und spiegelnden Bildschirms ein beliebtes Lesegerät, viele Menschen lesen unterwegs auch längere Texte darauf. Das strengt aber auf Dauer nicht nur die Augen an, sondern verbraucht auch viel Strom. „Nach vier Stunden ist der Akku meistens leer“, sagt Martynov.

„Wir dachten uns: Wäre es nicht cool, wenn wir ein Smartphone hätten, das immer an ist?“ Die Lösung gab es bereits – allerdings nicht für Smartphones, sondern für E-Reader: Geräte wie Kindle und Tolino verwenden eine elektronische Tinte namens E-Ink, die wenig Energie verbraucht und die Augen schont. Die Entwickler machten sich daran, die Vorteile beider Geräte zu vereinen. Kindle meets iPhone.

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