Galileo-Start: Präziser als GPS

Galileo-Start: Präziser als GPS

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epa02975122 A handout picture provide by ESA shows the Soyuz VS01 lift off from the spaceport in French Guiana, 21 October 2011. Two navigation satellites for the European Space Agency?s planned Galileo network blasted off on 21 October from a launch pad in French Guiana. The launch of the Russian Soyuz rocket took place at 1030 GMT and appeared to proceed normally, mission controllers said according to Russian news agency Interfax. The companies EADS Astrium and Thales Alenia Space manufactured the satellites on behalf of the European Space Agency. The satellites should remain operational for 12 years. The two satellites were to become the third and fourth of a planned 30-satellite constellation that will provide a European world navigation network similar to the GPS system developed by t

von Jürgen Rees

Die ersten beiden Satelliten für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo sind erfolgreich ins All gestartet. Um 12.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit hob eine Sojus-Rakete mit den Satelliten an Bord vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Mit dem Galileo-System will Europa die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen.

Tief atmet Jean-Yves Le Gall durch. Dem 52-jährigen Chef der mit 1,1 Milliarden Euro weltgrößten Raketenvermarktungs- gesellschaft Arianespace fällt eine schwere Last ab: Die ersten beiden Satelliten für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo sind erfolgreich ins All gestartet. Um 12.30 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit hob eine Sojus-Rakete mit den Satelliten an Bord vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab.  Der Start war bereits für Donnerstag geplant gewesen, musste aber überraschend verschoben worden: Beim Betanken der dritten Stufe hatten die Sicherheitssensoren ein Problem gemeldet. 

Es war der erste Start einer russischen Rakete von europäischem Hoheitsgebiet und markiert damit einen Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte. Sojus gilt trotz einer Pannenserie seit Ende vergangenen Jahres als sehr zuverlässig und fliegt zudem kostengünstiger als die europäische Ariane. 

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Vormacht von GPS soll gebrochen werden

Mit dem Galileo-System will Europa die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen. 30 Satelliten in 23 000 Kilometer Höhe, bis zu 40 Antennenstationen weltweit und Kontrollzentren in Darmstadt, Toulouse, Fucino und Oberpfaffenhofen – das sind die Eckdaten des größten europäischen Industrieprojekts.

Das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Galileo-Satellitensystem soll viel präziser arbeiten als das marktbeherrschende amerikanische US-System GPS, das unter der Kontrolle der Militärs steht: Während GPS die Position auf zehn Meter genau erkennt, sollen die Galileo-Satelliten bis auf einen Meter genaue Bestimmungen ermöglichen, in einem separaten Bezahldienst sogar noch genauer. Damit lassen sich selbstfahrende Autos bauen, die Position von Containerzüge in Bahnhöfen bestimmen und dirigieren, Bau-Ingenieure können Gebäude vermessen und Flugzeuge präziser fliegen.

Pleiten, Pech und Pannen

Doch die Entstehung von Galileo, die bereits 1999 begann,  ist gekennzeichnet von Pleiten Pech und Pannen:

China zählte anfangs zu den Partnern beim Aufbau des Navigationssystems. 280 Millionen sollte Peking dafür zahlen und im Gegenzug das System vollständig nutzen können. Erst 2003 überlegten sich die Verantwortlichen in Brüssel alles anders und drängten die Chinesen aus dem Projekt. Die rächten sich und haben mittlerweile mit ihrem System „Beidou“ (Kompass) die Europäer eingeholt. Alle vier Monate jagen sie mit Satelliten bestückte Raketen vom Typ „Langer Marsch“ ins All. Als wenn das noch nicht genug wäre, streiten sich Chinesen und Europäer auch noch um die gleichen Frequenzbereiche, die beide für die sogenannten Public Regulated Service (PRS) nutzen wollen. Das Signal ist verschlüsselt und soll nur von Polizei, Feuerwehr und Militär empfangen werden können. Technisch wäre die Einrichtung im gleichen Frequenzbereich wohl kein Problem, politisch ist sie von Brüssel jedoch nicht gewollt.Auch der Plan, Galileo gemeinsam mit der Industrie zu finanzieren, scheiterte. Die acht beteiligten Unternehmen stritten sich über die Verteilung der Kosten, einen Großteil des Risikos sollte nach den Vorstellung der Unternehmen der Steuerzahler tragen. 2007 entzogen ihnen die EU-Verkehrsminister entnervt den Auftrag. Seitdem wird der Aufbau komplett aus dem EU-Haushalt finanziert.Die Unabhängigkeit vom amerikanischen GPS-System erfordert einen hohen Preis. Denn fast schon selbstverständlich sind auch die Kosten kontinuierlich gestiegen. Am Beginn waren 3,4 Milliarden für den Aufbau Galileos bis 2014 vorgesehen, daraus sind mittlerweile fünf Milliarden geworden. Und dabei ist der Betrieb noch nicht mit eingerechnet. Der soll bis 2020 jährlich noch einmal rund eine Milliarde Euro kosten. Ob das jemals durch Bezahldienste wieder erwirtschaftet werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Geht Galileo 2014 mit 18 von 30 Satelliten in Betrieb hinkt das System sechs Jahre hinter der ursprünglichen Planung hinterher.

Kein Wunder, dass der hagere Arianespace-Chef Le Gall angesichts solcher Probleme im Vorfeld den geglückten Start nüchtern und zurückhaltend kommentiert: „Der erste Teil der Mission ist gut verlaufen."

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