Garmin Varia Vision im Test: Radfahren wie ein Cyborg

Garmin Varia Vision im Test: Radfahren wie ein Cyborg

, aktualisiert 07. September 2016, 07:42 Uhr
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Alles im Blick: Mit dem Varia Vision haben Sie nicht nur die Straße, sondern auch Herzfrequenz, Geschwindigkeitsdaten, gefahrene Höhenmeter etc. im Blick bzw. in Ihrem Sichtfeld.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Rundum vernetzt waren wir mit dem Rad unterwegs und das smarte Garmin-Gadget Varia Vision half dabei, Gefahren zu erkennen und Autos im Auge zu behalten, die sich von hinten näherten. In die Pedale treten wie ein Cyborg.

KölnWie schnell bin ich gerade? Was sagt mein Herzschlag? Wann kommt der nächste Berg und wie viele Autos fahren gerade hinter mir? Alles im Blick: Mit dem Varia Vision an der Sonnenbrille soll sich der Blick auf den am Lenkrad klemmenden Radcomputer oder die Smartwatch am Handgelenk in Zukunft erübrigen. Volle Fahrt voraus. Garmin, der Schweizer Hersteller und Experte im Bereich der Navigation, will Fahrradfahrern mit seinem smarten Gadget Varia Vision dabei helfen, wichtige Trainingsdaten zu fokussieren, rechtzeitig Gefahren zu erkennen und Autos im Auge zu behalten, die sich von hinten nähern. Die Vernetzung hat längst auch bei den Drahteseln eingesetzt. In die Pedale treten wie ein Cyborg - wir haben den Selbstversuch gewagt.

Wer die Digitalisierung des Fahrrades hautnah erleben möchte, muss zunächst allerdings viel Geld hinblättern. Denn nutzen lässt sich das 399,99 Euro teure Gadget nur, wenn es mit einem kompatiblem Gerät wie beispielsweise dem GPS-Fahrradcomputer Garmin Edge 1000 (549 Euro), dem Varia Radar (299 Euro) oder einer GPS-Smartwatch (ab 250 Euro) von Garmin gekoppelt ist, das dann die entsprechenden Informationen an das Varia-Display überträgt. So viel Hightech hat natürlich ihren Preis – lohnt sich das überhaupt und wenn ja, für wen?

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Die Montage der ganzen Gerätschaften ist übrigens kinderleicht. Angebracht wird das 28 Gramm leichte Brillendisplay (Abmessungen: 60x19,7x19,8mm) mit Touch-Bedienfeld und 428x240-Pixel-Anzeige, die über einen integrierten Umgebungslichtsensor verfügt, mit kleinen Gummis und einer Halterung am Brillenbügel. Fashion-Tipp: Richtig sportlich wirkt das Varia Vision nur an einer ordentlichen Fahrradbrille. Bewahren Sie sich Ihre Ray Ban also lieber für den Strandspaziergang in Saint-Tropez auf.

Bevor es allerdings aufs Bike und raus auf die Straße gehen kann, muss das Gadget noch kurz aktiviert, aktualisiert und aufgeladen werden. Zum Aufladen – der Akku hält übrigens bis zu 8 Stunden lang – gibt es mehrere Optionen. Entweder Sie stecken das Varia Vision über das beigelegte Kabel in die Steckdose oder Sie verbinden es über die USB-Schnittstelle mit ihrem Rechner. Das dürfte alleine auch deswegen schon ganz praktisch sein, weil Sie das Gerät hierüber aktivieren, sobald Sie sich ein Profil bei Garmin Connect angelegt haben.

Das ist die entsprechende Online-Trainingsplattform von Garmin (Freeware), mit der sich Ihre Sport- und Fitness-Aktivitäten auswerten und die Geräte auf den neuesten Stand bringen lassen. Außerdem brauchen Sie die (ebenfalls kostenlose) Software Garmin Express, die es auf der Herstellerseite zum Download gibt, um ihre Trainingsdaten hochzuladen oder programmierte Trainingseinheiten von Garmin Connect auf Ihr Gadget zu schicken.


„Nehmen Sie Ihre Augen nicht von der Straße“

Nach dem Einschalten blendet Garmin zunächst einen wichtigen Warn-Hinweis im Display ein, den Sie ernst nehmen sollten: „Nehmen Sie Ihre Augen nicht von der Straße. Damit Sie nicht abgelenkt werden, starren sie nicht auf das Display und blicken nur kurz auf die angezeigten Daten. Mangelnde Aufmerksamkeit im Straßenverkehr kann zu schweren oder tödlichen Unfällen führen.“

Gerade am Anfang, wenn man sich noch in die Bedienung des Display reinfuchsen muss, ist man in der Tat etwas abgelenkt. Am besten Sie machen sich mit den wichtigsten Funktionen erstmal zu Hause vertraut. Man muss sich durchaus erst einmal daran gewöhnen, dass sich im Sichtfeld plötzlich die kleine Anzeige befindet, die diverse Daten während der Fahrt anzeigt. Ist das Garmin Varia Vision Display mit den kompatiblen Geräten gekoppelt (schnell und einfach erledigt), haben Sie nicht nur die Straße, sondern auch Herzfrequenz, Geschwindigkeitsdaten, gefahrene Höhenmeter und einiges mehr im Blick. Mit Navigationshinweisen kann das Gadget sogar bei der Routenführung helfen und Straßennamen, Richtungspfeile sowie die Distanz bis zur nächsten Abbiegung anzeigen und wer weder Anrufe noch SMS auf einer Radtour verpassen will, kann das Gadget auch noch mit seinem Smartphone koppeln.

Besonders sinnvoll im Test war die Kombination mit dem Radarsystem, das zumindest ein Gefühl von mehr Sicherheit vermittelt, weil man sich als Radfahrer nun deutlich früher darauf einstellen kann, dass ein oder mehrere Autos von hinten angerast kommen. Manchmal bekommt man das nämlich, wegen der Geräusche, die der Fahrtwind verursacht, gar nicht richtig mit und erschrickt. Hier erkennt das System Autos schon bis zu einer Distanz von 140 Metern. Den Gegenverkehr muss man allerdings natürlich noch selbst im Blick behalten. Deswegen ist es immer wichtig, nicht zu viel Aufmerksamkeit auf das Varia Vision Display zu verwenden. Vor allem dann, wenn es Stadtverkehr ständig piepst und andauernd Autos anzeigt...das nervt.

Viel mehr Spaß macht das Display dann, wenn man auf ruhigen Landstraßen unterwegs ist und man sich voll auf sein Training konzentrieren kann. Aber braucht man nun wirklich dieses Gadget, für das man immerhin mindestens 670 Euro auf den Tisch legen muss, um mindestens zwei Geräte sinnvoll miteinander verbinden zu können?

Nun, gekoppelt mit dem Varia Radar, das vor herannahenden Autos warnt, kann das Varia Vision gerade für unsichere und ältere Radfahrer im Straßenverkehr ganz nützlich sein. Mir persönlich ist die Investition allerdings zu teuer für einen einfachen Schulterblick. Und auch sonst, gab es da ein paar Dinge, die mich als Leistungssportlerin gestört haben…

Fazit: Ziemlich teuer für einen Schulterblick

Meine Trainerin hat neulich mal gesagt: „Die besten Sensoren hat immer noch der menschliche Körper.“ Da ich also, um das Display nutzen zu können, sowieso schon mindestens eine GPS-Uhr oder einen Fahrradcomputer nutze, will ich wirklich nicht noch mehr Geräte während des Trainings an mir dran oder um mich herum haben. Sicher, das Radarsystem ist ganz nett, aber noch sind meine Ohren ganz gut, meine Sinne geschärft und ein kurzer Blick auf das Display meines Fahrradcomputers am Lenker oder meine Smartwatch am Handgelenk lenkt mich nicht viel mehr ab als ein Blick auf das Display in meinem Sichtfeld. Was den herannahenden Verkehr angeht, finde ich die Investition (das Display 399,99 Euro gekoppelt mit dem Radarsystem für 299 Euro) doch ziemlich teuer für einen Schulterblick.

Noch dazu finde ich die Optik des Gerätes, die mich irgendwie an den Terminator erinnert (Sie erinnern sich? Arnold Schwarzeneggers Filmheld) nicht gerade dezent. Mir erscheint das smarte Drahteselprodukt irgendwie noch nicht ganz ausgereift. In Zukunft trainiere ich also lieber wieder ohne das Varia Vision – dafür aber mit dem Edge 1000 und der Fenix 3. Und wer das Radarsystem nutzen möchte, dem empfehle ich, sich nur den hinteren Sensor ohne das kleine Display anzuschaffen und ihn mit einem Garmin Fahrradcomputer zu koppeln.

Quelle:  Handelsblatt Online
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