Garmins Fenix 5S im Test: Action-Uhr für Profis und Abenteurer

Garmins Fenix 5S im Test: Action-Uhr für Profis und Abenteurer

, aktualisiert 17. Mai 2017, 08:43 Uhr
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Für Garmin ist der Wearble-Trend ein Segen. Während der Navi-Umsatz, einst Kerngeschäft des US-Herstellers, im vergangenen Jahr brutal um 17 Prozent auf 883 Millionen Dollar eingebrochen ist, wächst das Geschäft mit Fitness-Armbändern, Sportuhren und Action-Cams kräftig.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

599,99 Euro für eine Sportuhr mit Siliconband: Wer macht so was? Lohnt sich das? Und wenn ja für wen? Wir haben Garmins neues Flaggschiff, die Fenix 5S, unter die Lupe genommen - und sagen, was das High-End-Gadget kann.

KölnVorhang auf! Ohne hier übertreiben zu wollen, aber die Fenix 5S, ein Hybrid zwischen GPS-Sportuhr und Smartwatch, ist aktuell wohl die umfangreichste Multisportuhr, die es gibt. Gleich vorweg daher der Hinweis: Ich werde technisch gar nicht so sehr in die Tiefe gehen können. Dazu finden Sie im Internet genug zum Nachlesen von Menschen, die durchaus mehr davon verstehen, als ich mit meinem gefährlichen Halbwissen als nebenberufliche Hobby-Athletin. Ich bin aber sicher, dass sich selbst Sportler aus dem ambitionierten Bereich zunächst wohl ordentlich reinarbeiten müssen, um das Gadget richtig für sich nutzen und einsetzen zu können.

Denn: Das smarte Wearble kommt mit unzähligen Funktionen daher und lässt eigentlich kaum noch Wünsche übrig. Schon das Vorgänger-Modell, die Fenix 3, war ein absoluter Alleskönner. Allerdings gab es, aller technischer Finessen zum Trotz, einen Grund, der viele Sportler davon abhielt, den Kaufpreis von rund 600 Euro auf den Tisch zu legen: die klobige Optik. Gerade für Menschen mit einem schmalen und zierlichen Handgelenken ist das Ding einfach immer zu dick und überdimensioniert gewesen.

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Genau hier schlägt die Stunde der Fenix 5S, die nun deutlich kleiner (4,2cm statt 4,6cm Gehäuse, 2,8cm Display) und dadurch auch viel alltagstauglicher ist. Überarbeitet wurden neben dem Design auch die Funktionen der High-End-Uhr. So verfügt die neue Fenix-Reihe, die es in drei verschiedenen Varianten gibt (5S, 5 und 5X) nun durchgängig über eine optische Herzfrequenzmessung am Handgelenk.

Enttäuscht wird allerdings, wer auf der Suche nach einer reinrassigen Smartwatch ist, die er ab und zu mal auch zum Sporttreiben tragen kann, denn da hinkt die 5S anderen Smartwatches, die es derzeit auf dem Markt gibt, ganz schön hinterher. Die smarten Funktionen (u.a. SMS- und Email-Benachrichtigungen, Kalenderfunktionen, Fernbedienung fürs Smartphone), die Garmin mit in die Software gepackt hat, sind daher eher so ein Nice-to-have. Das ist allerdings zu verschmerzen, denn die Kernkompetenzen der Uhr liegen ja von Haus aus in einem ganz anderen Bereich - und hier überzeugt die Fenix 5S beinahe auf ganzer Linie im Praxistest.


Leider keine W-Lan-Funktion

Die Einrichtung geht schnell und ist kinderleicht, das Blättern durchs Menü der Fenix flüssig. Bei Garmin-Connect, der Online-Plattform zur Trainingsanalyse und Speicherung der Daten, muss zunächst ein obligatorisches Konto eingerichtet werden. Für die sehr ausführliche und für Anfänger leicht unübersichtliche Plattform gibt es auch eine praktische Handy-App (Android und iOS), über die sich später die 5S per Bluetooth koppeln und bei Bedarf weiter modifizieren lässt (Ziffernblätter, Sport-Widgets, Schnickschnack etc.). Nach dem Training werden dann alle Daten reibungslos mit dem Smartphone synchronisiert. Alternativ lassen sich die Trainingsergebnisse auch mit dem Kabel über den Rechner auf die Connect-Plattform übertragen. Über eine W-Lan-Funktion verfügt leider nur die noch teurere Fenix-Saphir-Edition, die stolze 699,99 Euro kostet.

Stark ist bei der 5S auch die Akkuleistung, die je nachdem, welche Funktionen man nutzt, bis zu neun Tage lang halten soll. Ich habe das im Test öfter mal ausgereizt und kann die Ausdauer nur bestätigen. Die Uhr muss wirklich nicht oft an die Steckdose. Selbst im Dauer-GPS-Betrieb sind 14 Stunden Laufzeit drinnen, was bei den allermeisten Sportarten völlig ausreichend sein sollte, wenn Sie nicht gerade an Ultraläufen in den Katalonischen Pyrenäen teilnehmen.

Punktabzug gibt es für das Aufladen. So suchte ich vergeblich eine Ladeschale oder - klemme. Stattdessen musste die teure Uhr mit der Vorderseite irgendwo hingelegt werden, damit das USB-Kabel von hinten eingestöpselt werden kann. Das ist deswegen besonders brisant, weil bei allen Uhren aus der Fenix-Reihe die Lünette, in der die GPS-Antenne verbaut ist, äußerst empfindlich auf Berührungen reagiert. Heißt: sobald Sie beim Trailrunning oder Bergsteigen einmal zart den Felsen touchieren, ist die schöne Optik ruiniert. Und Kratzer, die Sie sich einmal eingefangen haben, bleiben für die Ewigkeit, denn ein separater Tausch der Lünette ist leider nicht möglich (Mein Tipp an alle Schutzhüllenhersteller: hier bietet sich ein Geschäftsmodell an mit Cases für besonders empfindliche Smartwatches).

Und wo wir schon bei den Schwächen sind, gleich noch eine hinterher: die optische Herzfrequenzmessung war zumindest in meinem Fall für die Katz. Die Werte stimmten nie mit der nahezu EKG-genauen Messung über den Brustgurt (muss separat gekauft und dann gekoppelt werden) überein. Damit ist ein nach Herzfrequenz gesteuertes Intervalltraining eigentlich unmöglich. Immerhin steht Garmin mit diesem Problem nicht alleine da. Hier ist auch eine Apple Watch oder die Polar M600 noch nicht völlig ausgereift. Ich empfehle daher allen etwas ernsthafter trainierenden Sportlern, die vielleicht auch schon mal eine Leistungsdiagnostik gemacht haben, den Griff zum Herzfrequenzgurt. Damit sind Sie immer auf der sicheren Seite.


1.000 Meter in vier Minuten

Und dann verdient sich die Uhr auch weitere Bonuspunkte, denn erst in Kombination mit dem Brustgurt lassen sich vor allem beim Lauftraining sehr spannende Insights wie etwa Schrittlänge, Schrittfrequenz, horizontale- und vertikale Bewegung oder gar Dysbalancen sehr genau ermitteln und auswerten.

Die vielen Stärken der Fenix 5S machen sich während des Trainings bemerkbar, das durch den Einsatz der High-End-Uhr richtig Spaß macht. Zum Beispiel beim Intervalltraining. Dort wird auf dem Display nun auch anhand eines farbigen Balkens angezeigt, wann das Intervall zu Ende ist. Was so harmlos klingt, kann unter Belastung - laufen Sie mal 1.000 Meter in vier Minuten und schauen dann noch auf die kleinen Ziffern am Handgelenk, um abzulesen, wie weit es noch ist - enorm wichtig sein.

Beim Radfahren fand ich es hingegen viel zu schwierig, neben dem Straßenverkehr und den Mitfahrern in meiner Gruppe gleichzeitig noch das Display im Auge zu behalten. Bei Abfahrten im Unterlenker, wo schnell mal 60km/h oder mehr erreicht werden, würde ich aus Sicherheitsgründen sogar davon abraten; das gilt bei Uhren anderer Hersteller natürlich genauso und ist kein Garmin-spezifisches Problem.

An der GPS-Genauigkeit gibt es nichts zu meckern. Einzig nachdenklich macht mich die Tatsache, dass die Uhr auch auf dem Tisch liegend ihre Kilometer sammelt, wenn man beispielsweise den Laufmodus startet, sich aber auf die Couch legt - alleine während der letzten 2,5 Stunden ist hier eine Distanz von 1,1 km zustanden gekommen.
Am Ende überzeugt die Multisport-Uhr übrigens auch mit einem praktischen Detail: das Armband lässt sich im Vergleich zu herkömmlichen Bändern dank einer neuen Klippverschluss-Lösung sehr leicht wechseln. Farbige Wechselarmbänder gibt es ab 49 Euro bei Garmin im Online-Shop.


Kraftpaket für schlanke Sportler

Probleme scheint die Fenix 5S, wie auch die Vorgänger-Modelle, mit dem Tracking von Schwimmstrecken im Hallenbad zu haben. Hier kam stets ein völlig anderer Wert am Ende raus, als ich tatsächlich geschwommen bin und selbst an Kacheln gezählt habe. So tadellos sie im Freiwasser funktioniert, im Schwimmbad scheint es bei der 5S leider noch Nachbesserungsbedarf zu geben.

Und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte von Garmin: Bitte sorgt dafür, dass die Leistungswerte sich übertragen lassen. Denn auf der neuen Uhr (wenn man schon ein Garmin-Profil und eine andere Laufuhr vorher hatte) wird leider nicht der bestehende (und teilweise monatelang hart im Training erarbeitete) Wert für die VO2max angezeigt. Diese sagt aus, wie viele Milliliter Sauerstoff der Körper im Zustand der Ausbelastung maximal pro Minute verwerten kann. Man fängt mit einer neuen Garmin-Uhr im Grunde also wieder bei 0 an und obwohl die Daten alle irgendwo bei Garmin Connect gespeichert sind, denkt die neue Uhr eine ganze Weile lang, man wäre die totale Null. Weiteren Anlass zur Kritik gibt es von mir heute nicht, alles andere, das ich testen konnte, erfüllt die Fenix 5S ohne Fehl und Tadel.

Fazit: Kraftpaket für Sportler mit schmalen Handgelenken

Trotz einiger kleinerer Schwächen ist die Fenix 5S eine tolle Sportuhr für Menschen, die sich gerne etwas genauer mit ihren Trainingsdaten beschäftigen. Und wer schmale Handgelenken hat, wird sich über die 5S auch sehr freuen. Außerdem lässt sie sich sehr gut im Alltag tragen und macht selbst zum Business-Outfit noch einen guten Eindruck. Die Funktionen sind wirklich sehr umfassend und wenn doch mal eine Sportart nicht dabei sein sollte, dann lässt sich dafür manuell über die Plattform ein Modus konfigurieren.

Das ein oder andere erscheint mir persönlich zwar auch überflüssig (etwa die Funktion, um sein Handy wieder zu finden; nicht alles, was technisch möglich ist, muss sinnvoll in einer Sportuhr sein) -, aber die Fenix 5S lässt mein Herz dennoch höher schlagen - nämlich beim Blick auf den Preis. Rund 600 Euro! Überlegen Sie sich also besser vor dem Kauf ganz genau, welche Werte und Funktionen Ihnen besonders wichtig sind und ob es nicht vielleicht auch eine günstigere Sportuhr tut (etwa Garmins Forerunner 735 XT, der ähnlich viel kann, aber "nur" 449,99 Euro kostet). Auch ein Vergleich mit anderen Herstellern lohnt. Und nun viel Spaß beim Trainieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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