Gasstreit: Erdgasspeicher gegen Lieferengpässe

Gasstreit: Erdgasspeicher gegen Lieferengpässe

Bild vergrößern

In Salz und Sand, tief unter der Erde, wird Erdgas gelagert.

Deutschland kann dank einer wachsenden Zahl unterirdischer Erdgasspeicher auch einen längeren Lieferstopp verkraften. Wie die riesigen Gasmengen gespeichert werden.

In ganz Deutschland bereiten sich Energieversorger darauf vor, künftig besser auf Nachfrageschwankungen und Lieferengpässe reagieren zu können. Zusätzlich zu den bestehenden 46 unterirdischen Erdgasspeichern sind rund ein Dutzend weitere im Bau. Selbst die deutsche Gazprom-Tochter wappnet sich für den Fall, dass die Muttergesellschaft in Russland wieder einmal den Gashahn zudreht, um Nachbarstaaten wie die Ukraine unter Druck zu setzen. Damit wieder Gas in das deutsche Netz strömt, dreht Gazprom Germania dann einen Hahn in Etzel bei Wilhelmshaven auf.

Tief unter der Erde, in einem alten Salzstock, will das Unternehmen hier bis zum Jahr 2011 rund 160 Millionen Kubikmeter Erdgas bunkern. Gleich fünf Milliarden Kubikmeter – das entspricht fünf Prozent des deutschen Jahresverbrauchs – will Gazprom Germania bei Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern unter den Sand pumpen und in porösem Gestein speichern. Auch Gazprom-Partner Wingas und der oldenburgische Versorger EWE arbeiten mit Hochdruck an einem 1,1-Milliarden-Kubikmeter-Gasspeicher in Jemgum bei Emden.

Anzeige

Die Kapazität der Speicher in Deutschland liegt bei rund 20 Milliarden Kubikmeter. Wie viel Erdgas die Versorger dort allerdings tatsächlich gebunkert haben, halten sie geheim. In der Branche heißt es, dass die Vorräte im Winter für 30 bis 70 Tage ausreichen, wenn die Versorgung komplett zusammenbricht. Doch das ist sehr unwahrscheinlich. Rund 15 Prozent des deutschen Gasbedarfs wird aus einheimischen Quellen gedeckt, und 48 Prozent kommen aus Norwegen und Holland. Selbst der 37-prozentige Anteil Russlands wird bei künftigen Streitereien mit der Ukraine nicht komplett ausfallen: Zwei der sechs Pipelines von Russland nach Westeuropa führen nicht durch die Ukraine.

Neben den Speichern könnte künftig auch Flüssigerdgas LNG (Liquified Natural Gas) Versorgungslücken füllen. Erdgas wird dazu auf weniger als minus 161 Grad abgekühlt. Bei dieser Temperatur wird es flüssig, und das Volumen schrumpft auf ein transportfreundliches Sechshundertstel. Die wichtigsten Exporteure von Flüssiggas sind Katar, Indonesien, Algerien, Ägypten, Nigeria und Norwegen.

Mehr als ein Viertel des weltweit verkauften Erdgases wird bereits per Tanker statt in Pipelines transportiert, vor allem nach China, Japan, Indien und in die USA. In Europa landeten die Tanker bislang nur selten. Das könnte sich ändern: RWE plant, in Wilhelmshaven eine spezielle Übergabestation zu bauen, die direkt mit dem deutschen Pipelinenetz gekoppelt ist. Das Erdgas wird dort noch an Bord der Spezialtanker in Gas zurückverwandelt.

Die Alternative, eine Umwandlungsstation an Land, die ebenfalls am Standort Wilhelmshaven geplant war, hat der Energiekonzern E.On Mitte 2007 gestoppt. Der Grund: Es fanden sich nicht genügend Abnehmer für das Flüssigerdgas. Stattdessen beteiligte sich der Düsseldorfer Energiemulti an vergleichbaren Anlagen, die in Rotterdam und Le Havre gebaut werden. Von dort lassen sich auch deutsche Abnehmer beliefern. Mag sein, dass die Chancen des E.On-Projekts in Wilhelmshaven nach dem jüngsten russisch-ukrainischen Gasstreit wieder steigen. Für Jochen Weise, im Vorstand von E.On Ruhrgas für Beschaffung und Handel zuständig, ist das Terminal jedenfalls noch eine „Zukunftsoption“.

Erdgasspeicher: Gigantische Vorratskammern für Gas

Energie: Ostseepipeline könnte Ukraine in die Knie zwingen

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%