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Geldautomaten: Schwere Zeiten für Datendiebe

von dpa Quelle: Handelsblatt Online

Banken und Sparkassen rüsten gegen den Datenklau an Geldautomaten auf und investieren in bessere Technik. Durchaus mit Erfolg, doch die Betrüger bleiben erfinderisch.

Geldautomaten sind ein beliebtes Ziel für Betrüger. Quelle: dpa
Geldautomaten sind ein beliebtes Ziel für Betrüger. Quelle: dpa

FrankfurtDeutschlands Verbraucher müssen dank moderner Technik am Geldautomaten immer weniger Sorge vor Datenklau haben. „Die Skimming-Angriffe haben sich von 2011 auf 2012 fast halbiert“, sagte Margit Schneider von der Euro Kartensysteme GmbH der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

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Bis Ende November manipulierten Kriminelle demnach bundesweit 473 Geldautomaten, um Kartendaten und Geheimnummer (PIN) auszuspähen („Skimming“) – vor allem in Nordrhein-Westfalen (141 Fälle), Baden-Württemberg (85), Berlin und Hessen (je 59) sowie Bayern (55).

Im gesamten Vorjahr hatte die Branche nach neuesten Angaben 730 Manipulationen gezählt. Euro Kartensysteme ist eine Einrichtung der deutschen Kreditwirtschaft, die sich um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert.

Von Januar bis Ende November 2012 beschafften sich Kriminelle im In- und Ausland die Daten von 128 319 der 94 Millionen deutschen Girocards. „80 Prozent der potenziellen Schadensfälle konnten durch rechtzeitiges Sperren der Karten verhindert werden“, führte Schneider aus. Nur in 20 600 der Fälle wurden die ausgespähten Daten zu betrügerischen Zwecken eingesetzt. Im gesamten Vorjahr hatten Betrüger in 21 144 Fällen erfolgreich zugeschlagen.

In Deutschland gestohlene Kontodaten setzen Kriminelle nach Erkenntnissen von Euro Kartensysteme vor allem in den USA (28 Prozent), Mexiko (16 Prozent), Kolumbien (12 Prozent), Thailand und Brasilien (je 9 Prozent) ein. Vor allem dort werde mit Kartendoubletten versucht, Geld abzuheben oder einzukaufen.

Der mit deutschen Kartendaten angerichtete Schaden liege „ungefähr auf Vorjahresniveau“, sagte Schneider. Konkreter will sie nicht werden. Für das Jahr 2011 schätzte das Bundeskriminalamt (BKA) den Schaden auf rund 35 Millionen Euro. Die Schätzung für 2010 betrug 60 Millionen Euro.

„Dank der sicheren EMV-Technik passiert in Europa so gut wie nichts mehr mit Kartendoubletten“, erklärte Schneider. EMV-Karten haben eine Art Mini-Computer, der Daten besser vor Missbrauch schützen soll als der herkömmliche Magnetstreifen. Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft.

In Deutschland sind bereits alle etwa 60 000 Geldautomaten auf die neue Technik umgestellt, ebenso alle 750 000 Terminals, die zum Beispiel der Einzelhandel nutzt. Die USA als einer der größten Kartenmärkte weltweit will ab April 2013 auf EMV umstellen.

Sicherer wird die Nutzung von Plastikgeld nach Einschätzung der Branche auch dadurch, dass immer mehr Banken das sogenannte Geoblocking einführen. Damit können Zahlungen in einzelnen Ländern auf kleine Beträge begrenzt oder vorübergehend ganz gesperrt werden. Das soll es für Betrüger unattraktiver machen, Kartendaten auszuspähen und mit gefälschten Karten auf Einkaufstour zu gehen.

„Seit der breiteren Einführung von Geoblocking ist die durchschnittliche Schadenshöhe rapide gesunken“, erklärte Schneider. „Wenn sich diese Technik noch mehr durchsetzt, werden wir die Schadenshöhe künftig deutlich drücken können.“

Kriminelle suchen sich allerdings immer neue Einfallstore: So wurden im Jahr 2011 erstmals Manipulationen an Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn festgestellt. BKA-Präsident Jörg Ziercke mahnte daher im September, bei der technischen Neuerung nicht nachzulassen: „Nur so können wir frühzeitig auf mögliche neue Bedrohungsszenarien reagieren. Denn: Skimming bietet für die Täter gute Gewinnaussichten bei einem vergleichsweise geringen Entdeckungsrisiko.“

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