Gentechnik: Wo die Branche auf Geschäfte hofft

Gentechnik: Wo die Branche auf Geschäfte hofft

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Die genveränderte Kartoffel "Amflora"

von Jürgen Rees

Warum Gentech-Unternehmen wieder hoffen können.

Die Geschichte der Kartoffel Amflora nimmt kein Ende. Seit 13 Jahren versucht ihr Erfinder, BASF Plant Science, eine Zulassung für die gentechnisch veränderte Kartoffel bei der EU zu bekommen. Die Knolle ist der erste gentechnisch hergestellte nachwachsende Rohstoff für rein industrielle Fertigung: Sie verschafft Papieren einen hohen Glanz, ohne dass die Hersteller gewässerbelastende Stoffe beimischen müssen. Ihre Sicherheit ist zwar bestätigt, genehmigt ist Amflora trotzdem nicht. Doch das soll sich bald ändern: „Der Anbau wird unterstützt“, heißt es auf Seite 42 des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und FDP.

Ein Satz, der eine Industrie hoffen lässt, die so lange kritisch beäugt und politisch ausgebremst wurde, dass Forscher und Unternehmer mit ihren Ideen und Produkten massenhaft ins Ausland abwanderten. „Die Anbaugenehmigung für Amflora wäre ein deutliches Zeichen, um die Abwanderung deutscher Biotechnologie-Forscher in andere Länder zu stoppen“, sagt Stefan Marcinowski, BASF-Vorstand. Wie er hoffen viele Unternehmen, dass sie mit ihren Gentech-Ideen auch in Deutschland endlich Erfolge erzielen können.

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Zunehmend wichtiges Geschäftsfeld sind Folgen der Erderwärmung

Mit Raps zum Beispiel, der Omega-3-Fettsäuren enthält. Die langkettigen Fettsäuren gelten als gesund. Sie wirken als Fänger schädlicher Radikale im Körper und beugen so Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen vor. Der Haken: Sie kommen in Fisch vor, der sie über Meeresalgen aufnimmt. Im Durchschnitt essen Deutsche nur 100 Milligramm der guten Fettsäuren pro Tag statt der empfohlenen 500 Milligramm. Die Rapspflanzen mit den Genen der Meeresalgen könnten diesem Mangel in wenigen Jahren abhelfen: Schon ein Esslöffel Rapsöl am Salat deckt den Tagesbedarf an Fischöl.

Ein zunehmend wichtigeres Geschäftsfeld sind die Folgen der Erderwärmung. Denn extreme Witterungseinflüsse wie sintflutartige Regengüsse und monatelange Dürreperioden gefährden immer häufiger die Ernte in vielen Teilen der Erde. Mit dem Ziel, die Pflanzen klimafest zu machen, untersuchen deshalb die Biotechnologen das Erbgut wichtiger Nutzpflanzen wie Soja, Raps, Reis, Mais, Weizen, Zuckerrüben und Baumwolle. Sie rüsten beispielsweise Reispflanzen gegen Stress in Form von Trockenheit oder Nässe. Bayer Crop Science verändert Reispflanzen mithilfe der Gentechnik so, dass sie Stress durch Nässe und Trockenheit aushalten.

Solche Klimapflanzen hat auch BASF in der Erforschung. Die Maissorte, der Gene einer Kaktusart eingeschleust wurden, soll ab 2012 auf den Markt kommen. Der zusammen mit dem US-Unternehmen Monsanto entwickelte Mais hat erste Tests bereits absolviert: 14 Tage überlebte er ganz ohne Wasser. Nicht gentechnisch veränderte Pflanzen waren da schon längst verdorrt.

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