_

Gesichtserkennung: Im Fokus der digitalen Augen

von Thomas Stölzel

Facebook führt eine automatische Gesichtserkennung ein. Auch andere Unternehmen setzen solche Technologie ein. Ob bei der Terrorabwehr, im Auto oder Kaufhaus - die digitale Erkennung von Personen steht vor dem breiten Durchbruch.

Ende der Anonymität: Moderne Quelle: dpa/dpaweb
Ende der Anonymität: Moderne Gesichtserkennungssoftware erkennt Menschen auch in Ansammlungen Quelle: dpa/dpaweb

Wenn Sie künftig ein Kaufhaus betreten und eine Verkäuferin Sie mit Namen begrüßt, zweifeln Sie nicht am eigenen Personengedächtnis. Sie kennen die Frau nicht. Schon bald identifizieren Kameras in Kaufhäusern Ihr Gesicht per Software. Der Computer wird der Verkäuferin mitteilen, wann Sie zuletzt einkaufen waren und wofür Sie sich interessieren. Genau an dieser Shopping-Vision arbeiten Technikvisionäre gerade. Und sie haben nicht nur Kaufhäuser im Visier.

Anzeige

Gesichtserkennung steht wieder im Fokus – nicht erst seit den jüngsten versuchten Terroranschlägen. Weltweit arbeiten Tausende Entwickler daran, die bisher meist bei Sicherheitsbehörden verbreitete Technologie nun in unser aller Alltag einzubauen. In Kürze schon werden wir der Gesichtserkennung überall begegnen. Sie wird Autofahrer vor dem drohenden Sekundenschlaf warnen, in Museen oder Kinos Eintrittskarten aus Papier ersetzen und uns sogar bei der Partnersuche im Internet unterstützen.

Möglich macht das ein gewaltiger Technologiesprung, mit dem die Entwickler gerade die größten Defizite der Software ausmerzen. Zum einen nämlich erkennen die Computer Gesichter dank neuer 3-D-Simulationen sogar aus ungünstigsten Blickwinkeln – etwa von der Seite. Zum anderen lassen sich inzwischen selbst Videos dank verbesserter Algorithmen so gut durchsuchen wie Fotos. Nicht einmal der Wechsel zwischen Brille und Kontaktlinse verwirrt moderne Erkennungssoftware noch nennenswert.

Gesichtserkennungssoftware kommt aus Dresden

Kein Wunder, dass in der Branche Goldgräberstimmung herrscht. Der kalifornische Computerriese Apple investiert aktuell genauso in die digitale Gesichtserkennung wie der kanadische BlackBerry-Hersteller Research in Motion, die russische Suchmaschine Yandex oder der US-Elektronikhändler Best Buy. Selbst wenn hier und da Datenschützer aufschreien. „Jeder wird künftig täglich mit zahlreichen Geräten interagieren, dem Telefon, dem Auto, Displays in Konferenzräumen, im Wohnzimmer, an der Flurwand“, prognostiziert Microsofts früherer Chef-Softwarearchitekt Ray Ozzie. Und Gesichtserkennung wird eine der entscheidenden Techniken, all das zu beherrschen.

Wer die wichtigsten Treiber der Technologie im kalifornischen Silicon Valley vermutet, der irrt. Eines der Zentren der Entwicklung befindet sich nur zehn Autominuten von Dresdens Barockdenkmälern entfernt. Dort hat sich Alfredo Herrera Hernández mit seinem Unternehmen Cognitec im obersten Stock eines sanierten Industriebaus eingenistet.

Die 40-köpfige Mannschaft aus Dresden macht gerade gemeinsam mit Forschern der Uni Basel eine Technologie marktreif, die die Branche revolutioniert. Erstmals nämlich sind damit für die Computer selbst seitlich, von unten oder von oben fotografierte Gesichter kein Problem mehr. Bisher gelang es kaum, Personen aus solchen Winkeln zu identifizieren. Das neue Programm errechnet aus seitlich aufgenommenen Fotos ein 3-D-Modell vom Gesicht und dreht es virtuell in die Frontansicht – voilà: Die Software kann es mit anderen Bildern in einer Datenbank vergleichen. In Tests mit Fotos aus dem Verbrecherarchiv der US-Bundespolizei FBI funktioniert das erstaunlich gut.

Die Software der Sachsen kann aber noch mehr: Sie erkennt auch, ob es sich bei einer Person um einen Menschen mit europäischem, afrikanischem oder asiatischem Gesicht handelt, eine Frau oder einen Mann. Selbst das Alter kann sie auf plus minus fünf Jahre genau bestimmen.

Bisher verkaufte Cognitec die Technik vor allem an Sicherheitsbehörden in aller Welt. Nun aber wollen die Sachsen neue Märkte erschließen, wie etwa die Werbeindustrie. Speziell ausgerüstete elektronische Werbetafeln an Flughäfen oder Bahnhöfen könnten über Kameras die Merkmale einer vorbeilaufenden Person erkennen und eine auf sie angepasste Reklame einspielen – sei es für Faltencreme oder eine neue Spielkonsole.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.12.2010, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: Aha

    "Schon bald identifizieren Kameras in Kaufhäusern ihr Gesicht per Software. Der Computer wird der Verkäuferin mitteilen, wann Sie zuletzt einkaufen waren und wofür Sie sich interessieren."

    Na toll, aber sollte ich das bemerken werde ich dieses Kaufhaus nie wieder betreten.

    im Übrigen, nur bekloppte kaufen iPhone & Co. um sich ausspionieren zu lassen !

  • 18.11.2010, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: Fragwürdig

    Das alles erinnet mich sehr an Minority Report.
    ich möchte eigentlich nicht auf Schritt und Tritt verfolgt werden.
    Der Markt wird durch Nachfrage und Angebot reguliert.

    Wenn ich etwas haben möchte, habe ich ein bedürfniss.
    Dieses kann auch nicht mit tausenden von Webungen erregt werden.
    Einzig und allein Qualität und Preis sind ausschlaggebende Kritierien für den Kauf.

    Die Techniken müssen finanziert werden. Zahlen wird das final der Verbraucher. Also rechnet man mit steigenden Preisen.

    Es ergibt für mich alles keinen Sinn.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Wirtschaftswoche

Inhalt

Abo

eMagazin

iPad

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.