Getestet: Intelligente Stromzähler: Sparen ohne Verlust

Getestet: Intelligente Stromzähler: Sparen ohne Verlust

Intelligente Stromzähler, die via Internet ausgelesen werden, machen den Stromverbrauch transparent. Sie zeigen, wo sich ohne Komforteinbuße sparen lässt, hat Wolfgang Kempkens festgestellt.

Schön ist er nicht, das gibt selbst Yello zu. Der erste intelligente Stromzähler für Deutschlands Stromverbraucher wird zunächst in einer Art Rohversion ausgeliefert. Erst spätere Geräte verschwinden hinter einer chicen gelben Blende. Doch abgesehen von der aktuellen Optik ist der Zähler, den auch Yello-Mutter EnBW einsetzt, ein echter Gewinn.

Der Einbau des Geräts, dessen Mietpreis genauso hoch ist wie der für den noch hässlicheren alten Zähler meines örtlichen Versorgers, dauert keine 50 Minuten, und wer bereits einen Router hat, also einen Mehrfachzugang zum Internet, braucht nur noch eine nahegelegene Steckdose. Dann schickt der Zähler seine Daten über die Stromleitung und via Router ins Web. Seither kann ich auf jedem Computer der Welt mit Internet Zugang zu jeder Tages- und Nachtzeit meinen Verbrauch ablesen – natürlich nur mit dem richtigen Zugangscode.

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In der Praxis wird der Verbrauch natürlich am heimischen PC oder Notebook ermittelt. Ein erster Versuch mit der Kaffeemaschine fördert Erstaunliches zu Tage: Selbst wenn sie nur im Standby-Betrieb läuft, erzeugt sie auf dem Computerdisplay abenteuerliche Verbrauchskurven. Der Grund: Sie bereitet sich ständig auf den nächsten Einsatz vor, damit der Kaffeeliebhaber nicht zu lange auf sein Getränk warten muss. Dass eine Kaffeemaschine auch dann eine Menge Strom verschlingt, wenn sie vermeintlich ruht, ist eine wertvolle Erkenntnis. Bei mir führt sie dazu, dass ich die Maschine nur noch einschalte, wenn sie wirklich gebraucht wird.

Das ist laut Eigenwerbung des Karlsruher Stromriesen EnBW und seine Kölner Tochter Yello Strom genau der Effekt, den die Einführung des Zähler bringen soll: Die Verbraucher sollen verantwortungsbewusster und sparsamer mit Energie umgehen. Tun sie das, erzielen die Stromproduzenten für sich einen kostensparenden Nebeneffekt: Die Stromabnahme verteilt sich gleichmäßiger über den Tag und sie müssen seltener teure Spitzenlastkraftwerke zuschalten.

Um eine große Verhaltensänderung auszulösen, sind die Preisanreize allerdings zu dürftig. Zwar ermittelt der Zähler den Verbrauch tageszeitabhängig und berechnet für billigeren Nachtstrom weniger. Doch die Differenz ist mit einem Cent pro Kilowattstunde so gering, dass mein Plädoyer, Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner möglichst nachts laufen zu lassen, innerfamiliär kaum Anklang fand.

Tatsächlich lag die Ersparnis durch Nutzung von Nachtstrom im ersten Monat bei ganzen 1,87 Euro, kaum zwei Prozent der Gesamtrechnung. Im Monat darauf war es noch weniger. Der Grund: Nachts getrocknete Wäsche mussten wir energieaufwendig nachbügeln, weil sie nach den vielen Stunden bis zur Entnahme viele Knitterfalten hatte. Doch das System ist ausbaufähig.

Der Oldenburger Versorger EWE, der in Kürze ebenfalls intelligente Zähler für Strom und erstmals auch für Gas einbaut, plant gleich mehrere Billigzeiträume, nicht nur in der Nacht. Auch die Bewohner von Friedrichshafen und Mülheim an der Ruhr werden mit intelligenten Zählern ausgestattet. RWE lässt in der Ruhrgebietsstadt die Geräte gleich flächendeckend installieren.

Am Bodensee haben sich die Deutsche Telekom, der örtliche Versorger Technische Werke Friedrichshafen sowie Bittner + Krull Softwaresysteme, zusammengetan, um die Stadt mit intelligenten Zählern zu versorgen. Eine besonders pfiffige Einrichtung ist das Yellometer, das den Verbrauch in Echtzeit anzeigt – bestens geeignet für eine Lehrstunde.

Schaltet man beispielsweise ein 60-Watt-Glühbirne ein, springt die Kurve unmittelbar danach kräftig nach oben. Ersetzt man sie durch eine gleich helle Sparlampe, geht es nur gemächlich hoch. Und der betagte Kühlschrank, der im Sommer die Getränke kalt hält? Verbraucht locker doppelt so viel wie sein jugendlicher Nachfolger. Der Computer meines Jüngsten entpuppt sich selbst im Standby-Betrieb als gieriger Stromfresser. Bei ausgeschaltetem Monitor saugt er immer noch mehr als 100 Watt aus der Steckdose.

Also: Konsequent ausschalten, wenn er nicht gebraucht wird. Der Zähler zeigt, worauf ich ohne Komforteinbuße verzichten kann. Allein deshalb lohnt er sich.

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