Giovanni Bisignani im Interview: "Uns fehlt ein Zauberer"

Giovanni Bisignani im Interview: "Uns fehlt ein Zauberer"

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International Air Transport Association (IATA) CEO Giovanni Bisignani speaks during a news conference after the 65th IATA Annual General Meeting in Kuala Lumpur June 9, 2009. REUTERS/Zainal Abd Halim (MALAYSIA TRANSPORT HEADSHOT BUSINESS)

Iata-Chef Giovanni Bisignani über die Krise der Luftfahrt, unangenehme Steuerlasten, automatisierte Sicherheitskontrollen und die Zukunft des Reisens.

WirtschaftsWoche: Herr Bisignani, Ihre Branche steckt in der größten Krise ihrer Geschichte. Ist da der mysteriöse Absturz des Air-France-Flugzeugs vor zwei Wochen ein schlechtes Zeichen?

Bisignani: Wie kommen Sie darauf? Trotz aller Veränderungen macht keines unserer Mitglieder bei der Sicherheit auch nur den kleinsten Kompromiss.

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Wann sehen Sie denn das Ende der Krise gekommen?

Wenn ich das wüsste. Wir haben einen Chefvolkswirt, aber uns fehlt ein Chefzauberer. Optimisten glauben, dass das Geschäft Ende des Jahres wieder anzieht, Pessimisten erwarten einen längeren Einbruch.

Und was sind Sie?

Ich bin Realist.

Und was heißt das?

Ich sehe nichts, was Optimismus rechtfertigt. Wir kämpfen ums Überleben.

Wenn die Krise so an die Substanz geht, wie wird sie denn die Fluglinien verändern?

Egal, ob die Krise lang oder kurz ist, danach wird nichts mehr wie vorher sein. Wir müssen die Krise nutzen, um gemeinsam mit der Politik und unseren Partnern wie Flughäfen und Flugzeugherstellern eine stärkere Branche zu werden.

Das klingt, als wollten auch Sie Subventionen.

Nein. Im Gegenteil. Wir wollen keine Geschenke, sondern nur nicht noch mehr böse Steuern. Wir zahlen jedes Jahr Zigmilliarden an Abgaben und mehr als 50 Milliarden Euro an von der Politik geschaffene künstliche Monopole wie Flughäfen, Luftraumüberwachung und ineffiziente Sicherheitsleistungen. Und bis 2012 sollen noch mal sechs Milliarden hinzukommen, vor allem durch Umweltauflagen. Und das in einer Zeit, in der viele andere Branchen staatliche Unterstützung bekommen.

Was würden Sie denn mit den Subventionen machen?

Investieren in neue Technologie, damit wir sicherer, grüner und profitabler werden. Das beginnt bei neuen Navigationsverfahren, die unsere Flüge schneller machen. Dazu haben wir uns auf der Jahrestagung der Iata in Kuala Lumpur in Malaysia das Ziel gesetzt, bis 2020 den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu bremsen und danach zu senken. Kerosin ist inzwischen unsere größte Kostenposition, und jede Einsparung macht uns profitabler.

Und was haben die Passagiere davon?

Besseren Service. Der Komfort an Bord wird durch neue Sitze auch in der Touristenklasse immer größer. Dazu kommt ein besseres Angebot an Kommunikationsdiensten. Unsere Kunden werden bald wieder Internet an Bord haben. Kurz: Es gibt mehr Freiheit und Auswahl denn je.

Heißt das auch, dass die Kunden noch mehr Dinge bezahlen müssen, die früher gratis waren wie Kofferaufgabe oder Getränke auf Langstreckenflügen zum Beispiel?

Das glaube ich nicht. Aber sie werden in der Economy Class mehr Dinge dazubuchen können wie besseres Essen oder ein zweites Kissen.

Das klingt nach höheren Preisen.

Schön wäre es. Tatsächlich sind die Flugpreise bereits vor der Krise im Schnitt pro Jahr um rund zwei Prozent gesunken. Das geht auch nach der Krise so weiter.

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