Google-Handy von Vodafone: Vodafone vollzieht riskanten Strategiewechsel

KommentarGoogle-Handy von Vodafone: Vodafone vollzieht riskanten Strategiewechsel

Vodafone und der Handy-Hersteller HTC haben das zweite Mobiltelefon vorgestellt, das auf Googles Betriebssystem basiert. Ein klarer Affront und eine riskante Strategie, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn.

Nun also hat auch Vodafone mit dem HTC Magic sein eigenes Google-Handy – ein halbes Jahr nach dem Konkurrenten T-Mobile, der sein Modell G1 bereits im Herbst vergangenen Jahres in den USA auf den Markt gebracht hat und seit Anfang Februar auch in Deutschland vertreibt.

Technisch unterscheidet sich die Vodafone-Neuheit vor allem durch die Tatsache von T-Mobiles Google-Erstling, dass das HTC Magic ohne integrierte Tastatur und damit deutlich schlanker und eleganter daher kommt. Funktional gleichen sich G1 und Magic wie ein Ei dem anderen.

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Tatsächlich ist daher nicht das Gerät selbst die wirklich revolutionäre Neuerung bei Vodafone. Es ist die Entscheidung, ein langjähriges strategisches Dogma über Bord zu werfen. Vodafone verfolgt nämlich seit Jahren das strikte Prinzip maximal drei Softwareplattformen für  Mobiltelefone zu unterstützen - Symbian von Handy-Primus Nokia, Microsofts Windows Mobile  und die Blackberry-Plattform von Research in Motion. Die Reduktion der Plattformen dient vor allem dazu, den Aufwand beim Kundenservice und beim Netzbetrieb zu reduzieren – und so die Kostenstruktur des Netzbetreibers zu verbessern.

Wegen der Strategie hat sich Handheld-Primus Palm über Jahre bei dem Versuch die Zähne ausgebissen, seine eigenen - in den USA überaus erfolgreichen - Treo-Handhelds mit dem PalmOS-Betriebssystem auch in Europa über Vodafone zu verkaufen. Zig Millionen verkaufter Treos in den USA zum Trotz blieb Vodafone all die Jahre hart - bis Palm schließlich begonnen hat, selbst Treos herzustellen, die Microsofts Windows Mobile nutzen. Seither findet sich auch Palm im Produktprotfolio von Vodafone.

Dass Vodafone mit der Ankündigung des auf Googles Android basierenden HTC Magic nun von der Plattformstrategie abweicht, ist der klare Versuch, sich aus der Abhängigkeit der Branchenriesen zu befreien. Noch immer nämlich kann Nokia als Marktführer und stärkste Handymarke den Netzbetreibern Sonderkonditionen im Geräteeinkauf abtrotzen, RIM wiederum zweigt mit seinen E-Mail-Diensten (und den damit verbundenen Lizenzkosten für RIMs E-Mail-Server) einen erklecklichen Teil von Vodafones mobilen E-Mail-Umsätzen in die eigenen Taschen ab. Und an Windows Mobile führt - alleine wegen Microsofts Marktmacht - auch für Vodafone kein Weg mehr vorbei.

Da kommt eine weitere Handy-Plattform wie gerufen. Umso mehr wenn dahinter ein so starker Treiber steht wie der Web-Gigant Google, der sein Android-Betriebssystem den Geräteherstellen und Netzbetreibern noch dazu ohne Lizenzkosten zur Verfügung stellt. Gerade in der aktuellen Wirtschaftsschwäche scheint Vodafone die Betriebssystem-Alternative da sehr gelegen zu kommen. So sehr, dass man den Affront gegen die langjährigen Partner wagt.

Der Ansatz ist nachvollziehbar. Ob er klug ist, muss sich erst noch erweisen. Denn wirklich erfolgreich wird Vodafone mit der Android-Strategie nur sein, wenn sich nennenswert Kunden für das neue Google Handy begeistern und sich die Plattform tatsächlich zu einer relevanten Konkurrenz für die Etablierten entwickelt.

Bisher ist das nicht mehr als eine Hoffnung – wirklich zwingend ist der Wechsel zu Android nämlich nicht. Sowohl das G1 von T-Mobile als auch Vodafones neues HTC Magic sind ordentliche Multimedia-Handys, technisch, funktional oder beim Design faszinierend sind sie aber noch nicht.

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