Google Home im Test: Auf Du und Du mit Google

Google Home im Test: Auf Du und Du mit Google

, aktualisiert 08. August 2017, 08:26 Uhr
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„OK Google, wie wird das Wetter?“ – Fragen wie diese beantwortet der smarte Assistent ohne Probleme.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Mit dem smarten Lautsprecher Echo hat Amazon die Konkurrenz überrascht. Nun bringt der Suchriese Alphabet mit Google Home seine Antwort in Deutschland auf den Markt. Der Test zeigt: Die Assistentin muss noch viel lernen.

DüsseldorfSo persönlich hat mich noch kein Elektronikgerät begrüßt. „Hallo, ich bin dein Google-Assistent“, sagt eine freundliche, wenn auch etwas künstliche Frauenstimme. Google Home, das wird mir gleich nach der Einrichtung deutlich, soll nicht nur ein Lautsprecher sein, der Musik spielt – sondern ein Helfer im Alltag, der mich an Termine erinnert, Fragen beantwortet und die Lampen dimmt.

Für die Alphabet-Tochter ist es nicht nur ein Gerät, sondern Teil eines Konzepts: Die Assistentin – also die Software, die sich da zu Wort meldet – soll jederzeit zur Verfügung stehen, auch dann, wenn ich gerade schmutzige Hände habe oder am Steuer sitze (auch auf dem Smartphone steht sie zu Diensten). Und nebenbei erfährt der Konzern immer mehr über mich und meine Vorlieben.

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Mit dieser Idee war ein Konkurrent indes deutlich früher: Amazon verkauft seinen Lautsprecher Amazon Echo mit der Assistentin Alexa bereits seit 2015 in den USA und seit 2016 in Deutschland. Nun, ein gutes Jahr später, bringt Google seine Antwort hierzulande in den Handel. Ein Handelsblatt-Test vor der offiziellen Einführung am heutigen Dienstag zeigt: Der Konzern spielt seine Stärke bei der Internetsuche aus, hat aber ähnliche Probleme wie Amazon.

Einrichtung per Plug’n Play

Auf eine gedruckte Anleitung hat Google verzichtet, in der Verpackung liegt lediglich eine Karte mit den ersten Schritten. Mehr braucht es auch nicht, das Gerät ist schnell einsatzbereit, vorausgesetzt, man hat bereits ein Nutzerkonto beim Unternehmen und weiß sein WLAN-Passwort. Schon bald spricht das Gerät seinen neuen Chef an.

Die Einrichtung vermittelt eine Ahnung, wie die namenlose Assistentin funktioniert: Dahinter steckt eine Software, die Sprachbefehle erkennt, analysiert und darauf reagiert. Die Verarbeitung geschieht in einem Rechenzentrum von Google. Nutzer, die sich so ein Gerät kaufen, sollten das wissen – dazu später mehr. Zudem benötigt das System möglichst viele Informationen, um helfen zu können, von der Suchhistorie bis zum Kalender.

Und eines ist noch wichtig: Damit der Lautsprecher auf Zuruf Musik spielen kann, benötigt man einen kostenpflichtigen Musikdienst. Kompatibel sind Spotify, Deezer und natürlich Google Play Music, für die je nach Tarif acht bis zehn Euro pro Monat fällig werden. Wem das zu viel ist, der kann natürlich immer noch Musik vom Smartphone übertragen.

Elegantes Design, mäßiger Sound

Bei aller Diskussion um virtuelle Assistenten: In erster Linie ist Google Home ein Lautsprecher fürs Zuhause. Entsprechend wichtig ist das Design. Hier hat der Hersteller ordentliche Arbeit geleistet. Mit einer geschwungenen Form und einer Oberfläche aus grauem Stoff und weißem Plastik sieht das Gerät hochwertig aus, eine Mischung aus Vase und Duftspender. Das Gehäuse ist zudem nicht viel größer als eine Konservendose und fügt sich daher problemlos in die Küche oder ins Wohnzimmer ein. Dagegen sieht Amazon Echo klobig aus.

Beim Sound kann Google Home indes nicht mit hochwertigen Lautsprechern mithalten, wie sie etwa Sonos anbietet – was bei einem Preis von rund 150 Euro vielleicht auch zu viel verlangt wäre. Die Box hat einen ordentlichen Bass und füllt den Raum aus, lässt aber etwas an Präzision und Ausgewogenheit vermissen. Zudem dürfte der Google-Sprecher auf einer Party an seine Grenzen stoßen, weil er ab einer gewissen Lautstärke den Klang verzerrt. Das macht das Amazon-Modell Echo besser.

Als Ersatz fürs Küchenradio ist das Gerät akzeptabel, als Ersatz für die Stereoanlage nur bedingt. Das gilt allerdings genauso für Echo. Audiophile Hörer sind mit anderen Fabrikaten besser bedient, auch wenn diese keine Sprachbefehle entgegen nehmen. (Es sei denn, man schließt das kleine Amazon-Modell Echo Dot oder die Google-Erweiterung Chromecast Audio an.)


Das Mikrofon ist permanent an

Einen eigenen Namen gibt Google der Assistentin nicht, sie wird mit „Hey Google“ oder „OK Google“ angesprochen. Wenn der Lautsprecher das Aktivierungswort erkennt, leuchten die LEDs auf der Oberseite bunt auf. Das gelingt auch, wenn Musik läuft oder die Dunstabzugshaube pustet, meistens zuverlässig. Die Lautstärke lässt sich auch mit einer Fingergeste auf der berührungsempfindlichen Oberseite regeln.

Einfache Wissensfragen beantwortet das System prompt, etwa nach dem Geburtstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (17. Juli 1954), der Bedeutung des Wortes „Kompetenzkompetenz“ (hier hilft Wikipedia) oder der Übersetzung von „Ich möchte eine Pizza ohne Mozzarella“ ins Italienische („Vorrei una pizza senza mozzarella“). Bei der Fragen nach den besten Filmen 2016 zählt der Assistent „Toni Erdmann“, „Rogue One: A Star Wars“ und „Zoomania“ auf. Hier kann Google die eigenen Stärken ausspielen, von der Internetsuche bis zum Übersetzer.

Doch sobald es etwas komplizierter wird, muss das System passen. Die Premierministerin von Großbritannien zählt es auf, den Außenminister schon nicht mehr. Und wenn der Satz nicht richtig formuliert ist, kommt entweder eine falsche Antwort oder gar nichts. Auf die – nicht ganz galant formulierte – Frage: „Wann hat der Erste Weltkrieg stattgefunden?“ trägt das System beispielsweise Informationen über einen Film vor. Dagegen rattert es die richtigen Daten herunter, wenn der Nutzer richtig fragt, und zwar so: „Wann war der Erste Weltkrieg?“

Auch bei vielen Funktionen muss Google Home noch dazulernen. Das Gerät kann zwar einen Timer stellen, aber keine Erinnerung einrichten. Einträge in den Kalender sind noch nicht möglich, und die Einkaufsliste lässt sich zwar per Spracheingabe bestücken, aber wie sie abrufen will, kann das nur mit dem Smartphone tun. Navigationsfragen wiederum weiß das System zu beantworten, es kann aber keine Wegbeschreibung auf den Bildschirm schicken. Diese Mängel wiegen auch die programmierten Gags nicht auf. Google Home muss sich noch deutlich weiterentwickeln, um als wirklicher Assistent dienen zu können.

Wenige Integrationsmöglichkeiten

Der Amazon-Lautsprecher ist nicht nur bei den Kunden ein Erfolg, sondern auch bei den Entwicklern: Sie haben zahlreiche Erweiterungen für die Assistentin Alexa programmiert und ermöglichen die Steuerung vernetzter Geräte mit Sprachbefehlen. Hier hat Google einiges aufzuholen.

So gibt es bisher keine Möglichkeiten, der Assistentin zusätzliche Fähigkeiten beizubringen, wie es Amazon mit den sogenannten Skills anbietet –  also hunderten kleinen Programmen, mit denen externe Entwickler Verkehrsinfos, Witze und Spiele über den Lautsprecher ausgeben lassen können. Daher ist beispielsweise beim Google-Gerät das Angebot an Nachrichtenprogrammen deutlich kleiner. Ob eine Einführung derartiger Fähigkeiten geplant ist, lässt das Unternehmen offen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Integration von Smart-Home-Geräten. Zur Markteinführung kann Google Home nur eine Handvoll von Produkten steuern, beispielsweise die Thermostate der Konzernschwester Nest und die Lampen der Hue-Linie von Philips. Das ist sicherlich nur eine Momentaufnahme, viele Unternehmen werden vermutlich bald eine Integration anbieten. Derzeit ist Amazon Echo aber deutlich im Vorteil.

Ohne Vertrauen geht es nicht

Damit der Assistent immer zu Diensten steht, lauscht er mit dem Mikrofon nach dem Aktivierungswort. Wenn das Kommando „OK Google“ oder „Hey Google“ fällt, überträgt er Daten auf die Server des Konzerns. Das muss Nutzern bewusst sein – auch Amazon Echo macht es nicht anders. Wer das zwischenzeitlich verhindern will, drückt einfach einen Knopf auf der Vorderseite. „Das Mikrofon ist stumm geschaltet“, gibt der Lautsprecher dann durch.

Außerdem muss der Assistent viel wissen, um möglichst nützlich zu sein. Daher bittet Google bei der Einrichtung des Gerätes um Erlaubnis, auf zahlreiche Informationen zuzugreifen und diese zu speichern. Das gilt beispielsweise für Aktivitäten im Internet und in Apps, Kontakte, Kalender und Musik auf dem Smartphone, aber auch Sensorwerte. Zudem werden die Spracheingaben aufgezeichnet, damit „die Spracherkennungsfunktion optimiert werden kann“.

Wer Google Home nutzt, muss dem Hersteller also eine Menge Vertrauen entgegenbringen. Viele Verbraucherschützer tun das nicht. Der Nutzer könne nicht „vollständig nachvollziehen, wie seine Daten am Ende tatsächlich verwendet werden“, sagt etwa Florian Glatzner, Digitalexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV): „Man füttert die Datenmaschine und bekommt dafür Bequemlichkeit. Die Frage ist, ob dabei die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt.“

Fazit: Ein smarter erster Versuch

Für Google-Mutterkonzern Alphabet ist Home der erste Versuch in Sachen vernetzte Lautsprecher – und der ist durchaus gelungen. Das Design ist ansprechend, der Klang zumindest nicht abschreckend, und der Assistent funktioniert mindestens genauso gut wie Alexa, in einigen Bereichen sogar schon besser. So viel lässt sich nach einigen Tagen mit dem Gerät schon sagen.

Käufer müssen sich nur einige Dinge bewusst machen. Erstens: Die Software ist noch nicht ausgereift, die Nutzer dienen als Versuchskaninchen. Zweitens: Google Home funktioniert nicht ohne Google, im Gegenteil, es bindet die Käufer noch stärker an den Konzern. Und drittens: Virtuelle Assistenten funktionieren nur, wenn sie viele Informationen sammeln. Das muss kein Hindernis sein, man sollte es nur wissen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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