Google vs. Facebook: Was Facebook mit seinem E-Mail-Dienst wirklich vorhat

Google vs. Facebook: Was Facebook mit seinem E-Mail-Dienst wirklich vorhat

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Zuckerberg

von Sebastian Matthes, Matthias Hohensee und Michael Kroker

Das soziale Netzwerk will mit einem eigenen E-Mail-Dienst besser sein als der ärgste Rivale – der Suchmaschinengigant Google. Ein riskantes Spiel.

Jedes Jahr im November feiert sich die Internet-Branche auf der Web-2.0-Konferenz in San Francisco. Vergangene Woche war die Stimmung im noblen Palace Hotel besonders ausgelassen. Denn die Branche huldigte einem neuen Superstar: dem Web-Wunderkind Mark Zuckerberg. Sein soziales Netzwerk Facebook, daran zweifelt kaum noch jemand, ist dabei, die Machtverhältnisse im Internet zu verschieben.

Lässig streifte der 26-jährige Multimilliardär Zuckerberg – braunes T-Shirt und Jeans – durch das Luxushotel, verfolgt von bewundernden wie neidischen Blicken. Was die allgemeine Aufmerksamkeit angeht, hat der Studienabbrecher die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page längst abgelöst. Wöchentlich wechseln zudem Mitarbeiter der führenden Suchmaschine zum Konkurrenten Facebook.

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Bei Google, so sagt einer, der gerade übergelaufen ist, habe sich herumgesprochen, dass beim Rivalen Facebook Projekte tatsächlich angepackt und nicht zerredet würden.

Jetzt allerdings hat Zuckerberg erst einmal ausgepackt: Am Rande der Web-2.0-Konferenz stellte er seinen neuen E-Mail-Dienst vor, der schon vor der Präsentation als Google-Mail-Killer gefeiert wurde. Auch wenn viele dabei übersehen, dass Microsofts Hotmail und Yahoos Mail-Dienste viel mehr Nutzer haben als Google Mail. Sei’s drum. Wenn Zuckerberg etwas vorstellt, ist es für viele eine Revolution, fast schon wie bei Auftritten von Apple-Chef Steve Jobs.

Jeder der mehr als eine halbe Milliarde Facebook-Nutzer erhält in den nächsten Wochen auf Wunsch seine eigene E-Mail-Adresse mit der Endung @facebook.com. Der neue Dienst aber soll mehr sein als nur ein neues elektronisches Postfach: Das Facebook-Kommunikationssystem fasst neben den traditionellen Nachrichten auch SMS und Instant Messages zusammen.

Tatsächlich ist das unternehmensintern „Titan“ getaufte Projekt ein wichtiger Schritt von Facebook auf dem Weg zu einem besseren Google. Der Suchkonzern weiß zwar, was Menschen im Netz suchen. Facebook aber kennt zudem unsere Freunde und deren Interessen.

Dieses Wissen wendet Zuckerberg nun auf die elektronische Kommunikation an. Im Gegensatz zu Google, dessen Suchintelligenz auf ausgefeilten Algorithmen basiert, setzt Facebook bei der Bestimmung für uns relevanter Informationen auf soziale Interaktion.

Die Idee: Wer mit uns über Facebook verbunden ist, schickt für uns relevantere Mails: „Freunde definieren Priorität“, sagt Charlene Li, Gründerin des US-Marktforschungsunternehmens Altimeter Group. Mitteilungen von Bekannten werden im neuen Facebook-Postfach hervorgehoben. Nutzer können zudem jederzeit weitere bevorzugte Absender hinzufügen. Ähnliches allerdings bietet Googles Postfach auch seit einigen Wochen. „Das ist kein Google-Mail-Killer“, versichert Zuckerberg denn auch.

Trotzdem ist der Dienst für Facebook ein wichtiger Schritt, seine Machtposition im Netz zu sichern.

Denn je länger der Facebook-Nutzer im sozialen Netzwerk verweilt, je mehr er durch seine Kommunikationsgewohnheiten offenlegt, in welchen Kreisen er sich bevorzugt bewegt, desto besser für die auf Nischeninteressen geschärfte Werbemaschine von Facebook.

Facebook erklimmt Spitze

Schon heute verbringen Amerikaner den größten Teil ihrer Online-Zeit in sozialen Netzwerken und bei anderen Web-2.0-Diensten. Nicht bei Google.

Das zahlt sich aus: Das Geschäft mit Online-Werbung verlagert sich stark zu zielgruppenspezifischer Werbung, dem sogenannten Targeting. Dabei versuchen die Werber die möglichst optimale Zielgruppe für die Online-Anzeigen herauszufiltern. Das steigert die Effektivität der Netz-Kampagnen, weil Streuverluste durch „falsche“ Werbeempfänger verringert werden.

„Auf diesem Feld ist Facebook durch die Vielzahl der Informationen, die seine Nutzer preisgeben, bereits heute gut aufgestellt“, sagt Thomas Helbig, Chef des Beratungsunternehmens Helbig & Partner aus Hamburg.

Mehr noch: Facebook erhält durch seine im Netz verstreuten „Mag ich“-Knöpfe, mit denen Mitglieder des Netzwerks Freunden Seiten, Texte und Produkte empfehlen können, massenhaft Informationen über Internet-Nutzer. „Dieses Wissen kann Facebook mit dem Nachrichtendienst weiter ausbauen“, sagt Helbig. Denn das Netzwerk wird in Zukunft noch mehr persönliche Interessen aus eingehenden oder versandten Mails extrahieren können, um die Nutzerprofile um diese Informationen zu erweitern.

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