Abfall in der EU: Europa produziert weniger Müll - und recycelt mehr

Abfall in der EU: Europa produziert weniger Müll - und recycelt mehr

von Tobias Finger

Die EU-Bürger produzieren weniger Abfall. Deutschland recycelt gut, gehört aber zu den großen Müllverursachern.

Auf jeden EU-Bürger kommen 481 Kilogramm Abfall - fast so viel, wie eine ausgewachsene Kuh auf die Wage bringt. Das ist eine ganze Menge Müll, doch gleichzeitig ein neuer Minus-Rekord in der Europäischen Union (EU).

Denn der Spitzenwert lag 2002 bei 527 Kilo pro Kopf, das entspricht einem Rückgang von immerhin 8,7 Prozent. Das vermelden die Forscher von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, als Ergebnis einer aktuellen Studie.

Anzeige

Von den "Siedlungsabfällen", gemeint ist Müll von privaten Haushalten, Kleinunternehmen oder öffentlichen Einrichtungen, die 2013 anfielen, wurden immerhin 43 Prozent recycelt oder kompostiert. Das ist eine positive Entwicklung, denn 1995 lag der Anteil noch bei 18 Prozent.

Trotzdem landen EU-weit immer noch 31 Prozent der Abfälle auf Mülldeponien, 26 Prozent werden verbrannt.

Die einen recyceln, die anderen verbrennenBesonders interessant ist ein Blick auf die Praxis der Müllverwertung in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten, denn hier werden deutliche Unterschiede offenkundig.

So wurden in Deutschland mit 64 Prozent fast zwei Drittel der 2013 generierten Siedlungsabfälle recycelt oder kompostiert. Damit liegt Deutschland bei der Abfallbehandlung im EU-Vergleich vorn.

“Deutschland hält seine Vorreiterrolle beim Thema Recycling. Das ist vor allem der Verdienst der kommunalen Abfallwirtschaft, die seit Jahrzehnten die getrennte Erfassung der Haushaltsabfälle vorantreibt und damit die wichtigste Voraussetzung für hochwertiges Recycling schafft”, sagt Hans-Joachim Reck vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

Die Einführung eines Deponieverbotes für unvorbehandelte Siedlungsabfälle 2005 habe zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen, ist sich Reck sicher.

Gut stehen auch Slowenien, Österreich und Belgien da. Recycling und Kompostierung machten dort mehr als die Hälfte der Abfallbehandlung aus.

Sauber verhagelt haben den Schnitt dagegen Estland, Dänemark und Schweden, die mehr als die Hälfte ihres Mülls verbrannten. Nachholbedarf haben auch Malta, Griechenland, Lettland und Kroatien. Dort landeten über 80 Prozent der Abfälle auf Müllkippen - in Rumänien waren es sogar 97 Prozent.

Deutschland ist unter den größten MüllproduzentenDafür haben Rumänen, Esten und Polen mit weniger als 300 Kilogramm pro Einwohner die geringsten Abfallmengen produziert.

Das gilt leider nicht für Dänemark. Das skandinavische Land verbrennt nicht nur viel, es sorgt mit 747 Kilogramm Abfall auch für den mit Abstand meisten Müll pro Person.

Deutschland gehört genau wie Luxemburg oder Zypern mit mehr als 600 Kilogramm pro Kopf zu den größten Müllverursachern. Die guten Verwertungsstrategien balancieren das jedoch etwas aus. Anders als in Zypern, wo nur zwölf Prozent der Abfälle recycelt und neun Prozent kompostiert werden.

Der Trend ist positiv - mit AbstrichenInsgesamt zeigt sich in punkto Abfallmanagement eine positive Entwicklung in der EU. Das verdeutlicht vor allem die Kompost- und Recyclingrate, die in den vergangen zwei Dekaden kontinuierlich gewachsen ist.

Gleichwohl haben eigentlich alle Länder Nachholbedarf -  ob in der Abfallvermeidung oder der Behandlung.

Die Zahlen zeigen: Der Weg zur Kreislaufwirtschaft, bei der praktisch kein Müll mehr entsteht, ist noch lang.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%