AIDA-Umweltchefin: "Die richtige Lösung dauert länger"

AIDA-Umweltchefin: "Die richtige Lösung dauert länger"

AIDA ist der Verlierer einer NABU-Untersuchung. Im Interview spricht Direktorin Monika Griefahn über Bemühungen des Konzerns.

Von Christian Sauer. Der Autor arbeitet für griin.de, das Blog zur nachhaltigen Mobilität.

Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisieren die Kreuzfahrtindustrie als einen der schlimmsten Umweltverschmutzer unserer Zeit. Mit ihrer Kampagne „Mir stinkts!“ macht der Verband erst neulich seinem Unmut Luft. Bei einer Untersuchung von 20 Kreuzfahrtschiffen, die bis 2016 in Europa hergestellt werden, fielen 17 Schiffe durch. Klarer Verlierer des Tests ist die Reederei AIDA.

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Wir sprachen mit der Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises, Monika Griefahn, wie es um die Öko-Bilanz des Kreuzfahrt-Anbieters bestellt ist.

Frau Griefahn, sie waren bei Greenpeace und dann Umweltministerin. Warum wechselt man zu AIDA auf die Seite der Industrie?

Mich hat stets interessiert, wie man Lösungen umsetzen kann. Als ich bei Greenpeace war, habe ich natürlich immer gefordert. Dann bin ich Ministerin geworden, weil man da auch Dinge umsetzen kann. Das gleiche gilt für ein Unternehmen. Es ist ja nicht so, dass ich bei Null angefangen habe, sondern AIDA war schon auf dem Weg und die meinen es wirklich ernst.

Noch immer fahren die meisten Kreuzfahrtschiffe mit umweltschädlichem Schweröl. Sie möchten AIDA dennoch nachhaltiger machen. Wie soll das gehen?

Die beste Tonne Sprit ist natürlich die, die man gar nicht benutzt, und deshalb versuchen wir sehr sehr viel, um den Verbrauch insgesamt zu reduzieren. Wir haben ja schon das Drei-Liter-Schiff, das heißt nur drei Liter Treibstoff werden pro Person auf 100 Kilometer benötigt. Die nächste Generation von Schiffen, die wir gerade in Japan bauen, wird sogar Dual-Fuel-Motoren haben. Sie sind also geeignet für umweltfreundlicheren Marine Diesel und andere Treibstoffe sowie die Energieversorgung über Flüssiggas.

Sie setzen Marine Diesel schon ein?

Das tun wir an vielen Stellen, hier in Hamburg zum Beispiel schon seit 2007 und in der Ostsee sowieso. An vielen Orten nutzen wir Marine Diesel, aber den gibt es eben noch nicht überall. Die Häfen stellen sich gerade so um, dass er ab 2015 überall zur Verfügung steht.

Wie sieht es mit alternativen Antriebsarten wie Flüssiggas aus?

Da sind wir auch vorn dabei und werden die ersten Kreuzfahrtschiffe mit Dual-Fuel-Motoren haben, die während der Hafenliegezeit entweder mit Diesel oder mit Gas betrieben werden können. Diese werden 2015 in Dienst gestellt.

Gibt es noch andere Alternativen?

Wir beteiligen uns an sehr vielen Forschungsprojekten. Beispielsweise erforscht die Bundesregierung in dem Projekt „e4ships“ die Einsatzmöglichkeiten von Brennstoffzellen. Es kommen dauernd irgendwelche Ideen, aber man muss auch prüfen, inwieweit diese dann für ein Kreuzfahrtschiff umsetzbar sind. In der Kreuzfahrtindustrie haben wir jetzt aber schon die jüngste Flotte mit dem geringsten Verbrauch. So kommt etwa bei den neuesten Schiffen das sogenannte MALS-System zum Einsatz. Dieses pumpt Luftbläschen unter den Bug, die nochmal sieben Prozent Energie einsparen.

Und werden die älteren AIDA-Schiffe technisch nachgerüstet?

Ja. Und wenn sie in die Werft gehen, werden auch die Motoren neu eingestellt und überholt. Nach und nach, das ist natürlich nicht alles schlagartig möglich, aber die Schiffe folgen dann sukzessive.

Mit Rußpartikelfilter zum Beispiel?

Genau, aber das ist auch ein Problem des Platzbedarfs. Sie müssen den Maschinenraum ganz anders gestalten, denn so einen Filter kann man sich nicht vorstellen wie diese kleine Kiste bei einem Auto, sondern das ist ein erheblich größeres Ding. So ein Schiff hat 7,5 Megawatt und bis zu 2.000 Passagiere – das ist vergleichbar mit einem Kraftwerk für eine Kleinstadt an Land.

Um ihre Flotte weiter nachhaltiger zu gestalten, wollen Sie unter anderem eine LNG-Anlage im Hamburger Hafen bauen. Wie funktioniert die?

Die LNG-Hybrid-Barge ist ein Blockheizkraftwerk, wie Sie es auch für eine Wohnsiedlung nutzen würden. Es wird mit Flüssiggas betrieben. Damit haben Sie dann gar keinen Ruß- und Schwefelausstoß mehr, sowie 80 Prozent weniger Stickoxide und 30 Prozent weniger CO2. Wenn die Schiffe im Hafen anlegen, werden sie an die Barge angestöpselt, um die Emissionen erheblich zu reduzieren. Die Schiffe liegen immerhin 40 Prozent der Zeit im Hafen.

Was halten Sie von einer Öko-Abgabe der Kreuzfahrer für nachhaltige Projekte?

Eine Zwangsabgabe an den Kunden wollen wir nicht einführen. Wir sind aber gerade dabei, mit Atmosfair oder einem anderen Anbieter eine CO2-Kompensation möglich zu machen. Das ist jedoch freiwillig, so wie es bei anderen Reiseanbietern auch ist.

Unterstützen Sie auch Umweltprojekte in den Zielgebieten ihrer Reiserouten, insbesondere in sensiblen Regionen?

Wir fahren bestimmte sensible Zielgebiete gar nicht an. Beispielsweise die Arktis ist keines unserer Ziele – genau aus diesem Grund – weil es immer eine Belastung ist, wenn da auf einmal 2.000 Leute aussteigen. Wir achten sehr intensiv darauf und schulen auch unsere Tauchlehrer auf die Regeln, dass man nichts anfassen, sondern lieber gucken soll. Solche Dinge sind ganz wichtig bei uns. Wir haben unsere Schulungen für Umweltoffiziere und Nautiker verstärkt. Dafür haben wir bei AIDA eine eigene Akademie und dort kriegen die Mitarbeiter alles zum Thema Nachhaltigkeit vermittelt.

Inwiefern gehen Sie nachhaltig mit Abfällen an Bord ihrer Schiffe um?

Bei uns wird der Abfall nahezu zu 100 Prozent getrennt und auch in getrennten Chargen entsorgt. Man kann nicht alles selbst entsorgen und muss auch an Land abgeben. So wie beim Spritverbrauch, ist das bei uns auch mit dem Abfall. Wir wollen ihn möglichst vermeiden. Beispielweise haben wir Wein nicht nur in Flaschen, sondern auch in Fässern, so dass wir den damit verbundenen Müll reduzieren.

Hätten Sie an mancher Stelle gern mehr erreicht, gegen die aber wirtschaftliche Gründe standen?

Wissen Sie, natürlich denkt man immer, dass man etwas schneller machen könnte, aber Dinge brauchen ihre Zeit. Wenn man etwa Filter nicht nur für ein Schiff, sondern für eine ganze Gruppe haben will, dann muss man eine Lösung finden, die für die ganze Gruppe funktioniert. Die richtige Lösung für alle dauert dann vielleicht etwas länger. Wenn man überlegt, dass wir jetzt mit den Tests fertig sind und mit dem Investitionsplan begonnen haben, dann ist das gar nicht lange. Insofern hatte ich nie das Gefühl, dass etwas nicht ging – es dauert vielleicht manchmal ein bisschen länger, als man persönlich will.

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