Apple: Der Konzern muss Schluss machen mit Edelprodukten für die Tonne

Apple: Der Konzern muss Schluss machen mit Edelprodukten für die Tonne

Tolles Design, aber alles andere als nachhaltig: Das muss sich ändern, fordert ein enttäuschter Apple-Fan.

Von Elmar Schüller. Der Autor leitet als Initiator und Gründer das ILI Innovative Living Institute, eine interdisziplinäre Wissensplattform, die Unternehmen strategisch und operativ berät, weiterbildet und neue Konzepte und Produkte für die Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsformen von morgen entwickelt. Zuvor hat er den renommierten „red dot“ Design Award über viele Jahre als geschäftsführender Gesellschafter mitentwickelt.

Um es gleich vorweg zu sagen - ich bin ein jahrelang begeisterter Apple-User. Wenngleich auch kein Jünger, der sich campierenderweise vor die Stores gesellt, wenn ein neues Produkt im Anflug ist.

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Was mir aber in letzter Zeit zunehmend die Freude an den Produkten verdirbt, ist die Haltung von Apple in punkto Nachhaltigkeit. Vor allem wir, die User, müssen uns mittlerweile kritisch fragen, ob Apples Engagement in diesem Bereich wirklich überzeugend ist.

Bei mir begann das alles, als ich stolzer Besitzer eines der ersten iPhone 4 wurde. Ich war so glücklich über das Telefon - nur dumm, dass man damit nicht telefonieren konnte. Die Antenne funktionierte nicht, wenn man das iPhone in der Hand hielt. Darauf hin schenkte Apple mir und all den anderen glücklichen Usern sogar eine schicke Plastikverpackung - damit ging´s dann, aber es führte das tolle Design von Apple ad absurdum. Ob sich die Hülle recyceln lässt, weiß ich auch nicht.

Edelprodukte für die TonneWeiter ging es dann, als ich Besitzer meines zweiten iPhones wurde. Damit konnte ich sogar telefonieren. Die Anfangskrankheiten waren beseitigt.

Jetzt kann man natürlich fragen: Was hat das alles mit Nachhaltigkeit zu tun? Als ich dann mein zweites iPhone auf dem Boden wiederfand, beantwortete sich diese Frage. Das Glasdisplay hatte sich in tausende Splitter aufgelöst.

Ich ging zum freundlichen Apple-Händler. Drei Wochen später und einhundertdreißig Euro reicher an Erfahrung, war mein iPhone wieder wie neu.

Kurze Zeit später bekam es aber wieder seine Launen und lud nicht mehr auf. Mein freundlicher Telefonprovider sagte, dass sei Sache von Apple. Mein freundlicher Apple-Händler meinte, die Hauptplatine sei defekt. Problem: Das Herzstück des Telefons gebe es als Ersatzteil nicht.

Ich versuchte einen Termin im Apple Store zu vereinbaren. Nach vielen Warteschleifen und Rauswürfen im Apple-Store-Telefonverkehr gelang es mir nach sechs (!) Wochen, einen zehn minütigen Termin im Apple Store zu bekommen. Der liegt in Oberhausen. Hin- und zurück sind es rund 30 Kilometer. Alternativ hätte ich auch nach Köln fahren können, was eine Fahrt von mehr als hundert Kilometern ist.

Nur einer von vielenDie lange Wartezeit für meinen Termin zeigt auch: Ich bin nur einer von sehr vielen iPhone-Usern, die regelmäßig zum Boxenstopp in einen Store müssen.

Nach vielen Wochen ohne mein ach so geliebtes iPhone und verhandelten hundertfünfzig Euro erhielt ich schließlich ein Ersatzgerät. Mein fast noch gesundes iPhone ging in den Wolkenhimmel der Entsorgung.

Nun fragt sich der geneigte Verbraucher doch: Ist es nicht auch Aufgabe des Designs, das Gerät so funktional zu gestalten, dass beim ersten Bodenkontakt die Scheibe nicht zerbirst und dass das Herzstück eines Produktes auswechselbar gestaltet werden kann?

Wir Kunden sollten uns zudem fragen, warum Apple freiwillig aus dem anerkannten Umweltsiegel EPEAT, als "das führende weltweite Umweltbewertungssystem für elektronische Produkte", ausgestiegen ist. Der Grund, den Apple nennt: Das Siegel sei nicht mehr mit den zukünftigen Designgrundsätzen des Unternehmens zu vereinbaren.

Abkehr vom ÖkosiegelWas wohl eher dahinter steckte: Das Siegel schreibt vor, giftige Stoffe und Teile leichter trennbar und somit entsorgbar zu machen. Den Aufwand wollte sich der Konzern wohl künftig ersparen.

Was folgte waren Proteste von Kunden. Apple zog seine Entscheidung aber erst zurück, als die amerikanischen Behörden drohten - die verpflichtet sind, EPEAT zertifizierte und damit umweltfreundliche Produkte zu kaufen - keine Apple-Produkte mehr zu kaufen.

Mein Fazit heute, nach mehreren Jahren als eingefleischter Apple-Fan: Gut, ehrlich und nachhaltig ist das Design der Produkte erst dann, wenn es mehr bietet als ästhetische Verführung.  Gutes Design muss auch einem ganzheitlichen Anspruch gerecht werden. Erst wenn diese Haltung authentisch ist, wird Apple seinen eigenen Ansprüchen, den Weg von einem "Wertewandel" in einen "Kulturwandel" zu beschreiten, gerecht.

Vielleicht wird ja alles mit dem nächsten iPhone besser.

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