Artenschutz: Wie sich der Schneeleopard noch retten lässt

Artenschutz: Wie sich der Schneeleopard noch retten lässt

Höchstens 7000 Schneeleoparden leben noch in Freiheit. Lässt sich die Art noch retten?

Von Dr. Bradnee Chambers. Der Autor leitet als Exekutivsekretär das "Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten" (UNEP) der Vereinten Nationen in Bonn. Chambers beschreibt, wie wir die letzten Schneeleoparden besser schützen können.

In letzten entlegenen Rückzugsorten kämpfen Schneeleoparden derzeit um ihr Überleben. Dafür gibt es vor allem drei Gründe:

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1. Zunehmend dringen Menschen in ihre Bergwelt ein und zerschneiden ihren Lebensraum. Schneeleoparden legen große Entfernungen entlang von Bergrücken und Felsen zurück. Die wachsende menschliche Bevölkerung und die daraus resultierende Nachfrage nach immer mehr Land für Ackerbau und Viehhaltung macht auch vor den Schutzgebieten nicht Halt.

2. Schneeleoparden sind somit gezwungen, in größerer Nähe zu den Menschen zu leben. Aufgrund der Überjagung und Wilderei ihrer bevorzugten Beute, des gefährdeten Riesenwildschafs, haben die Großkatzen ihre Jagd auf Haustiere erweitert. Konflikte mit Schäfern, die für die Leoparden oft tödlich enden,  sind vorprogrammiert.

Handel mit Fell und Knochen floriert3. Das prächtige Fell des Schneeleoparden, lebensnotwendig für das Tier, um in 5000 Metern Höhe der bitteren Kälte des Himalaya, Hindukusch, Pamir und des Altai-Gebirges in Zentralasien zu trotzen, hat außerdem zu seiner Dezimierung beigetragen.

Fell und Knochen sind wertvolle Rohstoffe im illegalen Handel mit tierischen Erzeugnissen. Dieser floriert trotz des höchsten Schutzstatus für den Schneeleoparden unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES). Die Knochen werden in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Mäntel aus Schneeleopardenfell können Preise von bis zu 60.000 Dollar erzielen.

Die einheimischen Jäger profitieren allerdings am wenigsten von dem Handel. Ihr Anteil am Gewinn beläuft sich auf kaum mehr als 100 Dollar pro Fell, häufig sogar erheblich weniger. Aber in entlegenen und unterentwickelten Gebieten sind selbst 50 Dollar eine beträchtliche Summe.

Das Ergebnis dieser drei Entwicklungen ist verheerend: Schätzungen zufolge gibt es in Afghanistan, China, Russland und Myanmar noch zwischen 3.500 und 7.000 wild lebende Tiere. Allerdings umfasst die fortpflanzungsfähige Population wahrscheinlich wenig mehr als 2.500 Großkatzen auf einer Fläche von mehr als einer Million Quadratkilometern. Dies erschwert es jedem Tier, einen Partner zu finden.

Das im September anstehende Internationale Forum zur Erhaltung des Schneeleoparden in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek will diese Entwicklung nun stoppen. Nur: Kann das klappen?

Internationaler Gipfel soll die letzten Leoparden rettenBei seinem Einsatz für den Schneeleopardschutz nimmt der kirgisische Präsident Almabek Sharshenovich Atambeyev eine ähnliche Rolle ein, wie sie Wladimir Putin beim Internationalen Tigergipfel in St. Petersburg im November 2010 gespielt hat.

Prominente Unterstützer wie Leonardo di Caprio und Geberländer, Weltbank und Naturschutzorganisationen nahmen damals am Tigergipfel teil. 500 Millionen Dollar wurden für einen Zeitraum von fünf Jahren zugesagt, erneut bestätigt oder umverteilt mit dem Ziel, die Zahl wilder Tiger zu verdoppeln.

Gebracht hat es bisher wenig: "Die Zahl der Tiger hat sich seit 2010 nicht erhöht", schreiben die Experten der Schutzorganisation Panthera. Grund dafür sei immer noch die zu schlechte Überwachung der Wilderei. Und selbst an Orten, wo weniger Wilderer als früher am Werk sind, wird sich die Anzahl der Tiger erst in den nächsten 3 bis 5 Jahren erhöhen. Das zeigt: Kurzfristige Erfolge sind beim Artenschutz schwierig.

Kirgisistan hat bereits eine Vorbereitungskonferenz für den Schutz der Schneeleoparden mit Unterstützung der Weltbank ausgerichtet. Zwei weitere Konferenzen fanden in diesem Jahr statt - im März in Bangkok und im Mai in Moskau.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), die NGO TRAFFIC, die den Handel mit Wildtieren überwacht, die amerikanische Entwicklungsagentur USAID und das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Bonner Konvention, CMS) nahmen daran teil.

Bei der Vorbereitungskonferenz bot sich den Ländern die Gelegenheit, erste Vorschläge zum Schutz der Ökosysteme von Schneeleoparden zu präsentieren. Sie sind die ersten Bausteine ​​für das geplante Globale Schneeleoparden Schutzprogramm. Auch Best-Practice-Beispiele, die zeigen, wie sich der Schneeleopard schützen lässt, wurden diskutiert:

1. Eine abnehmende Trophäenjagd von Schraubenziegen, asiatischen Steinböcken und Riesenwildschafen, den wichtigsten Beutetieren des Schneeleoparden, haben zu einer höheren Dichte von Schneeleoparden in Pakistan und Tadschikistan geführt.

Ergebnisse einer Studie von 2012 zeigen, daß ein verwaltetes Jagdgebiet eine wesentlich höhere Dichte von Schneeleoparden aufweist als ein unkontrolliertes Gebiet mit intensiver Wilderei.

2. Einbruchsichere Viehgehege an mehreren Standorten in Pakistan, Tadschikistan, Indien und Afghanistan haben die tödlichen Angriffe auf Schneeleoparden auf Null gesenkt.

3. In Kirgisien haben sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie die International Finance Corporation mit Unterstützung des Bergbau-Unternehmens Kumtor Operating Company für den Schutz der Großkatze engagiert. Sie finanzieren technische Ausbildung und Hilfe im Sarychat-Ertash Reservat, was zu einem besseren Monitoring und Schutz von Schneeleoparden und seiner Beutetiere führt.

Man muss hoffen, dass die Konferenz im September sich diese Beispiele zum Vorbild nimmt und ein engagiertes Schutzprogramm auflegt. Ergebnislose Versuche können wir uns nicht leisten, um diese prachtvolle Großkatze zu schützen.

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