Belgische „Bröckel-Reaktoren“: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Belgische „Bröckel-Reaktoren“: Wie gefährlich sind sie wirklich?

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Dampf steigt aus dem Atomkraftwerk Tihange des Betreibers Electrabel.

Belgische Atomkraftwerke haben häufiger Pannen als deutsche. Hierzulande macht sich Angst breit. Politiker, Aktivisten und Anwohner der Grenzregion fordern: Abschalten!

Von „belgischen Bröckel-Reaktoren“ spricht Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel, die Grünen-Umweltexpertin Sylvia Kotting-Uhl gar von einer „Zeitbombe an unserer Grenze“. Wenn in Deutschland über belgische Atomkraftwerke gesprochen wird, schwingt Panik mit. Seit 2012 Tausende feine Risse in zwei Reaktorbehältern gefunden wurden, fühlen sich die deutschen Mahner bei jedem Vorfall bestätigt und fordern: Die Meiler Doel 3 und Tihange 2 müssen vom Netz. Aber sind belgische Reaktoren tatsächlich so gefährlich? Und sind sie anfälliger als die deutschen?

Ganz so eindeutig, wie mitunter behauptet wird, ist es wohl nicht. Ja, die belgischen Akw haben häufiger Pannen als deutsche. Aber eine Gefahr, dass die Kraftwerke bald in die Luft fliegen, sehen Experten nicht.

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Die OECD-Kernenergie-Agentur NEA, in der auch Belgien und Deutschland organisiert sind, verweist auf die hohen Sicherheitsstandards in beiden Ländern. Man habe großes Vertrauen, dass die Aufsichtsbehörden die Gesundheit und Sicherheit der Menschen schützen, heißt es dort.

Und auch die Reaktorsicherheitskommission in Bonn sieht keine akute Gefahr - solange alles nach Plan läuft. Zweifel äußern die deutschen Experten nur für den Ausnahmefall und besondere Belastungen: Ob der 65 Kilometer von Aachen entfernte Meiler Tihange 2 und Doel 3 bei Antwerpen auch bei Störungen sicher wären? Hinweise auf das Gegenteil gibt es nach einer Expertise vom April 2016 aber auch nicht. Genaues weiß man nicht.

Was würde im Ernstfall passieren? Eine Studie der Universität für Bodenkultur in Wien von Ende Oktober nimmt eine Reaktorkatastrophe in Tihange an. Aachen und die Region könnten demnach unbewohnbar werden. Bei ungünstigem Wetter wären die Auswirkungen mit der 20-Kilometer-Sperrzone im japanischen Fukushima vergleichbar, erklären die Experten.

Der Reaktorsicherheitsexperte Hans-Josef Allelein von der RWTH Aachen warnt vor Hysterie. Zwar könnte Aachen unter bestimmten Bedingungen von Radioaktivität aus Tihange betroffen sein, sagt der Inhaber des Lehrstuhls Reaktorsicherheit und -technik. In der Wiener Expertise sieht er jedoch Schwächen und findet das Ergebnis, die Region müsse evakuiert werden, „ein bisschen tendenziös“.

Sorgen bereitet Allelein vielmehr die belgische Sicherheitskultur. Die Personaldecke sei dünn. Der Chef der Aufsichtsbehörde FANC habe früher das Kraftwerk Doel geleitet. Es bestünden Mängel im Brandschutz.

Eigentlich hatte Belgien bereits den Atomausstieg für 2015 ins Auge gefasst, doch dann entschied sich die Regierung, die Laufzeit einiger Meiler bis 2025 zu verlängern. Die internationale Atomenergie-Organisation IAEA schickte deshalb Experten zur Überprüfung. Die zusammenfassenden Berichte lesen sich in etwa so: Die Betreiber tun viel für die Sicherheit, aber Luft nach oben ist schon noch.

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