3D-Druck: Niederländer drucken Brücke aus Metall

3D-Druck: Niederländer drucken Brücke aus Metall

von Tobias Finger

Daneben sehen 3D-gedruckte Plastikteile alt aus: In Amsterdam führt bald eine gedruckte Stahl-Brücke über einen Kanal.

Amsterdam hat mehr als 1200 Brücken, welche die vielen Kanäle der niederländischen Hauptstadt überspannen. Die älteste davon trägt den Namen „Torensluis“ (deutsch: Turmschloss) und besteht aus massivem Stein. Gleichzeitig ist sie auch die längste Brücke der Stadt. In mühevoller Handarbeit dauerte der Bauprozess im Jahr 1648 mehrere Monate.

Die nächste Brücke im “Venedig des Nordens” steht dazu im krassen Kontrast: Heijmans, die Ideenschmiede hinter dem Smart Highway, will in Zusammenarbeit mit den 3D-Druck-Revoluzzern von MX3D und Joris Laarman Lab eine Fußgängerbrücke aus Stahl drucken.

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Roboter-Druckarme zum "Printing Outside the Box"Das StartUp MX3D nutzt Roboter-Druckarme mit sechs Drehachsen, um Metallgegenstände in der Luft entstehen zu lassen. Dazu „malen“ die Roboter - ähnlich riesigen Lötkolben - die vorher designten Strukturen in die Luft.

Ein revolutionärer Prozess, findet Tim Geurtjens, technischer Leiter bei MX3D: „Was unsere Technologie von herkömmlichen 3D-Druckmethoden unterscheidet, ist, dass wir nach dem ‚Printing Outside the Box‘-Prinzip arbeiten.“

So weit ist es also schon: dass zwischen herkömmlichem, klassischem 3D-Druck und neuen, moderneren Techniken unterschieden wird. „Dadurch, dass wir mit sechs-achsigen Industrierobotern drucken, sind wir nicht mehr auf eine quadratische Kiste begrenzt. Eine funktionierende, lebensgroße Brücke zu drucken, ist natürlich die ideale Chance, die unbegrenzten Möglichkeiten unserer Technologie vorzuzeigen“, so Geurtjens weiter.

Auf dem Weg zur "Baustelle der Zukunft"Der genaue Ort, an dem die Brücke die Kanalüberquerung ermöglichen soll, steht indes noch nicht fest. In Kooperation mit der Stadt Amsterdam soll er aber bald bekannt gegeben werden. Ein Besucherzentrum mit Informationen über den Bauprozess und 3D-Druck im Allgemeinen soll ebenfalls eingeweiht werden.

Für Heijmans, die verantwortliche Baufirma, bedeutet die gedruckte Brücke mehr als nur den nächsten Schritt auf dem Vormarsch des 3D-Drucks in der Fertigungsindustrie. Stattdessen weise das Vorgehen die Richtung hin zur "Baustelle der Zukunft". Diese ist automatisiert und wird dadurch umweltfreundlicher, dass Ressourcen und Energie effizient genutzt werden.

Nebenbei wird auch das Design effektiver und detailgetreuer umgesetzt, als wenn es nach denen des Designers noch durch die Hände von Architekt, Bauleiter und Vorarbeiter geht.

Die Revolution der Revolution?Mit Brücken-Druckbeginn werden die MX3D-Roboter auf beiden Seiten des Kanals anfangen, die beiden Brückenenden zu bauen, bis sie sich in der Mitte treffen und das Stahlkonstrukt vollendet wird.

Designer Joris Laarman sieht in dem Projekt eine “fantastische Metapher für die Verbindung von Technologie der Zukunft und historischer Vergangenheit der Stadt auf eine Weise, die das Beste beider Seiten hervorhebt.”

Und ganz nebenbei wird die Fertigungs-Revolution 3D-Druck selbst revolutioniert – wenn auch bei diesem Projekt vermutlich wieder die Diskussion um additives Fertigen und „wirklichen“ 3D-Druck hochkochen wird. 3D-Puristen wird die Metall-Druck-Technik, die an der Universität Enschede vorgestellt wurde, wahrscheinlich besser gefallen.

Dieses Video gibt einen Einblick in die Arbeit am Projekt und die Funktionsweise der Druckroboter:

https://www.youtube.com/watch?v=pZNTzkAR1Ho

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