720.000 Dollar: Unilever-Boss erhält Rekordbonus für Umwelterfolge

720.000 Dollar: Unilever-Boss erhält Rekordbonus für Umwelterfolge

von Jan Willmroth

Paul Polman kann sich über einen dicken Bonus für seine Nachhaltigkeitsstrategie freuen. Damit liegt er im Trend.

In der Welt der Top-Manager ist die Sache üblicherweise klar: Wächst das Unternehmen, stehen auf dem Gehaltszettel der Bosse auch größere Summen. Steigende Verkäufe, mehr Gewinn, weniger Kosten – solche Erfolgsfaktoren sind es, an die Unternehmen die Bonuszahlungen für ihre Chefs knüpfen.

Doch seit einigen Jahren reicht das in vielen Konzernen nicht mehr, um so richtig abzusahnen. Denn mehr und mehr Unternehmen haben die Nachhaltigkeit für sich entdeckt, haben Umweltziele definiert, sprechen von sozialer Verantwortung. Und wer ambitioniertere Nachhaltigkeitsziele erreicht, verdient am Ende mehr.

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Das jüngste und vielleicht extremste Beispiel dieser Entwicklung ist der Bonus von Paul Polman, Chef des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns Unilever, zu dem unter anderem die Marken Rama, Knorr, Lipton, Axe und Dove gehören. 7,96 Millionen Euro Gehalt verdiente der Manager für das Geschäftsjahr 2013, 1,15 Millionen davon waren Bonuszahlungen.

Doch damit nicht genug: Unter anderem für seine Bemühungen um den Nachhaltigkeitsplan des Konzerns gab es nochmal mehr als 720.000 Dollar obendrauf – 37,5 Prozent extra.

Unilever hat sich mit Polman an der Spitze unter anderem verpflichtet, seine Umweltbelastungen bis 2020 um die Hälfte zu senken und alle Agrarrohstoffe aus nachhaltigen Quellen zu beziehen.

Weltweiter TrendIm aktuellen Jahresbericht des Unternehmens heißt es sodann, Polman erhalte den Extrabonus für „Leistung und Führungsstärke, eingeschlossen die Fortschritte zur Erreichung der ULSP-Ziele („Unilever Sustainable Living Plan“, d. Red.) sowie seinen Beitrag, nachhaltiges Leben alltäglich zu machen.“

In der Liga der internationalen Top-Manager gehört Polman zu jenen, die am lautesten dafür trommeln, ökologische und soziale Kriterien beim Unternehmenserfolg zu berücksichtigen. Seine Argumentation liegt auf einer Linie mit der des Ex-Bankers Pavan Sukhdev, der fordert: Unternehmen sollten langfristiger denken und schon heute in ihre Pläne einrechnen, inwiefern sie in Zukunft von einer intakten Umwelt profitieren.

Polman ist aber nur ein Manager unter vielen, dessen Gehalt an CSR-Ziele (Corporate Social Responsibility) gekoppelt ist, wie  Studien zeigen. Die Beratungs- und Analysefirma Glass Lewis kam in einer Umfrage 2012 zu dem Ergebnis, dass 42 Prozent der befragten Börsenunternehmen in elf Ländern Gehälter an Nachhaltigkeitsziele binden.

Die Nachhaltigkeits-NGO Ceres veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Report, wonach sieben Prozent der 600 untersuchten US-Unternehmen bei ihren Bonuszahlungen explizite Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen – zumeist gehörten dazu aber lediglich Gesundheitsaspekte, soziale Kriterien und Diversität.

Intel als VorreiterWeitere neun Prozent berücksichtigen Nachhaltigkeit bei ihren Boni, schreiben in ihren CSR-Berichten aber nicht von speziellen Zielen.

"Einen klaren Trend-Setter“ sehen die Ceres-Autoren im US-Chiphersteller Intel. Das Unternehmen habe die variablen Gehaltsanteile jedes Beschäftigten, die Chefs eingeschlossen, an die Umweltziele des Konzerns in drei Bereichen geknüpft: Energieeffizienz der Produkte, verringerte Treibhausgasemissionen und weniger Energieverbrauch, sowie die Reputation als grünes Unternehmen.

So verbrauche der Konzern seit 2008 acht Prozent weniger Energie und habe seine Emissionen um 23 Prozent gesenkt (Datenerhebung 2011).

Ein Paradebeispiel ist auch der Energiekonzern Xcel Energy: Ein Drittel des Bonus für den CEO hängt von den Konzernzielen in Sachen erneuerbare Energien, Emissionsreduktion und Energieeffizienz ab.

Unilever bemüht sich nach Kritik, sauberer zu produzierenTut das nur der Umwelt gut – oder haben die Unternehmen direkt etwas von dem Link zwischen Boni und Nachhaltigkeitszielen? Das Unternehmensnetzwerk Conference Board ging dieser Frage 2012 nach (hier als PDF).

Zwei Dinge heben die Autoren der Studie hervor. Erstens: Obwohl es wenige verlässliche Daten gibt, zeigen viele Fallstudien, dass Unternehmen mit Umweltinnovationen Millionen Dollar sparen und die langfristigen Profite stark beeinflussen können. Da scheint es logisch, wenn sie ihre Chefgehälter auch von Nachhaltigkeitszielen abhängig machen.

Zweitens seien dem Report zufolge auch die Marketing-Effekte nicht zu unterschätzen – Unternehmen, die sich strenge CSR-Ziele setzen, wollten oft als Umwelt-Vorreiter wahrgenommen werden. Bei ihnen sei es um einiges wahrscheinlicher, dass sie auch Gehälter an diese Ziele knüpfen, schreibt Conference Board.

Noch sind Nachhaltigkeits-Boni wie bei Unilever allerdings eine Ausnahme in der internationalen Wirtschaft. Und auch der Konsumgüter-Hersteller hat die Umwelt erst seit einigen Jahren für sich entdeckt. Nach anhaltender Kritik von Umweltschützern kündigte der Konzern im vergangenen Jahr an, bis Ende 2014 über die Herkunft sämtlichen Palmöls Bescheid zu wissen, das er verarbeitet – erst 2020 soll die gesamte Menge des Rohstoffs aus nachhaltigen Quellen stammen.

Soziale Kriterien wie Einkommensgleichheit spielen bei dem Bonus für Polman aber wohl noch keine große Rolle: Seine knapp acht Millionen Euro Gehalt entsprechen dem 232-fachen des durchschnittlichen Angestellten-Gehalts in den Niederlanden.

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