Alles ist erleuchtet: Forscher arbeiten an Lichtfolien aus dem Drucker

Alles ist erleuchtet: Forscher arbeiten an Lichtfolien aus dem Drucker

von Wolfgang Kempkens

Kommen Strom sparende Lichtfolien bald aus dem Drucker? Deutsche Forscher wollen die Technik marktreif machen.

Zwischen zwei Glasscheiben an der Bushaltestelle klemmt eine hauchdünne Folie. Darauf erscheinen Abfahrtzeiten und Ziele der nächsten Busse. Den Strom bezieht die Infotafel von einem Solarmodul auf dem Dach, das nicht viel dicker ist als ein Blatt Papier. Auch die Plakatwand, auf der aktuelle Nachrichten oder Werbung läuft, hat nichts mehr mit den klobigen fernsehähnlichen Kästen zu tun, die heute überall hängen. Auch sie ist nur noch eine leuchtende Folie.

Organische Leuchtdioden (Oleds) sollen ein solches Szenario möglich machen. Und zwar nicht die, die es heute schon als Displays von Smartphones und Fernsehern gibt, sondern Oleds aus dem Drucker.

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In Deutschland arbeiten neuerdings zwei Forschungs- und Entwicklungsgruppen an den Strom sparenden Lichtfolien. Bisher werden die aktiven Schichten der Oleds nach und nach aufwendig in einer Vakuumkammer abgeschieden. Das Drucken soll die Produktionskosten jetzt drastisch senken.

Dabei machen sich die Entwickler die Möglichkeit zunutze, sogenannte optoelektrisch aktive Substanzen - also Stoffe, die elektrische Signale zum Beispiel in Farben umwandeln können - in Flüssigkeiten zu lösen, die eine ähnliche Konsistenz wie Druckertinte haben.

Auch Verpackungen bald aus OLEDsWissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam-Golm entwickeln diese Technik gemeinsam mit dem Unternehmen MBraun in Garching bei München. Der Chemiespezialist baut die Kammern, in die die Drucker eingesperrt sind. Denn die lichtaktiven Substanzen, die die Printer auf die flexiblen Unterlagen aufdrucken, sind so empfindlich, dass die Techniker sie mit Stickstoff vor Zerstörung schützen müssen.

Diese Folien sollen dann aber nicht nur Abfahrtszeiten von Bussen anzeigen oder Nachrichten einblenden. Kleidungshersteller könnten sie beispielsweise auch auf Jacken anbringen, die im Dunkeln blinken, um Autofahrer zur Vorsicht zu mahnen. Auch als Tapeten könnten sie dienen und dann gleich die heute üblichen Lampen ersetzen. Aber da hören die Möglichkeiten noch nicht auf.

Eine zweite Oled-Forschergruppe hat ihr Zentrum im Heidelberger Innovation Lab, einer Einrichtung, die von den Unis Heidelberg und Karlsruhe getragen wird. An der Entwicklungsarbeit beteiligt sind unter anderem die Chemieriesen BASF und Merck, Wissenschaftler der beiden Hochschulen und das auf organische Elektronik spezialisierte Jungunternehmen Cynora aus Karlsruhe.

Das Konsortium will weltweit Vorreiter sein bei der Herstellung von Verpackungsmaterialien, die Leuchteigenschaften besitzen. Diese können Werbung oder Codes zum Identifizieren der in der Verpackung steckenden Ware anzeigen. Papierdünne Batterien versorgen die Oleds mit Strom. Die Flunderakkus wollen die Forscher ebenfalls im Drucker herstellen. Wegen des geringen Strombedarfs der Oleds genügt eine geringe Speicherkapazität.

Mit der gleichen Technik, die für die Leuchtfolien funtkioniert, lassen sich auch organische Solarzellen drucken. Statt Moleküle, die leuchten, wenn elektrischer Strom sie anregt, reichern die Forscher die „Tinte“ dazu mit Partikeln an, die Licht absorbieren. Oleds und gedruckte Solarzellen könnten dann zum Beispiel als Wechselverkehrszeichen, die sich selbst mit Strom versorgen, den Verkehr lenken. Wie stark die Forscherguppen die Kosten für all diese Anwendungen senken können, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.

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