Alpen-Neuheit: Künstliche Wolke lässt Pulverschnee rieseln

Alpen-Neuheit: Künstliche Wolke lässt Pulverschnee rieseln

von Wolfgang Kempkens

In Tirol soll diesen Winter eine künstliche Wolke braune Hänge beschneien und dabei wenig Wasser und Energie verbrauchen.

Die globale Erwärmung hat längst Einzug in die Skisaison gehalten: Ohne Schneekanonen geht nichts mehr. In vielen einstmals schneesicheren Gebieten reicht der natürlich vom Himmel fallende Niederschlag nicht mehr aus.

Um die teure Infrastruktur aus Skiliften & Co. auszulasten, soll die Saison verlängert werden. Doch die Geräte verbrauchen eine Menge an Ressourcen. Der jährliche Stromverbrauch allein in den Alpen entspricht dem der 500.000- Einwohner-Stadt Nürnberg, der Wasserverbrauch der 1,4-Millionenstadt München, so Axel Doering, Sprecher des Arbeitskreises Alpen beim Bund Naturschutz.

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Künstliche Wolke lässt Schnee rieselnEine Innovation aus Österreich könnte am horrenden Strom- und Wasserverbrauch etwas Entscheidendes ändern. In Obergurgl, einem beliebten Skigebiet in Tirol, präsentiert Michael Bacher von der Neuschnee GmbH, eine künstliche Wolke, aus der Schnee einer besonderen Qualität rieselt.

Sie produziert Pulverschnee, den fortgeschrittene Skifahrer besonders lieben. Während Schneekanonen aus einem Kubikmeter Wasser gerade einmal zwei Kubikmeter Schnee erzeugen, zaubert die Wolke aus der gleichen Wassermenge stolze 15 Kubikmeter.

Herzstück ist die Wolkenkammer. Diese wird mit feinst zerstäubtem Wasser gefüllt. In der Wolke treffen die Wasserpartikel auf feine Eiskristalle, die ebenfalls injiziert werden. Der Wassernebel schlägt sich darauf nieder, bis Schneeflocken wachsen, die aus der Kammer rieseln. Die Nebeldichte in der Kammer ist mindestens zehnmal höher als in einer natürlichen Wolke, um akzeptable Schneemengen erzeugen zu können.

Über den Stromverbrauch will Bacher nicht im Detail reden, nur so viel: Seine Maschine komme mit normalem Wechselstrom von 230 Volt aus. Schneekanonen sind dagegen auf 380-Volt-Drehstrom angewiesen. Wegen der hohen Umsetzungsrate reduziert sich auch die Energiemenge, die für das Herbeipumpen des Wassers nötig ist. Bei normalen Schneekanonen geht dafür bereits die Hälfte der insgesamt verbrauchten Energie drauf.

Erste Wolken-Tests laufen diesen WinterWie viel Schnee die Technologie produzieren kann, sollen Tests zeigen, die während des gesamten Winters laufen. „Mit den dabei gewonnenen Erfahrungen können wir vielleicht im nächsten Winter schon die erste Wolke in Betrieb nehmen – natürlich in Obergurgl“, so Michael Bacher. Die ersten kommerziellen Anlagen sollen in der Skisaison  2015/16 kommen und zwischen 25.000 und 45.000 Euro kosten.

Der Klimawandel könnte für die Neuschnee-GmbH, ein Spin-off der Universität für Bodenkultur Wien und der Technischen Universität Wien, allerdings auch geschäftsschädigend wirken. Während herkömmliche Schneekanonen bereits bei Temperaturen von über null Grad Celsius liefern, braucht die künstliche Wolke Minustemperaturen. „Ideal ist eine Temperatur unterhalb von minus fünf Grad“, sagt Bacher.

Hier noch ein Youtube-Video der künstlichen Wolke

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