Alternative zum Karton: So kämpfen zwei Startups gegen den Verpackungsmüll

Alternative zum Karton: So kämpfen zwei Startups gegen den Verpackungsmüll

von Peter Vollmer

Mit wiederverwendbaren Umzugs- und Paketkisten wollen Jungunternehmen den Papiermüll reduzieren.

Für eine Pfandflasche genug Geld zu bekommen, um davon eine neue Flasche Wasser kaufen zu können – als Deutscher kennt man das. Auch dem Finnen Juha Mäkelä war das Pfandsystem bekannt, als er in den neunziger Jahren als Austauschstudent nach Kopenhagen zog. Dort bekam er für drei Pfandflaschen ein neues Bier.

So entwickelte Mäkelä nach eigener Aussage eine regelrechte Begeisterung für das Rückgabesystem. Und trug seitdem die Idee mit sich herum, einen Pfand für Paketverpackungen einzuführen. Eine Idee, die durchaus nötig ist: Denn der Paketversand nimmt in ganz Europa zu und damit auch der Verpackungsmüll. Seit dem Jahr 2000 ist die Sendemenge allein in Deutschland von 1,7 auf 2,7 Milliarden Pakete gestiegen.

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Briefkasten als PfandautomatNahezu analog steigt auch der Bedarf an Verpackungsmaterial, das selten mehrfach genutzt wird. Genau das will Mäkelä mit seinem Startup "RePack" jetzt ändern. Mit einer Mehrwegverpackung, für die der Käufer beim Online-Shopping einen Zuschlag bezahlt.

Diese Verpackung kann er nach dem Auspacken mit einem beigelegten Rücksendeetikett bekleben und (auf Briefformat gefaltet) wieder in den Briefkasten schmeißen. Dafür bekommt er dann das Pfand zurück – als Gutschein für den nächsten RePack-Versand; der Briefkasten als neuer Pfandautomat sozusagen.

Die Wiederverwendbarkeit steht auch bei "Box at Work" im Vordergrund, einem deutschen Startup, das dem zweiten großen Kartonfresser an den Kragen will: Dem Umzug. Zehn Millionen Menschen haben in Deutschland im vergangenen Jahr die Wohnung gewechselt.

"Ich bin auch immer viel umgezogen", erklärt Gründer Gerrit Jan Reinders. "Mal rissen dabei die Boxen ein, wurden nass oder lagen nach dem Umzug zwei Jahre sinnlos herum." Dann wanderten sie in den Müll.

Genervt von der Karton-Situation traf sich Reinders 2013 erstmals mit Investoren, konkretisierte seine Pläne und bietet inzwischen seine wiederverwendbaren Umzugskisten in Berlin und Umland an. Allerdings sind sie aus Plastik. Was zunächst nicht umweltfreundlich klingt, sei aber ein Cradle-to-cradle-Produkt, sagt Reinders.

"Wir haben auch über andere Materialien nachgedacht, aber die Kunststoffkisten kann man 400 Mal benutzen, einschmelzen und danach neue Kisten daraus machen."

Plastik zum Umweltschutz

Plastik als umweltfreundliche Alternative? Auch die Finnen von "RePack" nutzen Verpackungen aus alten Plakatwänden oder dem recyclebaren Kunststoff Polypropylen. So wollen die Skandinavier den CO2-Verbrauch auf 25 Prozent im Vergleich zum bisherigen Verpackungskreislauf senken. Und das trotz des Rücktransports.

Den nehmen die großen Gewinner dieses Konzeptes vor: die Paketdienstleister. Doch auch bei den Kunden kommt die Idee an: Laut Mäkelä sei die häufigste Rückmeldung auf seine Idee: "Warum gibt es das nicht schon längst?" Allerdings: Bislang gibt es "RePack" nur in Finnland. Auch "Box at Work" gibt es vorerst nur im Berliner Umland.

Beide Startups wollen jetzt schnell wachsen. "Box at Work" will bereits dieses Jahr in die nächsten Großstädte ziehen. Hand in Hand mit dem Umzugsservice bieten die Berliner übrigens auch ein Lagersystem an. Praktisch: Wer beim Umzug ohnehin alles einpackt, kann einige Kisten direkt im Wagen lassen. 2000 Kisten sind bereits eingelagert, zu einem großen Teil von Unternehmen.

Wer in Berlin wohnt, kann "Box at Work" bereits ausprobieren. 1,99 Euro kostet die Kiste pro Woche (bei einer Mindestabnahme von 15 Stück). Damit ist das Startup preislich noch nicht ganz beim Pappkarton angekommen, bietet dafür aber Zubehör und weitere Organisationsleistungen an. Großer Vorteil: Die Kisten werden kostenlos geliefert und abgeholt, innerhalb von 24 Stunden.

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