Anbau in Deutschland: Soja-Bohnen aus Hildesheim

Anbau in Deutschland: Soja-Bohnen aus Hildesheim

von Nora Marie Zaremba

Soja hat einen schlechten Ruf, wächst die Pflanze doch besonders gut auf brandgerodeten Regenwald-Feldern. Dass die Bohne auch hierzulande angebaut wird, weiß kaum jemand.

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Rettet den Regenwald von zuhause aus: Biolandwirt Jan Wittenberg baut Soja im Landkreis Hildesheim an. (Fotos: Zaremba)

Tofu oder Sojamilch gibt es mittlerweile nicht mehr nur in Bioläden, sie sind auch in Kühlregalen bei Aldi und Co. zu finden. Der Vegetarierbund Deutschland schätzt, dass sich mindestens zehn Prozent aller Deutschen bereits vegetarisch ernähren. Entsprechend ist auch der Umsatz von Sojaprodukten in den letzten Jahren nach oben geschnellt.

Deshalb anzunehmen, Soja sei generell umweltfreundlich, ist falsch. Europa importiert 80 Prozent seines Bedarfs an Sojabohnen. Rund 90 Prozent davon landen im Futtertrog von Schweinen und Geflügel. Der Rest wird zu Agrartreibstoffen verarbeitet oder zur Herstellung von Margarine benutzt.

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Nur ein Prozent der Bohnen landet direkt auf unserem Teller. Bei den Importen handelt es sich außerdem zum Großteil um gentechnisch veränderte Pflanzen, deren Anbau in Europa verboten ist.

2400 Hobbygärtner testen den Anbau 

Soja in ganz Deutschland heimisch zu machen, das ist das Ziel von "Tausend Gärten", einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Landessaatzuchtanstalt (LSA) der Universität Hohenheim zusammen mit dem Soja-Hersteller Taifun aus Freiburg, einer der größten Soja-Produzenten Europas. 

Anfang des Jahres suchte "Tausend Gärten" daher bundesweit freiwillige Hobbygärtner, die verschiedene Sojasorten in ihren Beeten sähen und ihre Entwicklung über das Jahr beobachten würden. An etwa 2400 Gärtner schickten die Forscher Samentütchen mit dem immer gleichen Inhalt.

Im projekteigenen Gärtnerblog tragen die Teilnehmer nun Neuigkeiten zu 16 vorgegeben Stationen rund um ihre Pflanzen ein. "Wir brauchen Informationen über den Blühzeitpunkt, die Höhe der Sojapflanzen und das Reifedatum", sagt Martin Miersch, der das Projekt für die Firma Taifun betreut.

Der Herbst ist die Erntezeit von Soja. Die Forscher der LSA Hohenheim hatten deshalb in den vergangenen Monaten viele Tütchen mit Sojabohnen von den Gärtnern zugeschickt bekommen. Forscher wie Hersteller erhoffen sich, vier bis fünf neue Sorten zu entwickeln, die sich für den Anbau in Mitteleuropa besonders gut eignen. Bis die neuen Sorten in Deutschland zugelassen werden, können allerdings bis zu drei Jahre vergehen.

Geschmack und Eiweißgehalt entscheiden

Im Fokus von "Tausend Gärten" stehen die Eigenschaften der Bohne zur Tofuherstellung. "Wir möchten, dass mehr Soja direkt auf unsere Teller kommt, anstatt den tierischen Umweg zu gehen. Und unser Soja sollte dann eben auch vermehrt aus Deutschland kommen", sagt Miersch. Die nächsten Schritte sehen vor, den Eiweißgehalt der Bohnen zu testen.

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Nach der Ernte werden die Soja-Bohnen beispielsweise zu Bio-Tierfutter verarbeitet.

Später, wenn aus der Bohnen-Rohmasse Tofu hergestellt ist, wird Geschmack und Konsistenz geprüft. Laut Miersch erzielen bisher vor allem Bohnen aus Süddeutschland die erfolgreichsten Geschmackstests beim Tofu, einfach, weil das Klima dort milder ist. Von den 120 überwiegend konventionellen Sojabauern, die es derzeit schon in Deutschland gibt, sitzt die Mehrheit daher auch in Bayern und Baden-Württemberg.

Dass Sojabohnen auch gut in Norddeutschland gedeihen können, zeigt der Biolandwirt Jan Wittenberg. In Malehrten im Landkreis Hildesheim baut er neben anderen Früchten auch Soja an - und das schon seit acht Jahren.

Anbau klappt auch in Norddeutschland

Auch der 48-Jährige konnte in diesem Herbst ernten. "Als sie erbsenrund in ihrer Schote geklappert haben, da waren sie reif", erklärt Wittenberg. Nun verarbeitet er die Bohnen zu Öl. Einen Teil liefert er als Bio-Tierfutter an ökologische Landwirte. 

Wittenberg nutzt verschiedene Sorten und in jedem Jahr säht er den Soja auf einem anderen Feld. So bleibt der Boden erhalten. Soja macht viel ihm Arbeit. Grundsätzlich aber ist die Pflanze gut zum Boden ist. Sie gehört zu den Leguminosen, holt sich also den nötigen Stickstoff aus der Luft und speichert ihn im Boden. Dank dieser für viele Hülsenfrüchte ganz typischen Eigenschaft düngt Soja sich quasi von selbst. Als Wunderpflanze bezeichnet wird Soja auch aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts. Eine halbe Tasse Sojabohnen liefert etwa soviel Eiweiß wie ein 150 Gramm Steak.

Sein 150-Hektar-Feld wegen des ganzen Hypes um die Pflanze zu vergrößern, lehnt Wittenberg nachdrücklich ab. "Da wäre ich ja ganz schnell bei einer Monokultur und nicht besser als die konventionelle Landwirtschaft."

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