Anti-Tsunami-Haus: Niederländer machen Gebäude fit gegen Überschwemmungen

Anti-Tsunami-Haus: Niederländer machen Gebäude fit gegen Überschwemmungen

von Tobias Finger

Leben mit den Fluten: Ein niederländisches Architekturbüro entwickelt Gebäude für Hochwassergebiete.

Der weltweite Klimawandel erfordert auch in Wohnraum-Fragen ein Umdenken – und eröffnet Bauunternehmen und Designern ganz neue Märkte. Die will unter anderem das niederländische Bau- und Architekturbüro FDN Group erschließen.

Die Niederländer haben sich vor allem auf Bauten spezialisiert, die Überflutungen standhalten und denen auch ein steigender Meeresspiegel nichts anhaben kann. Die neueste Entwicklung ist dabei ein Anti-Tsunami-Haus (siehe Aufmacherbild).

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Weniger Angriffsfläche für das WasserEs wurde speziell für die Gefahrengebiete an den Küsten Asiens konzipiert. Mit einem sogenannten hydrodynamischen Design, dem extra stabilen Beton und den wasserdichten Fenstern soll es Bewohner und Einrichtung gegen Überflutungen schützen.

Dafür steht es auf runden Betonstelzen, die dem Wasser möglichst wenig Angriffsfläche bieten und deren Stabilität Druckwellen optimal angepasst ist. Solaranlagen auf dem Dach sollen auch nach der Katastrophe Strom erzeugen, wenn die Strommasten weggespült sind.

Für ihr Tsunami-Haus ist FDN jetzt für den European Business Award nominiert, der herausragende Entwicklungen aus Europa auszeichnet.

Das Haus ist für die Niederländer dabei nur eine logische Weiterentwicklung ihrer bisherigen Tätigkeit. Denn FDN wappnet seine Bauten für alle möglichen Arten von Wassereinsätzen.

Noch am wenigsten spektakulär sind dabei die bisher von FDN gebauten schwimmenden Häuser in den Niederlanden (siehe links). Interessanter ist schon eine schwimmende Feuerwehr-Wache der Gemeinde Deventer. Kleine, schwimmende Stadtviertel plant FDN in Sri Lanka und dem norwegischen Oslo.

Wohnraum, der sich hebt und senkt

Für die kolumbianische Regierung haben sich die FDN-Ingenieure noch etwas pfiffigeres einfallen lassen. In dem südamerikanischen Land kommt es immer öfter zu verheerenden Überschwemmungen in Folge der Regenzeit.  FDN sieht dafür ein Haus vor, das sich an die Launen der Natur anpasst.

Während es eigentlich auf dem Land steht, treibt es bei Überschwemmungen auf der Wasseroberfläche. Die Rückkehr zur eigentlichen Position ist durch montierte Anker möglich. Auch die amphibischen Häuser sollen mit Solarstrom vom Dach versorgt werden.

Die einfache Fertigung und der günstige Transport führen zu Preisen von rund 20.000 US-Dollar pro Haus mit 50 Quadratmetern Wohnfläche.

Umweltfreundliche WellenbrecherAber nicht nur Häuser und Wasser bringen die Niederländer zusammen. Die Häfen von Monaco und der griechischen Insel Messolonghi werden beispielsweise von schwimmenden FDN-Wellenbrechern geschützt, die mit Wellenkraftwerken ausgestattet sind, die Energie erzeugen.

Zuvor hatte das Unternehmen schon mit der mehrfach ausgezeichneten Ultrabridge auf sich aufmerksam gemacht, einer Brücke aus High Performance Beton, die keine Wartung benötigt und an einem Tag gebaut werden kann.

Dass die Wasserbau-Projekte von FDN und neue Ideen für den Hochwasserschutz dringend nötig sind, zeigen die jüngsten Katastrophen in Süd- und Süd-Ost-Asien. Im Dezember und Januar kam es zu einer Serie von verheerenden Überschwemmungen unter anderem in Indonesien, Malaysia und Sri Lanka. Mehr als 1,5 Millionen Menschen waren von den Fluten betroffen, die von den Monsun-Regenfällen ausgelöst wurden.

In Deutschland sorgten zuletzt die Hochwasser Ende Mai und Anfang Juni 2013 für Schäden in Höhe von schätzungsweise 6,7 Milliarden Euro und acht Todesopfer.

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